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Impressionen aus Florida:
Die vierte Art Basel Miami Beach




Blick auf die Miami Skyline
Foto: Oliver Koerner von Gustorf

"Zurzeit scheint Kunst eine Art von Leitkultur zu sein", sagt Sam Keller, der Leiter der Art Basel Miami Beach (ABMB) beim Mittagessen mit deutschen Presseleuten. "So wie die Techno-Musik in den Neunzigern gibt die Kunst ganz entscheidende kulturelle Impulse, Architekten, Modemacher, Filmindustrie und Designer sind sehr daran interessiert, was sich auf diesem Feld tut. Ich kann mich nicht darin erinnern, dass das Interesse an der Kunst je größer gewesen ist als heute. Und dabei geht es nicht nur darum, Kunst zu kaufen. Die Kunstschulen und Akademien verzeichnen einen ungeheuren Zuwachs; immer mehr Leute wollen Künstler werden, es gibt mehr Museen denn je. Diese Entwicklung bildet die Grundlage für einen Kunstmarkt, der nicht nur von einigen hundert Leuten bestimmt wird, sondern ständig wächst."


4. Art Basel Miami Beach 2005
Foto: Julia Rothhaas


Die Besucherzahlen der 4. Art Basel Miami Beach geben Keller mehr als Recht. Die diesjährige Messe brach wieder einmal alle Rekorde. Über 32.000 Besucher strömten vom 30. November bis 4. Dezember nach Florida. Das offizielle Programm begann bereits am Vorabend der Messe mit einem Empfang, zu dem der Messechef ins Hotel Delano bat – jenem legendären Art Deco-Hochhaus an der Collins Avenue, das in den Neunzigern für 22 Millionen Dollar renoviert und von Phillippe Stark ganz in weiß eingerichtet wurde. Dass Kunst in Miami etwas mit Lifestyle und Gastfreundlichkeit zu tun hat, ist kaum zu übersehen. So schüttelte Keller persönlich jedem einzelnen Gast die Hand, während für europäische Verhältnisse recht knapp bekleidete Hostessen Champagner reichten. Anschließend strömte man zu zwei hochkarätigen Eröffnungen.



William Kentridge auf seiner Werkschau im Miami Art Central
Foto: Oliver Koerner von Gustorf

Das Miami Art Central zeigt eine Werkschau des Südafrikaner William Kentridge, der gerade auch im Deutsche Guggenheim in Berlin mit seiner Installation Black Box/ Chambre Noire zu sehen ist. I Know Whom You Showed Last Summer im Museum of Contemporary Art Miami ist der Titel der ersten große US-Museumsausstellung des deutschen Malers Albert Oehlen. Hier stieß man in der Menschenmenge auf Prominente wie Bruce Weber oder dem britischen Videokünstler Isaac Julien.



Blick in die Ausstellungshalle des Convention Centers
Foto: Oliver Koerner von Gustorf

Der eigentliche Run begann jedoch am nächsten Tag zur Mittagszeit in den Messehallen des Convention Centers, wo 195 Galerien aus 28 Ländern Werke von über 1.500 Künstlern präsentierten. Eines der teuersten Werke der Messe war wohl eine Skulptur: Im Rahmen der "Kabinett"-Sektion, für die ausgewählte Galerien ihre Ausstellungen thematisch kuratierten, zeigte die Galerie Krugier aus Genf ein ganzes Kabinett mit Werken von Pablo Picasso, das sein Schaffen von 1920 bis in die siebziger Jahre hinein dokumentierte. Für ein etwa ein Meter hohes Modell, das Picasso für seine Arbeit Tete anfertigte, wurde hier der stolze Preis von 25 Millionen Dollar veranschlagt.



Art Basel Miami Beach, 2005
Foto: Julia Rothhaas

Der etwas verstärkte Trend zu Skulptur und Installationen war auf der Messe deutlich spürbar, ob es sich nun um die viel diskutierte Statue Blue Moon des Turner Preisträgers Chris Ofili bei Contemporary Fine Arts handelte, um die riesigen, bemalten Drehscheiben des Revolving Painting von Franz Ackermann bei der Berliner Galerie Neugerriemschneider oder die Objekte von Sarah Lucas, der die Londoner Galeristin Sadie Coles ihren Stand widmete. Gleich drei überdimensional-poppige Metallpilze (60.000 bis 90.000 Dollar) ließ die Schweizerin Sylvie Fleury aus der Koje des österreichischen Stargaleristen Thaddaeus Ropac sprießen, während bei der Pariser Galerie Chantal Crousel das Philadelphia Museum of Art für rund 80.000 Dollar eine monumentale Arbeit ihres Landmanns Thomas Hirschhorn erstand. Seine sechs Meter breite Wandinstallation Camo-Outgrowth (Winter) besteht aus Regalen mit 131 deformierten Globen und hunderten Fotos von Söldnern und Soldaten.



Franz Ackermann, Revolving Painting bet neugerriemschneider
Foto: Julia Rothhaas

Dennoch bleibt der Boom um die deutsche Malerei nach wie vor bestimmend. Es gehört inzwischen fast zum traditionellen Ritual, dass Judy Lybke von der Galerie Eigen+Art (Berlin/Leipzig) nur wenige Stunden nach der Eröffnung den Totalausverkauf seiner Maler verkündete. Diesmal dauerte es wenig mehr als drei Stunden bis kein Bild mehr zu haben war. Ein 1993 entstandenes Gemälde des Leipzigers Neo Rauch wechselte hier für 260.000 Euro den Besitzer, während die Arbeiten von Martin Eder (um 50.000 Euro) gleichfalls in Rekordgeschwindigkeit verkauft wurden. Grund genug zum Feiern. Nach dem Abschluss seiner lukrativen Geschäfte war der rundum zufriedene Judy Lybke auf vielen der Events zu sehen, die das Image der Art Basel Miami Beach ebenso prägen wie die grandiosen Verkäufe.


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