In dieser Ausgabe:
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Mit Arp geht Rebay auch auf künstlerischer Ebene eine Verbindung eingehen, die Affaire hingegen ist nur von kurzer Dauer. Arp erkennt nicht nur ihr Talent, er ermutigt sie auch, neue künstlerische Wege zu beschreiten. "Die Debatten zwischen Arp und Hilla haben bei beiden zu einem tieferen Verständnis für das Wesen der Collage geführt – weg von der Figuration und hin zur Abstraktion", so die Kuratorin Jo-Anne Birnie Danzker. Die nachfolgende Beziehung zu Rudolf Bauer kennzeichnet eine ungewöhnliche Intensität – allerdings nur von Hillas Seite aus. Sie wird seine unermüdliche Wohltäterin, meist mit der Unterstützung Solomons. Fast von Anfang an ist Bauer selbstbezogen, distanziert und manipulativ. Er wagt es sogar, Hillas Eltern um Geld zu bitten, doch macht ihm der Vater einen Strich durch die Rechnung. Trotz seines zuweilen geradezu grotesken Verhaltens, ist Bauer auch von Nutzen. Nachdem er von Solomon Guggenheim als Kunstankäufer engagiert wird, arbeitet er eng mit Hilla an der Guggenheim Sammlung zusammen. Tatsächlich ermöglicht es Bauer, an wichtige Frühwerke von Kandinsky und Arbeiten anderer Künstler heranzukommen, und er erweist sich als leidenschaftlicher Berater für Rebay und Guggenheim. Hilft ihr Arp, sich auszudrücken und als Künstlerin weiterzuentwickeln, so schärfte die Beziehung zu Bauer ihren Instinkt als Kuratorin. Beide Talente als Künstlerin und Kuratorin kommen ihr in der Zusammenarbeit mit Solomon R. Guggenheim zugute.

Andante Cantabile, 1943, Detail
Courtesy Solomon R. Guggenheim Museum,
Fotos Courtesy of Cheryl Kaplan,
©Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.
Jo-Anne Birnie Danzker und Karole Vail vor dem Gemälde "Andante Cantabile"


Obgleich Rebay sich unbeirrbar an der gegenstandslosen Kunst orientiert, ist sie über die Entwicklungen auf anderen Gebieten der modernen Kunst seltsam uninformiert. "Hilla hat den Blauen Reiter erst erstaunlich spät entdeckt", so Kuratorin Karole Vail. Am 19. Juli 1937 besucht Rebay München, um sich die von den Nazis organisierte Ausstellung Entartete Kunst anzusehen. Die Ausstellung zeigte 110 Künstler von Chagall und Klee bis zu Moholy-Nagy, Mondrian and Kandinsky. Sie berichtet Rudolf Bauer: "Was dort hängt ist einfach unglaublich gut. Kein Wunder, dass es in der Ausstellung so voll ist."


Staccato, ohne Datum
Courtesy Solomon R. Guggenheim Museum.
Foto Courtesy of Cheryl Kaplan,
©Cheryl Kaplan 2005. All rights reserved.

Erfolgreich überzeugt Rebay Solomon davon, einige der bekanntesten europäischen Künstler bei ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland zu unterstützen. 1939 arbeitet Rebay mit Solomon an der Eröffnung des Museums für gegenstandslose Kunst in New York. Ihre erste Ausstellung trägt den Titel Art of Tomorrow.

Rebays Kunst besitzt eine ganz eigene Stärke. Manchmal ist sie zurückhaltend, doch die meisten ihrer Arbeiten demonstrieren eine kühne und enthusiastische Verwendung von Farbe, Design und Form. Ihre Gemälde kennzeichnet eine lebendige Energie. Sie erinnern manchmal an aktuelle Arbeiten von Takashi Murakami, besonders die Details ihres überwiegend in schwarz-weiß gehaltenen Gemäldes Andante Cantabile (1943). Ihre Arbeiten sind zudem lebhaft: Für Animato (1941-42) verwendete sie intensive Orange- und Pinktöne, die zu geschwungenen, linienartigen Formen in einem leichten Grau in Kontrast gesetzt sind. Strahlend und heiter – so erscheinen ihre Gemälde. Werken von u.a. Kandinsky, Bauer und Picasso gegenübergestellt, stellen die Kuratorinnen Rebays Arbeiten in ihren kunstgeschichtlichen Kontext. Ebenfalls zu sehen sind Rebays Porträts von Arp und Guggenheim, als ihre progressivsten Arbeiten erscheinen allerdings ihre Collagen. Papierarbeiten wie Gray in Gray und Staccato besitzen eine vibrierende, an Jazz erinnernde Qualität und Fertigkeit. Andere Illustrationen zeigen tanzende Paare. Insgesamt mussten die Kuratorinnen ihre Auswahl aus fast tausend Arbeiten und Objekten der Künstlerin treffen.

Rebays Nichte zufolge hat Hilla den fertig gestellten Bau des Guggenheim Museums nie betreten – weder zu seiner Eröffnung im Jahre 1959 noch später. Und das obwohl sie es war, die Frank Lloyd Wright beauftragt hatte, das Gebäude zu entwerfen. Jetzt wird die Ausstellung The Art of Tomorrow: Hilla Rebay and Solomon R. Guggenheim endlich dazu beitragen, dass Hilla von Rebay ihren Platz in der Geschichte der modernen Kunst erhält – als Kuratorin und Künstlerin.


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