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Der Traum von einer humaneren Technologie
Zum Tod von Nam June Paik



Es war die letzte große Ausstellung zu Lebzeiten des Pioniers der Videokunst. Trotz seiner schweren Krankheit ließ es sich Nam June Paik nicht nehmen, bei der Pressekonferenz seiner Schau Global Groove 2004 im Deutsche Guggenheim dabei zu sein und die Veranstaltung auf sympathische Weise durcheinander zu bringen. Ganz in der Tradition der Happenings seiner Fluxuszeit fuhr der Künstler spontan auf seinem Rollstuhl in Richtung Mikrofon und begrüßte die Journalisten mit dem legendären Kennedy-Zitat "Ich bin ein Berliner", um dann in einer wilden Mischung aus Englisch, Deutsch und Koreanisch von seinen Jahren in Deutschland zu schwärmen.


Nam June Paik, 1986.
Foto: Rainer Rosenow


Hierher führt den jungen Komponisten aus Korea seine Liebe zur klassischen und neuen Musik. Schnell wird er Teil der musikalischen Avantgarde, arbeitet mit Karlheinz Stockhausen und John Cage zusammen. In der Wuppertaler Galerie Parnass hat Paik 1963 die erste Einzelausstellung Exposition of Music – Electronic Television,ein multimediales Environment aus sich drehenden Schallplatten, an den Wänden klebenden Tonbandschnippseln und an Radios gekoppelten TV-Geräten. Es forderte die Galeriebesucher auf, selbst aktiv zu werden, Musik zu erzeugen oder die Fernsehbilder zu manipulieren. Ob bei seiner wohl bekanntesten Arbeit TV Buddha (1974), in der ein steinerner Buddha vor seinem eigenen Video-Abbild meditiert, oder dem "Fernsehturm" The More the Better(1988), den er für die Olympischen Spiele in Seoul aus 1003 Monitoren auftürmt: Der Fernseher wird zu seinem Markenzeichen, das er zugleich benutzt und kritisch hinterfragt.



Nam June Paik: Global Groove, 1973, Video Still

Häufig arbeitet Paik mit neuer Technologie. Als 1965 die ersten tragbaren Videokameras auf den Markt kommen, setzt er sie sofort bei dem Happening 24 Stunden mit Joseph Beuys ein und proklamiert: "Das Fernsehen hat uns ein Leben lang attackiert, jetzt schlagen wir zurück." Dabei war er immer auf der Suche nach neuen, humaneren Wegen, um mit der rasanten Entwicklung der elektronischen Medien umzugehen. Das legendären Videoband Global Groove kündet 1973 von seiner Vision eines Künstlerfernsehens, für Global Groove 2004 verwirbelte er Teile aus frühen Videoarbeiten mit verfremdeten Ausschnitten aus Werbespots, Game Shows und Nachrichtensendungen zu einer psychedelischen Bilderflut. Ein retrospektiver Remix, der sein künstlerisches Leben Revue passieren lässt.



Nam June Paik: Global Groove, 1973, Video Still


Der Künstler, Komponist und Erfinder lebte und arbeitete auf drei Kontinenten. Zuletzt pendelte er zwischen Manhattan und Miami Beach. Dort ist Nam June Paik im Alter von 73 Jahren am 29. Januar gestorben.


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