In dieser Ausgabe:
>> Günther Förg im ibc
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Auch einige der Skulpturen von Michal Budny zeigen Gebrauchsgegenstände. Seine Mobiltelefone und CD Player fertigt er aus einfachen Materialien wie Pappe und Papier, genau wie seine Darstellungen flüchtiger Naturphänomene – Luft, Nebel oder Regen. Budnys leichte, fast abstrakt wirkende Arbeiten bestechen durch ihre minimalistische Schönheit, die zuweilen auch sehr schmerzhaft sein kann: Für die Ausstellung in der Zacheta hat er den Schlafplatz eines Obdachlosen aus Pappe nachgebaut, eine, wie Budny sagt, "Erzählung über eine unbewusst geschaffene Architektur". Zusammen mit seinem aus leerem, vergilbtem Papier gefalteten Stadtplan kündet die Arbeit von der Sehnsucht nach einem festen Platz in einer sich ständig wandelnden Welt.

Robert Kusmirowski, Ornamente der Anatomie, 2005
Foto © Sebastian Madejski


Alles gefälscht: Robert Kusmirowskis Arbeiten wirken zunächst wie Readymades. In Wirklichkeit aber handelt es sich um täuschend echte Trompe-l'œil-Objekte, die er aus simplen Materialien wie Holz, Pappe oder Styropor gefertigt hat. Kusmirowskis Fotografien, Drucke, Dokumente, Objekte und Räume beziehen sich auf historische Ereignisse oder Orte und setzen sie mit der Gegenwart in Beziehung.

Seine Installation für Views 2005 umkreist den fiktiven Mediziner Dr. Vernier und dessen Buch Ornamente der Anatomie . Sie bietet einen Vorgeschmack auf Kusmirowskis Ausstellung im Hamburger Kunstverein , die im Januar 2006 eröffnet wird. Die Figur Dr. Vernier, einerseits Wissenschaftler, andererseits verrückter Rebell, der Konventionen sprengt, steht auch für die widersprüchliche Rolle des Künstlers in der Gesellschaft.



Azorro Supergroup, Everything has been done, 2003
Foto © Sebastian Madejski

Die aktuelle Situation des Künstlers in Auseinandersetzung mit den Kunstinstitutionen und in Konfrontation mit der Gesellschaft ist das zentrale Thema der absurden Videos der Azorro Supergroup. Die vierköpfige Künstlergruppe wurde mit dem Publikumspreis von Views 2005 ausgezeichnet. Oft zeigen ihre Filme scheinbar endlose, gleichzeitig aber auch witzige Debatten zum Thema Kunst. In Everything Has Been Done (2003) diskutieren die Künstler in der Kulisse eines beschaulichen Kleingartens und Sportplatzes mit viel Ironie, wie schwierig es heutzutage ist, ein neues, originelles Kunstwerk zu schaffen. Die Arbeiten in der Zacheta beweisen, dass viele junge polnische Künstler sich dieser Herausforderung durchaus stellen.

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