In dieser Ausgabe:
>> Interview mit den Kuratorinnen: Hilla von Rebay im Guggenheim in New York
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Parcour der Überraschungen:
25 – die Jubiläumsausstellung der Sammlung Deutsche Bank im Spiegel der Presse



"Dynamisch, bewegt und erregend", so die Financial Times, oder schlicht "sensationell", wie die BZ meint – die Geburtstagsschau der Sammlung Deutsche Bank stößt in der Presse auf ein sehr positives Echo. Vielen Journalisten erscheint das Konzept der Ausstellung als besonders bemerkenswert. Für Gabriela Walde von der Welt entspricht es "dem Lauf der wechselvollen Kunstgeschichte, mit ihren Ismen, die sich kreuzten und überlagerten, mit ihren Umbrüchen, Schüben und Transformationen". Das Konzept fördert für Walde neue Sichtweisen auf die Sammlung: "Kuratiert wurde die Ausstellung von illustren 25 'Paten', allesamt Freunde und Wegbegleiter der Sammlung, darunter Max Hollein, Direktor der Schirn und des Städel in Frankfurt, Sir Simon Rattle, Chef der Philharmoniker, die Sammlerin Ingvild Goetz, Miuccia Prada und Hilmar Kopper. Eine clevere Entscheidung, den Blick auf die Sammlung durch 'Externe' zu schärfen. Der Reiz liegt in der Zusammenstellung dieser 'Selbstporträts'. Erstaunlich, wie die Paten die Kunstgeschichte interpretieren oder ganz einfach ihre Lieblingskünstler heraussuchen. Sammler und Ex-Galerist Paul Maenz zeigt sich klassisch im Entree mit einem nach Bildstrukturen suchenden Mondrian (das wertvollste Exponat der Kollektion) und Anselm Kiefers Collage Wege der Weltweisheit: die Hermanns-Schlacht von 1978. Wandlung, so das Thema. Rattle, der Musische, hat sich musische Zeichnungen ausgesucht, verschwindend filigrane Strichwelten von Kandinsky, Klee und Rebecca Horn. Wer abstrakt denkt, könnte hier bald feine Noten sehen. Fast möchte man in sie hineinhören, so still sind sie." Ulrich Clewing attestiert 25 im Berliner Tagesspiegel die Ausstellung sei – dank des Schwerpunkts der Sammlung auf Papierarbeiten und dem Versicht auf "das Repräsentative, was Firmenkollektionen häufig auszeichnet" – angenehm zurückhaltend. Zum Konzept von Kuratorin Ariane Grigoteit bemerkt er: "25 Paten mit so unterschiedlichen Temperamenten unter ein Dach zu zwängen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, hat dem Resultat in diesem Fall aber sehr gut getan. (…) Je länger man sich in der Ausstellung aufhält, desto stärker achtet man darauf, welcher Pate welche Werke ausgesucht hat. Plötzlich stellen sich für eine Kunstschau ungewöhnliche Fragen: Warum gerade der? Und: welche Verbindungen könnte es noch geben? So zerfällt das disparate Konglomerat nach einer Weile in lauter kleine Persönlichkeitsinseln, die die Lesarten in neue unvermutete Richtungen lenken." Andrea Hilgenstock von der Rheinpfalz spricht von einem "Parcour der Überraschungen" mit "erfrischend individuellen Facetten" und einer "sehr persönlichen Sicht auf das Wichtigste aus der weltweit größten Unternehmenssammlung."






Das spektakuläre Ausstellungsdesign von Zaha Hadid dient vielen Journalisten als Aufhänger für ihre Artikel. Die organischen Formen der Londoner Star-Architektin reizen zu verblüffenden Assoziationen. Sie reichen von "Wetzsteine für Wellensittiche" und "architektonische Darmspiegelung", so die Financial Times, bis zu "Kunst-Wurm", so die Berliner Morgenpost. Die BZ fühlt sich an "Rippen eines Dinosauriers" erinnert. In der Märkischen Allgemeinen begeistert sich Welf Grombacher für das futuristische Ambiente: Hadid hat "eine atemberaubende Ausstellungsarchitektur gezaubert (…): eine begehbare Raumplastik, die in das Atrium ausufert und mit ihren gebogenen weißen Wänden und organisch fließenden Formen eine Plastik von Hans Arp sein könnte." Für Die Welt spiegelt Hadids Kunstparcours den Geist der Sammlung Deutsche Bank. "Dieser quasi fließende Durchgang durch die Kunst der Sammlung – angefangen bei der Klassischen Moderne bis zur jüngsten Gegenwart – (…) kann man als Abbild der Kollektion selbst lesen, die durch verschiedene persönliche Visionen, ästhetische Vorlieben und individuelle Kontakte in den letzten Jahren rasant gewachsen ist und viele Impulse vereint. (…) Es gibt keine Stabilität, alles verändert sich – und genau diese Wandelbarkeit hat Hadid in Styropor modelliert. Statt den glatten weißen Wänden, an denen sich die Bilder brav versammeln, hat Hadid eine Raumlandschaft geschaffen, die Spannung und Dynamik entwickelt; die Fotografien oder Bilder scheinen an den welligen Wänden zu schweben."

Natürlich geht es in der Presse auch um die Hintergründe des Kunstengagements der Deutschen Bank, der "Weltmeisterin im Kunstsammeln" (art). Dazu zitiert die Financial Times Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck: "Mit Kunst hört man das Gras schneller wachsen. Denn: Wo artikuliert sich das, was uns morgen bewegt, wenn nicht in der Kunst?" Im Berliner Stadtmagazin tip erläutert die Kuratorin der Schau Ariane Grigoteit, dass die Sammlung mit ihrem Schwerpunkt auf junger Kunst nicht nur ein geistiges Kapital darstellt: "Von Beginn an hat die Entscheidung der Bank, zeitgenössische Kunst am Arbeitsplatz zu zeigen, die Menschen motiviert und gefordert. Kunst ist hier kein Feigenblatt, sondern emotionale und geistige Dividende, ein Angebot, sich auf andere Weise mit zeitgenössischen Themen auseinander zu setzen. Als faszinierend empfunden wird, dass die Unternehmenssammlung eine der besten Aktien der Bank ist. Sie ist beachtlich im Wert gestiegen und wurde preiswert gekauft."