In dieser Ausgabe:
>> Jeff Koons: Interview
>> Eine Welt voller Multiples: Richard Prince
>> The Art of Shopping
>> Malen bei 150 BPM: Michel Majerus

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Eine Welt voller Multiples:
Die Ikonen des Richard Prince



Rockstars, Marlboro-Cowboys und Tennis-Lolitas – auf den Bildern von Richard Prince versammeln sich die Ikonen der Massenkultur. Prince eignet sich ihre Images an, indem er sie abfotografiert und bearbeitet. Doch wiederholt er dabei nicht einfach Warhol? Definitiv nicht, meint Louise Gray und beschreibt den coolen Blick des amerikanischen Künstlers auf die Mythen der Konsumgesellschaft – und die Abgründe dahinter.



Richard Prince, Untitled (Make-Up), 1982-84
©Richard Prince

Denken Sie mal einen Moment über Signaturen nach – auf Schecks, Dokumenten oder Testamenten. Dieses Tintengekrakel zeugt von Verbindlich und vermittelt Autorität, ein Äquivalent zum pinxit eines Malers. Unterschriften bedeuten Autorenschaft, Besitz. Sie sind eine Stimme, die Gewicht verleiht.. Jetzt überlegen Sie, um was es sich bei einem Autogramm handelt und Sie erleben einen Paradigmenwechsel. Zwar haben Autogramme und Signaturenen gemeinsam, dass es um Namen geht, aber hier endet schon jede Gemeinsamkeit. Wie bei Reliquien oder Ikonen findet die Bedeutung von Autogrammen ihren Ursprung in den Reichen des Unwirklichen. Ein Autogramm besitzt die Aura von Authentizität. Wenn dieses Versprechen enttäuscht wird, erfolgt der Ruf nach Rache auf dem Fuße. Vor kurzem flog ein britischer Autogramm-Händler auf, der die Unterschriften des Fußball-Idols David Beckham und seiner Frau, Ex-Spice Girl Victoria, gefälscht hatte. Er landete vor Gericht und wurde verurteilt.


Richard Prince, Cameron Diaz, aus "all the best, 2000
Sammlung Deutsche Bank (c)Richard Prince


Richard Prince, Keanu Reeves, aus "all the best", 2000
Sammlung Deutsche Bank
(c)Richard Prince


Autogramme sind begehrte Signaturen, sie sind – nicht immer, aber meistens – Zeichen oder Spuren prominenter Persönlichkeiten. Die kurzen Worte der Celebrities zeugen von einem Moment, den jemand – seien es David Beckham, Cameron Diaz oder Tupac Shakur – in der Gegenwart von jemandem verbracht hat, bei dem es sich offensichtlich nicht um David Beckham, Cameron Diaz oder Tupac Shakur handelt. Aber seien wir mal ehrlich: Auch Graffitis werden von Menschen an Hauswände gesprüht, die von Berühmtheit und Respekt träumen. Und wie Graffitis sind Autogramme Signaturen ohne Text. Mit anderen Worten – es ist die Angelegenheit von jemand anderem, die Bedeutung zu liefern.


Richard Prince , Gwen Steferi, aus "all the best",2000
Sammlung Deutsche Bank
(c)Richard Prince


Richard Prince, Kurt Cobain, aus "all the best", 2000
Sammlung Deutsche Bank
(c)Richard Prince


Das ist es, was Richard Prince’ Serie All the best (2000) so interessant macht. Wie ihre Vorläufer – etwa die Serie Untitled (publicity) (1999) – ist sie in ihrer Ausführung einfach. Prince hat Fotografien verschiedener Stars aus Entertainment und Sport wie Courtney Love, Kurt Cobain , Mike Tyson ausgewählt und sie selbst mit den entsprechenden Autogrammen versehen. All the best rufen sie uns als faden Gruß entgegen. Im Gegensatz zu dem gerissenen Händler von Beckham-Memorabilien, lag es nie in Prince’ Absicht, dass diese signierten Fan-Fotos als echt durchgehen. Cobain etwa war zu dem Zeitpunkt, als Prince sein Foto signierte, schon sechs Jahre tot. Die Fotografien waren Teil eines viel größeren Projekts, das sich mit wahrer Identität in einer Kultur der Massenproduktion auseinandersetzt. Um es auf den Punkt zu bringen: Wie kann man in einer Welt voller "Multiples" einzigartig sein?



Richard Prince, Untitled (Trix #2),1983 Edition of 2 + 1 AP
©Richard Prince

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