In dieser Ausgabe:
>> Gespräch: Laura Owens
>> Interview: Markus Schinwald
>> Kinderbildnisse in der Sammlung Deutsche Bank
>> Kindliche Strategien in der Kunst

>> Zum Archiv

 


Links: Laura Owens, Untitled, 1999, Sammlung Deutsche Bank
Courtesy Sadie Coles HQ
Rechts: Laura Owens, Untitled, 2004
Courtesy of Gavin Brown's enterprise, New York

Zu Ihrer Laufbahn gehören auch bedeutende amerikanische Stipendien. So waren Sie 2000 Artist-in-Residence im Isabella Stewart Gardner Museum in Boston.

Ja, im Jahr vor seiner Ausstellung lebt man für einen Monat in dem Museum.

War das seltsam für Sie?

Ich habe im ehemaligen Kutschenhaus gewohnt, im ersten Stock über der Garage. Die alten modernisierungsbedürftigen Räume besaßen sehr große Fenster, die auf das Museum und den Park blicken. Seltsamerweise gab es dort keine Kunst, aber weil das Gebäude Teil des Museumskomplexes war, konnte man keines der Fenster öffnen. Ich lebte also jeden Tag mit dieser Klimaanlage, die die verbrauchte Luft immer wieder ins Zimmer pumpte.


Laura Owens, Untitled, 2004, (Detail)
Courtesy of Gavin Brown's enterprise, New York


Hat Sie das in Panik versetzt?

Anfangs ja. Ich lebte sozusagen permanent in Büroluft. Man sieht diese wunderschöne Umgebung, möchte das Fenster öffnen und sie riechen. Ich hatte gerade die Arbeit an einer großen Ausstellung beendet. Ich war völlig erschöpft und habe zwei Wochen vor allem geschlafen. An meinem ersten Tag in Boston bin ich in einem Geschäft ohnmächtig geworden. Sie haben mir einen Bagel und Wasser besorgt. Dann ging ich in diese seltsamen Buchläden, die Astrologiebücher verkaufen und ich habe mich mit Astrologie beschäftigt. Ich habe Isabella Stewart Gardners astrologisches Diagramm gezeichnet.

Ihre Sammlung ist ganz erstaunlich. Alles besitzt eine ganz spezifische Ordnung und es ist nicht gestattet, sie zu verändern. Isabella hat alles so arrangiert, dass sich bestimmt Figuren wiederholen. Ihr Ehemann wird von einem Ritter verkörpert, dann gibt es noch Bilder von Isabella und ihr Sohn, der ganz jung gestorben ist, erscheint als in der Figur eines Kindes, das immer wieder auftaucht.

Laura Owens, Untitled, 2004
Courtesy of Gavin Brown's enterprise, New York


Laura Owens, Untitled, 2004
Courtesy of Gavin Brown's enterprise, New York


Das hört sich an wie eine Szene aus Alfred Hitchcocks Vertigo

In der Sammlung stehen die Skulpturen und Porträts in ständigem Blickkontakt. Diese Blicke bilden Achsen. Eine Skulptur schaut über einen Hof zu einer anderen Skulptur und weist so den Weg zu einem anderen Werk. Das hat mich definitiv in meiner Arbeit beeinflusst. Mich hat ein Wächter einmal nachts auf seiner Tour durch das Museum mitgenommen. Die Sammlung ist so überwältigend, dass man sie sich am besten im Dunkeln mit einer Taschenlampe anschaut. Dann sieht man immer nur einen kleinen Teil und kann ihn ganz detailliert betrachten. Das war ein großartiges Experiment. Es geht bei dem dortigen Künstlerprogramm nicht unbedingt darum zu arbeiten, sondern die Atmosphäre des Museums in sich aufzunehmen. Aber ich richtete mir dann doch ein Studio in der Boston Fine Arts School ein.

Ihr Sinn für das Spielerische und Unterbrechungen funktioniert, im besten Sinne, wie Klatsch. Etwas fängt auf eine bestimmte Art und Weise an, schnell sind alle daran beteiligt und die Geschichte ist völlig anders als am Anfang. Ihre Gemälde sind ziemlich humorvoll.

Genau das ist, es was mich dazu motiviert, zu malen.

[1] [2] [3]