In dieser Ausgabe:
>> Gespräch: Laura Owens
>> Interview: Markus Schinwald
>> Kinderbildnisse in der Sammlung Deutsche Bank
>> Kindliche Strategien in der Kunst

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Laura Owens, Untitled, 2000
Courtesy of Gavin Brown's enterprise, New York


Das erinnert mich auch an die Gemälde, die von Alex Katz von seiner Frau Ada gemacht hat und in denen er sie immer wieder dupliziert hat. Irgendwann vermehrte sie sich dann ziemlich rasch. Die multiplen Geschehnisse auf diesen klassischen japanischen Drucken schildern simultane Ereignisse auf eine sehr selbstverständliche Weise. Auch die Cassone-Bilder der Renaissance erzählen verschiedene Episoden einer Geschichte auf einem Gemälde.

Diese wurden jedoch ganz anders gelesen, viel erzählerischer oder simultaner.

Interessiert Sie bei Ihrer Arbeit das Erzählerische oder kämpfen Sie dagegen an?

Es gibt bei mir immer irgendeine kleine Sache, bei der es sich nicht wirklich um eine Erzählung handelt, sondern um ein formales Element, das eine Art von Beziehung andeutet, aus der vielleicht das ganze Gemälde entsteht. Das kann irgendetwas sein - von einem Schiff bis einem Affen. Ich denke, das ist auf gewisse Weise erzählerisch.



Laura Owens, Untitled, 1999
Courtesy of Gavin Brown's enterprise, New York

Ihre Arbeiten weisen interessante Bezüge auf - zu Künstlern wie Peter Doig oder Monique Prieto bis hin zu den formalen Eigenschaften von David Hockneys Werken. Er gilt als der Inbegriff des Kaliforniers, obwohl er Engländer ist.

Meine wichtigste Erfahrung mit Hockney war die Ausstellung mit seinen Grand Canyon Bildern hier in der Louver Galerie. Vorher hatte ich noch nie etwas von ihm im Original gesehen. Die Art und Weise, wie er die Perspektive einsetzt, hat mich sehr beeindruckt. Man kann sich nicht erklären, wie das bei ihm funktioniert.

Er zeigt die Dinge flächig und dann gibt es diese collagierten Fotoarbeiten, bei denen sich das Bild aus vielen einzelnen Aufnahmen zusammensetzt. Hockneys Montage-Technik setzt sich mit Wiederholungen auseinander. Welche Bedeutung hat die Wiederholung in Ihrer Arbeit?

Viel meiner Entscheidungen treffe ich nach rein formalen Gesichtspunkten. Für mich besteht die Herausforderung darin, etwas zum Gelingen zu bringen, das in einem Gemälde so eigentlich nicht funktionieren kann. Mich beschäftigt zum Beispiel die Frage, wie viele Tiere man in einem Gemälde unterbringen kann. Ich nutze formale Mittel um gegen malerische Vorgaben zu rebellieren und arbeite, bis aus einem Klischee etwas Neues entsteht.




Laura Owens, Untitled, 2001, (Detail)
Courtesy of Gavin Brown's enterprise, New York


Stört es Sie, wenn Leute Sie als typisch kalifornische Malerin bezeichnen?

Das ist mir relativ egal. Ich würde auch Künstler, die nicht aus Kalifornien stammen, zu dieser Gruppe zählen, wie etwa Mary Heilman, die ich sehr schätze.

1999 haben Sie in einem Interview mit Artforum geäußert, Ihre Malerei sei ganz spezifisch amerikanisch und habe eine Menge mit Ihrer Herkunft aus dem Mittleren Westen zu tun. Sie haben geschildert wie Sie mit Ihren Arbeiten für die Gruppenausstellung "Young Americans 2" in der Saatchi Gallery Amerika porträtieren wollten.

Ich habe Bilder gemacht, die sich wiederum auf die Bilder der anderen teilnehmenden Künstler in der Ausstellung bezogen. Ich dachte darüber nach, was es bedeutet, zwischen den Gemälden hin und her zu schlendern. Es ging also um die Erinnerung an ein Bild, um die Art und Weise, wie sich das Gesehene im Kopf neu zusammensetzt.

Waren die Motive der einzelnen Gemälde miteinander verbunden?

Die Bezüge entstanden etwa durch die Farbe. Ich fange oft mit kleinen Skizzen oder Worten an. In der Folge dachte ich darüber nach, ein Gemälde über die Bahn der Sonne zu machen - wie die Sonne ihren Bogen über die ganzen Vereinigten Staaten schlägt: Sonnenaufgang in New York City, Mittag im Mittleren Westen, und Sonnenuntergang in Los Angeles. Ich habe auch Motive und Strukturen von Shaker Quilts in den Gemälden aufgegriffen. So grenze ich das was ich tue ein. Danach hatte ich zur gleichen Zeit drei Ausstellungen in New York, Los Angeles und Chicago, die alle aus dieser Idee heraus entstanden.


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