In dieser Ausgabe:
>> Guggenheim Collection in Bonn
>> Dialog Skulptur in Würzburg

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Kandinskys Arbeiten bilden das Herzstück der New Yorker Sammlung. Der Vater der von Guggenheim und Rebay so hoch geschätzten gegenstandslosen Malerei war schon im Bestandskatalog des Museum of Non-Objective Painting, dem Vorgänger des Guggenheim, mit über 100 Werken vertreten. Daneben gehörten auch Arp und Moholy-Nagy zum Kernbestand der Guggenheim Collection, die nach dem Tod ihres Gründers beständig erweitert wurde.


Alberto Giacometti, Die Nase, 1947,
©VG Bild-Kunst, Bonn 2006

Ein Legat von Katherine Dreier, die eng mit Marcel Duchamp befreundet war, ergänzte bedeutende Arbeiten von Constantin Brancusi oder Kurt Schwitters. Die französischen Impressionisten und deutschen Expressionisten aus dem Besitz der Kunsthändler Justin K. Thannhauser und Walter Nierendorf verstärkten noch den europäischen Charakter der Sammlung. Peggy Guggenheim, Solomons eigenwillige Nichte, stiftete wichtige surrealistische Arbeiten und Gemälde amerikanischer Künstler wie Jackson Pollock, dessen Karriere sie als Galeristin lanciert hatte. Mit der 1999 erworbenen Sammlung von Giuseppe Panza di Biumo kamen schließlich Hauptwerke der Minimal Art in den Besitz der Foundation.



Mark Rothko, Ohne Titel,1949,
©Kate Rothko-Prizel & Christopher Rothko / VG Bild-Kunst, Bonn 2006


Aus der Sammlung des Galeristen Justin Thannhauser:
Picassos Frau mit gelbem Haar, Dezember 1931,
©Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2006

Justin Thannhauser, der nach seiner Flucht aus Berlin nach New York emigrierte, verdankt das Guggenheim unter anderem 32 Arbeiten von Picasso. In Bonn ist seine Frau mit gelbem Haar (1931) zu sehen – vielleicht eines der schönsten Bilder der Ausstellung. Der Kopf der jungen Frau ruht auf ihren Armen, das Gesicht ist im Profil zu sehen. Graziös lagert die Schlafende auf einem gestreiften Sofa – eine poetische Hommage Picassos an seine Muse Marie-Thérèse Walter.



Andy Warhol, Selbstporträt,1986,
©Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, 2005

Als Geschenk des Künstlers kam Roy Lichtensteins Pop Art Ikone Grrrrrrrrrrr!! in die Sammlung: Bedrohlich knurrt der große Hund und starrt den Betrachter an, als stehe er kurz davor, ihn zu attackieren. Auch Andy Warhol ist in Bonn vertreten – mit einem monumentalen, knapp drei mal drei Meter messenden Selbstbildnis. Es entstand 1986, ein Jahr vor seinem Tod. Gespenstisch schwebt Warhols grünlich leuchtender Kopf vor einem pechschwarzen Hintergrund. Mit den minimalistischen Skulpturen von Richard Serra und Robert Morris endet der Ausstellungsteil in der Kunsthalle.



Auftragsarbeit für das deutsche Guggenheim:
Rachel Whiteread, Ohne Titel (Keller), 2001,
©The Solomon R. Guggenheim Foundation New York

Der Parcours setzt sich im Erdgeschoss des benachbarten Kunstmuseums fort. Unter dem Schlagwort Guggenheim Contemporary sind hier auf 1500 Quadratmetern nach 1990 erworbene Arbeiten zu sehen. Ob Matthew Barney oder Douglas Gordon, Roni Horn oder Kara Walker – die Auswahl demonstrieren das kontinuierliche Engagement der Foundation für zeitgenössische Positionen. Besonders eindrucksvoll sind Rachel Whitereads Skulpturen, die 2001 für das Deutsche Guggenheim Berlin entstanden sind. Ihr Gipsabguss eines auf die Seite gekippten Treppenhauses besitzt eine verstörende Dynamik. Der weißliche Block zitiert nicht nur den anonymen Nutzbau, dem er seine Entstehung verdankt, sondern auch die monumentale Plastik des Minimalismus der sechziger Jahre.



Frank O. Gehrys Guggenheim Museum in Bilbao,
Foto: David Heald, © The Solomon R. Guggenheim Foundation, New York

Aber nicht nur im Bezug auf die Kunst ist die Guggenheim Foundation immer up to date. Schon Frank Lloyd Wrights organischer Bau an der New Yorker Fifth Avenue brach mit den konventionellen Vorstellungen von Museumsarchitektur. Und auch das titanüberzogene UFO, das Frank Gehry für die Dependance im spanischen Bilbao entworfen hat, gilt als einer der innovativsten Museumsbauten der letzten Jahre. Die internationale Architekturelite ist für die Institution aktiv. Davon zeugen die Entwürfe und Bauskulpturen von Zaha Hadid, Coop Himmelb(l)au oder Rem Koolhaas, die im Atrium der Bundeskunsthalle in einer eigenen Ausstellung zu sehen sind. The Guggenheim Architecture demonstriert, dass die architektonischen Projekte der Foundation genauso wegweisend sind wie die Kunst, die sie umfassen.

The Guggenheim Collection
21. Juli 2006 – 7. Januar 2007
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Kunstmuseum Bonn

The Guggenheim Architecture
25. August – 12. November 2006
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

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