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Visionäre Räume:
Zaha Hadids Ausstellungsarchitektur für das Deutsche Guggenheim



Blick in die Ausstellung "25" im Deutsche Guggenheim, Foto: Mathias Schormann

Eine sphärische Raumlandschaft, organisch und technoid zugleich – so radikal umgestaltet präsentiert sich das Deutsche Guggenheim für „25“, die Jubiläumsschau der Sammlung Deutsche Bank. Kopf hinter dem futuristischen Ausstellungsdesign ist Zaha Hadid, deren Entwürfe zu den aufregendsten zählen, die Architektur heute zu bieten hat. Ein Porträt von Ulrich Clewing

Als Zaha Hadid einmal von einem Kritiker gefragt wurde, ob es ihr bei ihren Gebäuden um die „Zerstörung von Wirklichkeit“ ginge, gab sie eine bemerkenswerte Antwort. Erstens, erwiderte sie, hänge das davon ab, welche Wirklichkeit gemeint sei. Und zweitens sei die Schwerkraft „immer noch die größte Herausforderung“ der Architektur – „das Faktum, dass Objekte immer irgendwann ‘landen’“ müssten. Was zweierlei beweist: Zum einen findet sich Zaha Hadid offenbar nur schwer mit vermeintlichen Gewissheiten ab, sondern stellt im Zweifelsfall lieber eine Gegenfrage. Und zum anderen ist sie sich sehr wohl darüber im Klaren, dass die Grundgesetze der Physik auch für sie Geltung besitzen.


Ausstellungsarchitektur für "25" im Deutsche Guggenheim, Aufbauphase
Fotos: Mathias Schormann

Wohl niemand anderes als die Irakerin mit Wohnsitz in London hätte die visionäre Ausstellungsarchitektur für 25 entwerfen konnen. Zaha Hadid, die 2004 als erste Frau in der Geschichte mit dem renommierten Pritzker-Prize , dem „Nobelpreis der Architektur“, ausgezeichnet wurde, hat für das Deutsche Guggenheim ein Design realisiert, dass den üblichen Rahmen von „Ausstellungsarchitektur“ sprengt. Für die Jubiläumsschau entwarf sie ein biomorphes architektonisches Gebilde, das an ein System kommunizierender Röhren erinnert und auch die benachbarte Deutsche Bank Unter den Linden mit einbezieht. Es reflektiert das ungewöhnliche Konzept der Ausstellung: 25 Paten habe sich für die Schau aus der Sammlung Deutsche Bank ihre persönlichen Favoriten – von der Klassischen Moderne bis zu junger Gegenwartskunst – ausgesucht.

Ergänzt wird die Auswahl der Paten durch die Sektion "Curator’s Choice", die einen Blick in die Zukunft der Sammlung wirft. Die Ausstellungsarchitektur gibt diesem lebendigen, facettenreichen Netzwerk der Kunst einen adäquaten Rahmen. Das Spannungsverhältnis zwischen Ausstellungsarchitektur und der Kunst gehört dabei für Dr. Ariane Grigoteit, Direktorin der Deutsche Bank Art, zum Konzept: „Besonders interessant erschien uns Zaha Hadids Entwurf im Hinblick auf die Konditionen in der Bank, wo die Kunst auf die vorgegebene Architektur und das alltägliche Arbeitsumfeld reagieren muss. Zaha Hadid hat diese Konstellation in einer sehr gekonnten Art in die Ausstellungssituation überführt. Ihre Symbiose von Arbeitswelt und Ausstellungsraum fordert die Kunst heraus und schützt sie zugleich.“



Blick in die Ausstellung "25" im Deutsche Guggenheim, Foto: Mathias Schormann

Im Deutsche Guggenheim entstand eine Raumlandschaft, die abwechselnd organisch und anorganisch, natürlich und gleichzeitig hochgradig artifiziell wirkt. „Bei den Besuchern wird der Eindruck erweckt, in eine fremde, ein wenig bizarre Welt einzutauchen, die wie ein Parcours dazu einlädt, entdeckt und durchquert zu werden,“ sagt Hadid. In der Ausstellungshalle dominiert das Motiv der konkaven, nach innen gewölbten Krümmung. Mal gedehnt und gestreckt, mal schlauchartig in die Länge gezogen, mal gestaucht und gezerrt – überall ist man umgeben von Einbuchtungen, fließenden Übergängen, Nischen und Rundungen, in denen die Bilder der Jubiläumsausstellung wie edle Preziosen positioniert sind.

In einer Art Inversion setzt sich diese Architektur dann im Atrium des Gebäudes fort. Hier ragen konvexe Kegel, unregelmäßige Pyramiden, schlanke Schäfte und kugelige Wülste empor. Es handelt sich dabei um jene Formen, die aus dem architektonischen „Körper“ der Einbauten in der Halle entfernt wurden. Zaha Hadids visionäres Konzept ist so komplex, dass es ohne den Einsatz modernster Technik nicht denkbar wäre. Noch vor zehn Jahren hätte ein solcher Entwurf nicht entstehen können, weil damals weder die nötigen Programme geschrieben waren, noch die Rechner existierten, mit denen die anfallenden Datenmengen bewältigt werden konnten.



Vitra Feuerwache, Weil am Rhein
Foto: Hélène Binet

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