In dieser Ausgabe:
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Sie zählen die Tate Modern oder die Whitechapel Gallery ebenso zu Ihren Kunden wie Nike, MTV oder Liberty. Worin besteht der Unterschied für einen Sportwaren-Hersteller oder eine Kunstinstitution zu arbeiten? Gibt es da überhaupt einen Unterschied?

Es ist vielleicht seltsam, aber eigentlich sehen wir da kaum einen Unterschied. Wir betrachten uns als "medien-neutral", um ein Zitat zu verwenden. Das gilt sowohl für sämtliche unserer Kunden wie auch für die unterschiedlichen Medien. Ganz egal, ob wir nun etwas fürs Fernsehen machen oder im Print-Bereich, ob wir eine Website entwerfen oder für MTV, Deutsche Bank Art oder Nike arbeiten – wir folgen immer derselben Prozedur. Wir fragen uns immer: Was wäre eine gute Idee für dieses Projekt? Welches wäre die interessanteste Weise, sich der Aufgabe zu nähern? Wir legen sehr großen Wert auf das Briefing. Wir setzen uns hin, nehmen die Vorgaben auseinander, streiten uns, diskutieren darüber. Wir bauen das Vorgabenpapier wieder neu zusammen und schaffen etwas, das die Ausgangsposition in Frage stellt oder zumindest erweitert. Ich glaube nicht, dass ein Kunde will, dass du mit etwas ankommst, an das er sowieso bereits selbst gedacht hat.



CI-Entwurf und Plakat für die Whitechapel Gallery


Wie kam es zur ersten Begegnung mit Ariane Grigoteit und Friedhelm Hütte, den Direktoren der Deutsche Bank Art?

Nun ja, wir hatten einen Auftrag für Christie’s Contemporary fertig gestellt. Ariane Grigoteit und Friedhelm Hütte sahen unsere Arbeit, aber dummerweise hatten wir vergessen in den Katalogen anzugeben, wer sie entworfen und gestaltet hatte. Die Deutsche Bank Art verbrachte Monate damit, uns zu finden. Als Friedhelm mich endlich aufgespürt hatte, hielt er mir erstmal eine saftige Standpauke (lacht). Er war richtig sauer. Seitdem sind wir immer sehr aufmerksam, wenn es um die Kennzeichnung unserer Arbeit geht. Beim ersten Gespräch waren uns die beiden wirklich auf Anhieb sympathisch. Man hat ja diese stereotypen Vorstellungen, wie bestimmte Leute sind. Ich wusste damals nicht viel über die Deutsche Bank, außer dass sie dieses tolle Logo haben. Unsere Erwartungen wurden ziemlich auf den Kopf gestellt. Wir dachten, da kommen Menschen in grauen Anzügen mit betont seriösem Auftreten, so etwas in der Richtung. Stattdessen hatten wir bei unserem ersten Treffen dieses phantastische Gespräch darüber, welche Möglichkeiten es gibt, Farben einzusetzen, und sie sagten uns, wie begeistert sie von unserem Umgang mit Farbe seien. Das war eine echte Überraschung. Und so ist es bis heute geblieben.



Visuell Cover, Ausgabe 1


Der Titel "Visuell" klingt programmatisch. Wie entstand die Idee eines Kunstmagazins?

Das entstand in Diskussionen mit Friedhelm und Ariane. Wir unterhielten uns darüber, dass Kunstbücher, Kataloge und ganz speziell Hardcover häufig Berührungsängste erzeugen. Doch ein Magazin ist jedem vertraut. Wir alle dachten, dass ein Magazin ein gutes Format wäre, um über die ganz unterschiedlichen Aspekte des Kunstengagements der Bank zu berichten – die Arbeiten und Künstler in der Sammlung, die Kunst am Arbeitsplatz, die internationalen Ausstellungen, die Editionen, die Menschen, die mit der Kunst in der Bank zu tun haben. Der Titel des Magazins sollte sowohl im Deutschen als auch im Englischen zu verstehen sein. Zugleich trifft der Titel den Kern: Es geht im Magazin um die visuelle Welt, die Kunst.

Dies ist die dritte Ausgabe von "Visuell", an der Sie mitwirken. Wie hat sich die Arbeit am Magazin und mit der Deutsche Bank Art verändert?

