In dieser Ausgabe:
>> Portrait Hanne Darboven
>> Interview: Tim Eitel
>> Dieter Roth & Dorothy Iannone
>> Interview: Uta Barth

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Unter Ihren jüngeren Arbeiten fällt eine ganz besonders auf: ihr "Selbstportrait" von 2005, das Sie vor einem grau-monochromen Hintergrund zeigt. Dass Sie sich selbst malen, erscheint ungewohnt.


Eigentlich ist es das zweite Selbstbildnis. Es gab schon mal eines, da erscheine ich wie viele andere meiner Figuren als ganzer Körper und von hinten. Das hier ist das erste "richtige" Selbstporträt, das auch aus einem bestimmten Anlass entstand: der Portrait-Ausstellung bei Eigen + Art in Berlin. Zudem ist es das erste und wohl auch vorerst letzte Bild, für das ich kein Foto verwendet habe. Ich habe mich dafür ganz klassisch vor den Spiegel gesetzt.


Ist das Selbstporträt, das Abmalen der eigenen Gesichtszüge, für Sie auch ein Seelenstudium?


Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, ehrlich gesagt, auch nicht an die Möglichkeit, eine Persönlichkeit mit einem Porträt zu erfassen. Beim Selbstbildnis funktioniert es allenfalls insofern, als man sowieso immer nur sich selbst malt. Wenn ich einen Menschen darstelle, male ich doch eigentlich mich selbst oder meine Vorstellung von dem anderen. Ich glaube nicht, dass man auf diese Weise jemand wirklich treffen kann.





Tim Eitel, Ohne Titel,
aus "In der Galerie für zeitgenössische Kunst", 2001,
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006


Tim Eitel, Ohne Titel,
aus "In der Galerie für zeitgenössische Kunst", 2001,
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2006

Tim Eitel, Helikopter, 2005,
Foto Uwe Walter, Berlin,
Courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig/Berlin,

© VG Bild-Kunst, Bonn 2006


Sie haben einige Monate in Los Angeles gelebt. Wie empfanden Sie die amerikanischste aller Städte?

Die Vorstellung von Los Angeles hat mich schon immer fasziniert. Die Idee dieser riesigen Stadt, die ein Extrem unserer westlichen Zivilisation darstellt. Etwa die Fahrkultur. Jeder hat ein Auto und schottet sich permanent in dieser mobilen Hülle von den anderen ab, um dann unglaublich freundlich auf die Mitmenschen im Coffee Shop zu treffen. Ja, diese extrem höfliche Oberfläche ist auffällig. Darunter stauen sich natürlich wie überall die Aggressionen. Aber gerade das finde ich interessant – das Bild vom einzelnen, isolierten Menschen in seinem Auto.

Wirkt sich der Los-Angeles-Aufenthalt in Ihren Bildern aus?

Bisher noch gar nicht, aber vielleicht kommt das noch. Ich fange bestimmt nicht an, Palmen zu malen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass meine Bilder hier noch dunkler werden. Was mich fasziniert, sind die extremen Gegensätze – gerade in Downtown, wo die Banken und Versicherungen ansässig sind und andererseits ein Elend herrscht, wie ich es noch nie in meinem Leben gesehen habe. So habe ich mir immer die Slums von Bombay vorgestellt.

Ist nicht gerade die extreme Künstlichkeit in Kalifornien für Sie interessant?

Ja, was die Menschen betrifft. Die Architektur hat mich bislang aber nicht inspiriert. Alles ist so flach und klein, überall einstöckige Bungalows. Oft ist es aber so, dass Eindrücke bei mir erst lange reifen müssen und dann mit einer Spätzündung von bis zu einem Jahr etwas in meiner Arbeit passiert.

Können Sie eigentlich die Bezeichnung "Neu Leipziger Schule" überhaupt noch hören?

Es stört mich nicht. Natürlich ist das eine extrem grobe Vereinfachung, aber ich kann nachvollziehen, dass manche Leute gern ein griffiges Label haben.

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