In dieser Ausgabe:
>> Sponsored: Stankowski, Blum, "Full House", Zakharov / Nachruf: Nam June Paik
>> Fine Art Fair Frankfurt & TEFAF in Maastricht / Fotokunst in Lateinamerika

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Remixed/Remodeled
Die Wiedergeburt der Frankfurter Kunstmesse




Der Stand der deutsche bank Art auf der fine art fair frankfurt,
Foto Alex Kraus

Jünger, frischer, exklusiver – mit ausgefallener Präsentation, ausgewählten Teilnehmern und hochklassiger Kunst sollte die erste „high and low“ der etwas in die Jahre gekommenen Frankfurter Kunstmesse neuen Glanz verleihen. Dafür gewann Michael Neff die wichtigsten Galerien. Die Deutsche Bank förderte das viel versprechende Ereignis und auch die Unterstützung in der Frankfurter Kulturszene war gewaltig. Doch ging das Konzept des neuen Messeleiters Michael Neff auf? Eine Bestandsaufnahme von Achim Drucks.

Die Art Frankfurt ist tot, lang lebe die fine art fair frankfurt! Im Abschlussbericht zur ersten Ausgabe der jungen Messe unter dem Titel high & low lässt Messeleiter Michael Neff die Zahlen sprechen: 48 Galerien zeigten 65 Künstler. Auf den von 420 Spots in gleißendes Licht getauchten 15.000 Quadratmetern Hallenfläche bewegten sich 10.700 Besucher. Eine Feuerwehrkapelle sorgte für die Untermalung der Eröffnung. Oberbürgermeisterin Petra Roth und Ministerpräsident Roland Koch hielten Reden. Und für rund 1,4 Millionen Euro wurden Kunstwerke verkauft.



Zur Eröffnung der Messe spielte die Feuerwehrkapelle Butzbach,
Foto Alex Kraus

Mit seinem neuen Konzept setzte der Frankfurter Galerist und Kunstberater Neff auf den radikalen Bruch mit der Vorgängermesse, die im langsamen, aber steten Niedergang begriffen war. Less is more lautete die Reform-Devise: Die Zahl der Galerien wurde drastisch beschränkt, ein rigides Auswahlverfahren sollte für hohe Qualität sorgen und One-Artist-Shows sollten helfen, den lokalen Fokus und das mangelnde Profil vergangener Tage vergessen zu lassen. Statt in den üblichen, mit Teppichboden ausgestatteten Messekojen war die Kunst in offenen Modulen untergebracht. Diese vom Architektenbüro Kühn/Malvezzi entworfenen Raumelemente standen auf dem nackten Industrieboden der Halle 9. Die 48 Galerien vor Ort genügten dann allerdings nicht, die Messehalle zu füllen, so dass besonders an den ersten Tagen die Besucher in den Weiten des Raumes etwas verloren wirkten.



v.l.n.r.: Galerie Mark Müller (Zürich), Laura Mars Grp. (Berlin),
Galerie Krinzinger (Wien), Foto: Gundula Schmitz

Parallel zur fine art fair fand auch die Armory Show in New York statt. Und das hielt naturgemäß einige der großen und vor allem internationalen Galerien, die Neff gerne auf seiner Ausstellerliste gehabt hätte, davon ab, in Frankfurt mit dabei zu sein. Bereits Wochen zuvor hatte es Unkenrufe in der Presse gegeben, die eintrudelnden Absagen würden auch das vorzeitige Scheitern der Messe und ihres ambitionierten Leiters ankündigen und die Veranstaltung als deutsches Heimspiel deklassieren. Doch davon ließ sich Neff nicht beirren. Im Gegenteil: Von der jungen Designerin Alexandra Papadopoulou ließ er sich aus seinen Initialen das Logo der Messe entwerfen und signalisierte selbstbewusst und nicht ganz uneitel, dass er mit Kopf und Kragen für das Projekt einsteht.



Drahtskulpturen von Fritz Panzer bei Krobath Wimmer,
Foto Achim Drucks

Natürlich hatte man gespannt darauf gewartet, ob Neffs neues Konzept einer "kuratierten" Messe aufgeht. Und wider Erwarten ging es auf - zwar nicht wie ein Feuerwerk der Inspiration, aber wie eine zündende Idee, die Grundlagen schafft und vielleicht sogar wegweisend werden kann. Auf den ersten Blick wirkte die Halle etwas zu aufgeräumt. Doch beim näheren Hinsehen schien die Mischung aus minimalistischer Strenge und experimenteller Spielfreude zu funktionieren. Das kühle Ambiente eignete sich ideal für die Präsentation großer Installationen. Contemporary Fine Arts aus Berlin hatte eine rosafarbene Burg errichten lassen, die Jonathan Meese und Tal R. mit einem wilden Sammelsurium bestückten: Skulpturen, die an Aliens denken ließen, neoexpressive Gemälde, vergrößerte Familienfotos und rätselhafte Slogans wie End of Beef. Den Soundtrack lieferte ein junger Neo-Folk-Barde, der zum Klang seiner Wandergitarre stundenlang traurige Lieder sang. Die Wiener Aktionsgruppe Gelitin – ehemals Gelatin – hatte für ihre raumgreifende Arbeit Balonie die Kinderzimmer geplündert. Ihr wucherndes Gebilde aus Stofftieren, Holz und Knetmasse entstand für die Galerie Meyer Kainer. Die Berliner Laura Mars Grp. zeigte eine über drei Meter hohe Sperrholzkonstruktion von Philip Wiegard – eine Mischung aus Ghettoblaster und Waschmaschine. Als wirkliche Herausforderung entpuppte sich ein Video von Turner-Preisträger Martin Creed, das bei Johnen zu sehen und zu hören war. Besucher mit robusten Magen konnten sich an einem jungen Heavy-Metal-Fan erfreuen, der sich unter lautstarkem Würgen auf den blendend weißen Boden eines Studios übergibt. Wesentlich subtiler wirkten die feinen Drahtgeflechte von Fritz Panzer im Modul der Wiener Galerie Krobath Wimmer – schwebende, dreidimensionale Zeichnungen eines Stuhls, eines Koffers oder einer ganzen Küchenzeile.



Der Messestand der Deutsche Bank Art,
Foto Alex Kraus

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