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Lebende Legende
"The Guggenheim Collection" zu Gast in Bonn


Nie zuvor wurde die Sammlung der Guggenheim Foundation so ausführlich und hochkarätig präsentiert. Von Monet bis Warhol, von Beckmann bis Barney – die opulente Auswahl von rund 200 Meisterwerken, die weltweit nur in Bonn Station macht, eröffnet einen faszinierenden Parcours durch die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Achim Drucks stellt das Ausstellungs-Highlight des deutschen Kunstsommers vor, das die Erfolgsstory MoMA in Berlin sogar noch übertreffen könnte.



Frank Lloyd Wrights ikonischer Bau für die
Guggenheim Collection an der Fifth Avenue in New York,
Foto: David Heald, © The Solomon R. Guggenheim Foundation, New York

"The Guggenheim is the agent of popular culture" oder "The Guggenheim is not a place" prangt in riesigen Lettern auf den großen Plakaten vor der Bonner Bundeskunsthalle. Etwas kryptisch sind sie geraten, die Botschaften, die das Publikum in The Guggenheim Collection locken sollen. Und umstritten sind die großformatigen Werbebanner außerdem. Statt sich auf die Gelegenheit zu freuen, die Meisterwerke aus der Sammlung der New Yorker Guggenheim Foundation erleben zu können ohne den Atlantik überqueren zu müssen, streitet man sich in Bonn lieber kleinkariert darüber, ob die Plakate den Museumsplatz verschandeln.



Franz Marc, Gelbe Kuh, 1911,
©The Solomon R. Guggenheim Foundation, New York



Roy Lichtenstein, Grrrrrrrrrrr!!, 1965,
©VG Bild-Kunst, Bonn 2006


Doch Thomas Krens, der langjährige Direktor der Guggenheim Foundation, hat recht mit seinem Diktum. Das Guggenheim ist auf jeden Fall nicht bloß ein Ort. Es verkörpert auch eine Vision, die Wirklichkeit geworden ist und sich seitdem beständig weiter entwickelt hat. Aus dem Tempel für gegenstandslose Kunst, den der Kupferkönig Solomon R. Guggenheim und seine Beraterin Hilla von Rebay in New York von Frank Lloyd Wright entwerfen ließen, ist eine weltumspannende Kunstinstitution geworden – mit Dependancen in New York, Bilbao, Venedig, Las Vegas, Berlin. Und für ein knappes halbes Jahr gehört jetzt auch Bonn zum globalen Guggenheimkomplex.



Zu Besuch am Bauhaus in Dessau: Irene Guggenheim, Wassily Kandinsky,
Hilla Rebay und Solomon R. Guggenheim, Sommer 1930
Foto: courtesy The Solomon R. Guggenheim Museum, New York
©The Solomon R. Guggenheim Foundation, New York

Gastspiele berühmter Museen sind in der Bundeskunsthalle keine Seltenheit. Aber ganz gleich ob der Prado oder die Vatikanischen Museen ihre Sammlungen in Bonn präsentierten, die große Guggenheim-Schau ist das bislang ambitionierteste Projekt. Nie zuvor führte ein Ausstellungsparcours durch das ganze Haus – und setzte sich auch noch im benachbarten Kunstmuseum fort. Im Erdgeschoss sind dort jüngere Erwerbungen der Foundation zu sehen, darunter auch Auftragswerke für das Deutsche Guggenheim in Berlin, während die Kunsthalle die Klassiker von Monet bis Serra präsentiert.



Ein Geschenk von Justin K. Thannhauser:
Edouard Manet, Vor dem Spiegel, 1876,
©The Solomon R. Guggenheim Foundation, New York

Hier können die Besucher Aufbruch und Entwicklung der modernen Malerei nachempfinden. In pastelligen blau-weiß Tönen flirrt Monets impressionistische Dame vor dem Spiegel, mit kräftigen, expressiven Pinselstrichen hält Vincent van Gogh die Berge bei Saint-Rémy fest. Wild durcheinander wirbeln die Linien und Formen auf Kandinskys frühem abstraktem Bild mit weißem Rand von 1913. Wie stark sich sein Stil später geklärt hat, zeigt seine zehn Jahre danach entstandene Komposition 8 mit ihren geraden Linien, Dreiecken und abgezirkelten Kreisen, die vor einem ruhigen Hintergrund schweben.



Ein Geschenk von Solomon R. Guggenheim:
Wassily Kandinsky, Bild mit weißem Rand, Mai 1913,
©VG Bild-Kunst, Bonn 2006


Ebenfalls aus dem Besitz von Solomon R. Guggenheim:
Wassily Kandinsky, Komposition 8, Juli 1923,
©VG Bild-Kunst, Bonn 2006

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