In dieser Ausgabe:
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In einer Ecke der Zacheta kauert, verborgen von einem Wall aus weißen Decken und Tüchern, das mysteriöse Geschöpf (2003). Nur sein seltsam beleuchtetes Gesicht ist zu sehen. Die Installation von Anna Orlikowska wie auch ihre dreiteilige Fotoarbeit Insomnia (2005) erzählt von den Abgründen, die hinter der Normalität des Alltags lauern. Die 1978 in Lodz geborene Künstlerin ist die jüngste Teilnehmerin der Ausstellung und erhielt den zweiten Preis, ein mehrmonatiges Arbeitsstipendium in Berlin. Bekannt geworden ist Orlikowska vor allem durch ihre präzise komponierten Fotoarbeiten. Die panoramaartigen Aufnahmen zeigen Menschen, die der Künstlerin nahe stehen, in ihrer vertrauten Umgebung – zu Hause oder bei der Arbeit. Diese Bilder stellt Orlikowska zu Triptychen zusammen. Trotz ihres vordergründigen Realismus ist beim Betrachten von Insomnia noch eine andere, metaphysische Dimension zu spüren.



Aneta Grzeszykowska/Jan Smaga
Krasinskiego 10/154 (aus der Serie "Plan"), 2003
©Galerie Raster, Warschau



Aneta Grzeszykowska & Jan Smaga, 2005
Ausstellungsansicht
Foto © Sebastian Madejski



Wie eine nüchterne Archivierung der Wirklichkeit wirken dagegen die Fotoarbeiten aus der Serie Plan (2003) von Aneta Grzeszykowska und Jan Smaga, die komplette Wohnungen, manchmal samt ihrer Bewohner, aus der Vogelperspektive zeigen. Die abfotografierten Räume wirken, als ob sie keine Decken besäßen. Seine Bilder setzt das Künstlerpaar aus hunderten von Einzelaufnahmen am Computer zusammen. Wie Versuchsanordnungen gestattet Plan dem Betrachter ungehinderte Einblicke in private Refugien – eine Mischung aus "Big Brother is watching you" und soziologischer Architekturdokumentation, an der sich auch die massiven Veränderungen der polnischen Gesellschaft ablesen lassen. Die dokumentierten Wohnungen künden auch von einer europaweit homogenisierten Innenarchitektur – Ikea ist überall.



Rafal Bujnowski, Blumen, Fingernägel, 2005
Foto © Sebastian Madejskil


So registriert auch Rafal Bujnowski die massiven Veränderungen der polnischen Gesellschaft in der letzten Dekade – wie etwas das Vordringen des munter expandierenden schwedischen Möbelhauses in seiner Heimat. Mit der Serie Gemälde für IKEA thematisiert er nicht nur die Aktivitäten westlicher Global Player in Polen, sondern auch das nicht nur dort vorherrschende Verlangen nach Kunst, die vor allem eines ist: dekorativ. Bujnowskis Auseinandersetzung mit Kunst und Dekoration setzt sich in Views 2005 fort. Auf zehn kleinformatigen Gemälden seiner Serie Blumen, Fingernägel hält er den neuesten Trend in Sachen Nagelverschönerung fest. Die Arbeiten lassen an Sternennebel oder Blüten denken, aber auch an die Farbspritzer und Schlieren von Jackson Pollocks Action Painting. Begleitet werden sie von einem Lehrfilm, der die geheimen Techniken der Arbeit mit Nagellack enthüllt. Unlängst waren diese Arbeiten schon unter den Titel embroider, also Ausschmücken, in der Berliner Johnen Galerie zu sehen. Bujnowskis in Serie produzierten Bilder und bemalten Skulpturen oft ganz alltäglicher Objekte wie Videokassetten oder Fernbedienungen entmystifizieren die erhabene Aura des Kunstwerks und bewegen sich zwischen den Polen Malerei und Konzeptkunst.



Michal Budny, CD Player , 2003
©Galerie Raster, Warschau



Michal Budny, Ausstellungsansicht
Foto © Sebastian Madejski

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