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Maciej Kurak, Pojedynek, 2003

Sie mischen konzeptuelle und räumliche Aspekte, gleichzeitig kommentieren Sie soziale Probleme mit sehr viel Witz. Ihr Werk beschreibt die aktuelle Situation in Polen und die tiefgreifenden Veränderungen, die Ihr Land erlebt hat. Bei aller Leichtigkeit sind Ihre Arbeiten gleichzeitig auch sehr weise und tiefgründig. Können sie sich vorstellen, auch in anderen Ländern zu leben und arbeiten?

Meine Projekte beinhalten eine gewisse Ironie. Humor und Witz sind Ausdrucksformen, die dabei helfen, mit einer gewissen Leichtigkeit über wichtige Dinge zu sprechen. Natürlich spielt bei meinen Arbeiten der spezifische Ort, an dem sie realisiert werden, eine wichtige Rolle. Aber ich denke, dass die Themen, die ich anschneide, nicht nur für Polen wichtig sind. Das trifft auch auf meine Aktion Crying Game zu, die ich in Poznan und auch in Sligo, einer Stadt in Ireland, realisiert habe. Sie bestand aus mehreren Elementen: einer als Bettler verkleidete Schaufensterpuppe, einer Büchse zum Geldsammeln, einem Kassettenrekorder, der nette Musik spielte, und einem Schild mit der Aufschrift "Ich brauche Geld".

Die Puppe saß dann im öffentlichen Raum. Wegen der Glaubwürdigkeit dieser Situation und der Illusion von Authentizität beteiligten sich Passanten, in dem sie Geld in die Büchse warfen. Die Arbeit verdiente sozusagen ihren eigenen Unterhalt. Und sie sprach damit ein Thema an, das für Leute, die daran interessiert sind, Kunst zu vermarkten, sehr wichtig ist: das Problem des Verkaufs zeitgenössischen Kunstformen wie Performances oder Happenings, also flüchtiger Aktionen. Crying Game kann man genauso gut in Polen präsentieren, wo das Problem der Arbeitslosigkeit besteht, wie in Irland, wo viele polnische Immigranten wohnen. Ich glaube, dass existenzielle Probleme oder Fragen, die sich auf die Vermarktbarkeit von Kunstwerken beziehen, nicht nur in Polen wichtig sind. Und es gibt natürlich Probleme, die für einen breiteren Teil der Öffentlichkeit wichtig sind. Deshalb besteht für mich kein großes Problem darin, meine Arbeiten in anderen Ländern zu realisieren. Natürlich sähen sie dort wieder ganz anders aus und ihr Schwerpunkt würde auf anderen Themen liegen. Wo immer ich auch bin – ich beobachte, analysiere und realisiere.


Maciej Kurak bei der Preisverleihung in der
Zacheta Galerie, November 2005

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