In dieser Ausgabe:
>> Portrait Ursula Döbereiner / Kirstine Roepstorff
>> Lawrence Weiner: Interview
>> Cash Flow im Frankfurter ibc: Olaf Metzel

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Lawrence Weiner: Ohne Titel, 2000
Sammlung Deutsche Bank, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2005

Welchen Stellenwert hat Ungehorsam in Ihrer Arbeit?

Künstler werden dafür bezahlt, bis an die Grenze zu gehen. Es ist eine total lebhafte, aber nicht wirklich gewalttätige Interaktion. Sie ist nur in dem Sinne gewalttätig, dass du anderer Leute Träume und Fantasien zerstörst, in dem du das vorführst, was du für die Realität hältst.

Das birgt einigen Zündstoff in sich.

"Zündstoff" ist ein guter Ausdruck. Und wenn eine Arbeit den nicht mehr hat, dann wird sie zu Kunstgeschichte.


Lawrence Weiner: Ohne Titel, 2000
Sammlung Deutsche Bank, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2005

Alice Zimmerman hat geschrieben: "Die beiden Serien der Propeller und der Removal Paintings wurden verbunden durch die Ideen zu den verschiedenen Formen von Besitz und dadurch, dass all diese Gemälde zum selben Preis verkauft wurden, egal wie groß sie waren".

Das war zu jener Zeit. Keines dieser Gemälde ist mehr im Umlauf, deshalb ist das im Grunde eine rein akademische Frage. Die Sammler, die sie besitzen, möchten sie nicht verkaufen und ich besitze keine mehr.

Sind sie noch an den Ausprägungen von Besitz interessiert?

Das ist eine Frage der Verantwortung. Die Gemälde entstanden im Gespräch mit den Leuten, um zu entscheiden, wohin wir uns bewegen und wie sie gefertigt werden sollten. Das geschah ohne Vertrag. Ein Gemälde würde sich entwickeln und sie würden mich bezahlen oder es tauschen gegen das, was sie zu tauschen hatten. Das mache ich noch immer so.



Lawrence Weiner: OIL + WATER + WOOD,1993
Courtesy Marian Goodman Gallery

Das ist ein ganz direkter Prozess des Austauschs.

Wenn sie Verantwortung übernehmen, übernehme auch ich Verantwortung und wir übergeben die Arbeit der Welt. Sie ändert die Wahrnehmung der Menschen. Wenn man das auf Aristoteles bezieht, gibt es ein Problem: Er war an parallelen Universen und Hierarchien interessiert. Meine Arbeit hat sich immer mit simultanen Wirklichkeiten beschäftigt. Es kann keine Hierarchie geben zwischen dem, was ich mache und dem, was jemand anderes macht, es muss für beide einen Nutzwert besitzen.

Betrachten wir den Austausch zwischen der Person, die Ihre Arbeit wahrnimmt und dem, was sie mitnimmt.

Sie benutzen die Arbeit und wenn sie sie benutzen, entsteht auf Grund der Mechanismen einer kapitalistischen Gesellschaft gezwungenermaßen ein Wert. Und wir leben einfach in einer kapitalistischen Gesellschaft – genau wie Aristoteles. Damals hatten sie sogar noch Sklaven, das ist Gott sei Dank vorbei.



Lawrence Weiner:
A BASIC ASSUMPTION
OUT OF HARMS WAY
A BIT TO THE SIDE
MORE TOWARDS THE LIGHT
RELEGATED TO THE SHADOWS
BROUGHT TO TOUCH
WITHIN THE SPERE
IN VIEW OF MOST
1999
Courtesy Marian Goodman Gallery

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