In dieser Ausgabe:
>> Die unglaubliche Leichtigkeit Mariko Mori zu sein
>> Ina Webers Installation "Welcome to the Club"

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Die fertigen Arbeiten wirken dann makellos. Es ist erfrischend zu hören, dass Sie so tastend anfangen .

Das Projekt fängt mit den Entwürfen an. Um festzulegen, was ich produzieren will, kann ich nicht von null auf hundert gehen. Ich muss das alles genau planen und immer wieder ausbalancieren: mich einerseits an meine coole Idee halten und andererseits loslassen können. Wenn ich aggressiv bin, komme ich nicht voran. Wenn ich sehr passiv bin, passieren die Dinge manchmal trotzdem. Du musst auf den richtigen Moment warten. Meine Arbeit ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Leuten, die mit derartigen Projekten keinerlei Erfahrungen haben. Das ist eine Herausforderung.



Dream Temple Vision Dome, 2000
Sammlung Deutsche Bank

Wie groß ist Ihr Team?

Ich brauche viele Spezialisten: Ingenieure, Wissenschaftler, Programmierer und Leute für das Licht. Alle Teile der Arbeit müssen exakt zueinander passen. Es ist nicht einfach für mich, alle Details zusammenzuführen. Manchmal fallen die Dinge auch auseinander. Wie bei einem Manöver ist es nicht einfach möglich, die Situation vollständig zu kontrollieren. Letztendlich ist es für jeden eine neue Arbeit und das Neue steckt immer voller Überraschungen. Wenn dann glücklicherweise die richtigen Leute sowie die richtige Idee und Atmosphäre zusammenkommen, kann nichts mehr schief gehen. Wenn aber meine Ausgangsidee nichts taugt, können mir selbst gute Mitarbeiter nicht helfen.

Arbeitet Ihr Team in Ihrem Studio?

Die Konstruktion wurde in Italien hergestellt, ein Programmierer arbeitete in Japan und die Hardware wurde in den USA entwickelt. Trotz der Sprachbarrieren haben wir über das Internet kommuniziert. Wir mussten also nicht herumreisen. Nur wenn ich meiner Idee treu bleibe, kann ich mein Ziel auch erreichen. Wenn ich an dem ursprünglichen Plan zweifle, kann alles in sich zusammenfallen. Der schwierigste Teil ist es, die Ursprungsidee wirklich zu bewahren, nicht nur die Oberfläche.



Dream Temple, 1999
Courtesy of the artist and Deitch Projects

Trifft das auch auf " Dream Temple" zu?

Auf Dream Temple und Wave UFO . Die Oberfläche kann sich ändern, etwa wenn ich einen Mac oder einen PC verwende. Entscheidend sind die wesentlichen Ideen. Aber je länger der Produktionsprozess andauert, desto eher sagen die Leute Sachen wie "Das funktioniert nicht" oder "Das solltest du lieber so machen".

Sie müssen sehr stark sein.

Und einen starken Willen haben. Am Anfang sagen die Leute meistens nein.


Burning Desire, 1996-98
Courtesy of the artist and Deitch Projects

In welchem Umfang arbeiten Sie mit künstlicher Intelligenz.

Interaktive Arbeiten sind ein Werkzeug, um das Bewusstsein der Menschen zu beschäftigen. Diesen Satz können Sie schon in meinem Skizzenbuch von 1999 lesen, aber die eigentliche Arbeit ist erst 2002 entstanden. Glücklicherweise lebe ich jetzt und nicht vor ein paar Jahrhunderten. So kann ich seit 1999 mit einem japanischen Unternehmen zusammenarbeiten, das die für mich notwendige spezielle Technologie entwickelt.

Haben Sie irgendeine Wissenschaft studiert oder gehen Sie intuitiv vor?

Eine Wissenschaft habe ich nicht studiert. Ich war immer auf der Suche nach der Wahrheit. Sie ist endlos.

Ihr Einsatz von natürlichem und künstlichem Licht erinnert mich gleichzeitig an Vermeer und Dan Flavin.

Ich liebe die Gemälde von Vermeer. Heute gibt es durch das künstliche Licht keine echte Dunkelheit mehr. Natürliches Licht stellt Leere dar, es erweckt deine Gefühle.

Ärgert es Sie, wenn man bei ihren Arbeiten von Space-Age-Kunst spricht?

Es ist schwer, sich aus der Gesellschaft herauszulösen. Man besitzt immer eine Identität. Ich möchte Werke schaffen, die all’ das hinter sich lassen. Die Vorstellungskraft erschafft die Zukunft. Sogar in der Wissenschaft steht die Idee am Anfang und dann folgt die Technologie. Mit diesem Prozess arbeite ich. Meine Arbeit besitzt ihr eigenes Schicksal.




Mariko Mori Studio Fotos: Courtesy Cheryl Kaplan,
©Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.


In Ihrer Arbeit geht es oft um Objekte, die fliegen können, aber nie abheben. Ist das Betreten dieser Objekte wichtiger als die eigentliche Reise?

Mir ist es wichtig, dass man seinen Alltag hinter sich lässt und hinein tritt wie in ein Flugzeug. Man kann ein paar Magazine mitnehmen, aber nicht seinen ganzen Besitz.

Versuchen kann man das schon… Sie sagen, die Leute sind bereit, vorwärts zu gehen, sogar wenn sie sich letztendlich nicht viel bewegen.

Ich bin auf der Suche nach Berührungspunkten, die Menschen physisch miteinander verbinden.

Sie erscheinen in ihren Arbeiten oft als eine Art utopische Gastgeberin.

Es geht mir darum, die Leute einzuladen, meine Welt zu betreten. Ich benutze mein Leben als Porträt.


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