Ich glaube die Arbeit an jedem einzelnen der Magazine hatte einen ganz eigenen Rhythmus. Besonders viel haben wir bei der ersten Ausgabe gelernt. Jedes Magazin war eine Herausforderung, aber die erste Ausgabe von "Visuell" musste den Lesern eine Menge Dinge erklären, von denen sie vorher kaum eine Vorstellung gehabt hatten. Es ging um grundsätzliche Sachverhalte und Informationen, die das Konzept und die inhaltliche Struktur des Kunstengagements der Bank erläuterten. Bei der zweiten Ausgabe wurden die Artikel bereits vielfältiger. In seinem Aufbau glich dieses Magazin schon viel eher einem Heft, das man im Buchladen oder beim Zeitschriftenhändler mitnimmt.



Visuell, Ausgabe 1, Beispiel für die Gestaltung der Doppelseiten


Wie unterscheidet sich das aktuelle Magazin von vergangenen Ausgaben?

Die dritte Ausgabe von "Visuell" hat eine völlig neue Ausrichtung, weil es in Verbindung mit der Ausstellung zum 25-jährigen Jubiläum der Sammlung Deutsche Bank im Deutsche Guggenheim herauskommt. Das neue "Visuell" soll zwei Dinge erfüllen: Es soll ein gut gemachtes Magazin mit interessanten Artikeln werden und zugleich als Katalog zur Ausstellung fungieren. In dieser Hinsicht ist es wiederum ein eigenständiges und außergewöhnliches Projekt, das auch unabhängig von den vorhergehenden Ausgaben gesehen werden kann.




Visuell, Ausgabe 1, Beispiel für typografische Gestaltung der Seiten


In der Ausstellung "25 Jahre Sammlung Deutsche Bank" werden 25 ausgewählte Paten ihre Lieblingsarbeiten aus der Sammlung präsentieren. Das sind ja bereits eine Menge von Personen und Werken. Wie wird diese Auswahl im Katalogteil des aktuellen "Visuell" präsentiert werden?

Wir wollen den Eindruck eines Magazins durchgehend beibehalten. Aber natürlich kann man die vorgestellten Kunstwerke nicht so behandeln wie die anderen Abbildungen und Fotos im Heft. Man kann sie nicht beschneiden, keine Schrifttypen über sie legen. Die Balance zwischen Katalog und Magazin ist eine spezielle Herausforderung. Es gibt bestimmte Einschränkungen, die ein Katalog mit sich bringt, und daran müssen wir uns auch halten. Zugleich gibt es auch gestalterische Maßgaben für ein Magazin, die wir nicht aus den Augen verlieren wollen. So werden wir immer mehrere ganz unterschiedliche Kunstwerke auf den einzelnen Seiten kombinieren. Das ist etwas, das man in regulären Katalogen gewöhnlich nicht findet.

Welche Beiträge und Themen interessieren Sie als Grafiker ganz besonders beim neuen "Visuell"?

Ich freue mich besonders darauf, an Beitragen wie der Reportage zur Villa Romana zu arbeiten, dem Künstlerhaus in Florenz, das die Deutsche Bank seit nun 100 Jahren unterstützt. Die Villa wurde im 19. Jahrhundert erbaut und ist von einem wunderschönen Park umgeben. Das sind einmalige Bilder und Eindrücke und der beauftragte Fotograf Michael Danner ist wirklich herausragend. Und als richtiger Design-Freak bin ich natürlich schon sehr auf den Beitrag über Anton Stankowski gespannt, der das Deutsche Bank Logo entworfen hat. Er ist für mich ein absoluter Star. Sie brauchen das nicht ins Interview aufzunehmen, aber ich finde das Deutsche Bank Logo das beste Logo der Welt.

Mit dieser Meinung sind Sie nicht alleine. Stankowski hat gerade unter den jungen Designern viele Fans.

Ich bin einer davon. Ich würde gerne mehr über die Entstehungsgeschichte des Logos erfahren. Es ist wirklich der Inbegriff für modernistisches Gegenwartsdesign.

Das Interview führten Oliver Koerner von Gustorf und Maria Morais


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