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"Reibungsflächen und Wahlverwandtschaften"
Presseschau zu "Blind Date Seligenstadt"



Ungewöhnliche Begegnungen, spannende Zwiegespräche – die Ausstellung "Blind Date Seligenstadt" kombinierte aktuelle Neuankäufe für die Sammlung Deutsche Bank mit Highlights, die bereits seit längerem zum Bestand der weltweit größten Unternehmenssammlung zählen. Im historischen Ambiente der Benediktinerabei und im ältesten Profanbau von Seligenstadt trafen Wilhelm Sasnal auf Raymond Pettibon oder Rosemarie Trockel auf Joseph Beuys.

Die verschwenderisch mit barocken Fresken, Stuckornamenten und Kristallleuchtern ausgestatteten Räumlichkeiten mit ihrer ganz eigenen, manchmal fast geheimnisvolle Stimmung beherbergten eine der wohl ungewöhnlichsten Ausstellungen, mit denen die Sammlung Deutsche Bank je vorgestellt wurde. Hier begegneten und überlagerten sich aktuelle Kunst und historische Architektur auf ganz besondere Weise. Die Schau verband zwei Premieren: nach aufwendiger Restaurierung war die Prälatur des Klosters wieder für Besucher zugänglich und im 27-jährigen Bestehen der Sammlung Deutsche Bank wurden die jüngsten Neuerwerbungen jetzt erstmals öffentlich vorgestellt.

Dass Blind Dates ein gewisses Risikopotential bergen, weiß auch die Frankfurter Rundschau. "Wenn man Glück hat, geht alles gut: Der Kitzel im Bauch stimmt erwartungsvoll, man tauscht sich aus, entdeckt dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede. (…). Es kann aber auch furchtbar enden: Schon beim ersten Blick stört etwas, die Euphorie ist futsch, ein Gespräch will nicht in Gang kommen." – "Wer hätte es gedacht, dass ausgerechnet die Deutsche Bank, Inbegriff des Seriösen, sich 2006 als Partnervermittler versucht und solche Begegnungen mit ungewissem Ausgang organisiert? Und das auch noch im beschaulichen Seligenstadt. Dort zeigt die führende Bank der Republik erstmals Neuerwerbungen ihrer Kunstsammlung – und lässt sie in mehr als 40 Blind Dates auf alte Hasen aus dieser Sammlung treffen. (…) Nach der Diskussion um 'Peanuts', um Unternehmenskultur in den Zeiten von Entlassungen trotz Riesengewinnen, zeigt sich die Deutsche Bank hier als großzügige Förderin zeitgenössischer Künstler". Die Idee, die Ausstellung in historischem Ambiente zu präsentieren, hat Clemens Schürger überzeugt. "Mit sicherem Gespür hat das Unternehmen die Gelegenheit beim Schopf gepackt, als erster in der gerade aufwändig restaurierten Prälatur des ehemaligen Benediktinerklosters Seligenstadt auszustellen, bevor sie vorerst für die Öffentlichkeit wieder geschlossen wird." Mit ein paar der Blind Dates hat der Autor allerdings seine Schwierigkeiten. "Die zwölf Fotografien von Richard Prince (…) reißen alles an sich und lassen Sharon Lockharts Boy with Guitar noch einsamer erscheinen". Doch "in den meisten Fällen beweist Kuratorin Ariane Grigoteit von der Deutschen Bank, unterstützt von Jessica Morgan, ein sicheres Gespür für die Paarungen. Jeff Koons trifft mit Hair, großformatig und prall in Farben wie im Duktus, auf den spröderen Richard Hamilton, den britischen Vater der Pop Art. Wunderbar kühl die Begegnung von László Moholy-Nagy und Markus Amm unter einem böhmischen Kristallleuchter. (…) Streng aufgebaut sind auch die flachformatigen Schwarzweiß-

Fotografien des jungen Wieners Markus Schinwald, die das Wechselspiel zwischen Mode und Kostüm, Bewegung und Repräsentation untersuchen. Ihm reizvoll an die Seite gestellt sind zwei Werke Oskar Schlemmers, in denen der Bauhaus-Künstler seine Ansicht von der Geometrie der Figur im Raum durch die zarte Technik des Aquarells gemildert hat". Zur Illustration des Artikels hat die Frankfurter Rundschau die Paarung Avner Ben-Gal und Karen Kilimnik ausgewählt.

Das Ackermann-Wort hat auch Reinhold Gries in der Offenbach Post inspiriert. "Peanuts zeigt er nicht, der Blind Date Seligenstadt der Kunstsammlung Deutsche Bank zum Start seiner Europa-Tournee". Das "ehrgeizige Projekt" entspreche "den hohen Ansprüchen des Global Players". Für Gries sorgen "Arrivierte und Newcomer vor allem im barocken Abteihaus für überraschende Begegnungen zwischen Historischem und Modernem. Im Audienzsaal treten Richard Hamiltons ironische Pop-Art-Siebdrucke (…) in Dialog mit der historischen Tobiaslegende". Viele der Künstlerkombinationen erscheinen ihm als außerordentlich gelungen. "Mit Rirkrit Tiravanijas Polit-Demo-Collage konfrontiert, wirkt Kurt Schwitters Dada-Collage klassisch ausbalanciert. Oskar Schlemmers menschliche Gliederpuppen (1931/32) scheinen im Wechselspiel mit Markus Schinwalds überblendeten Foto-Betrachtungen (2003) an Leben zu gewinnen." Im Alten Haus verdichte sich die "exzellente Schau" mit Arbeiten von Beuys, Trockel, Kippenberger oder Eliasson "zu einem Who-is-Who zeitgenössischer Kunst".

Auch die Kunstzeitung hat die Ausstellung, "in der die weltweit größte Unternehmenssammlung in Form von Künstlerpaarungen Kontur gewinnt", ihren Lesern ans Herz gelegt. Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung spricht von "Begegnungen von besonderem Reiz", die einen "Blick hinter die Kulissen der Sammlung" erlaubt. Sie lobt die Zusammenarbeit der Bank, des Kunstforums Seligenstadt, der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten und der Stadt, die es möglich gemacht hat, die "außergewöhnlichen Bilder-Paarungen" an diesen "ungewöhnlichen Orten zu präsentieren". Ausführlich berichtet die Zeitung auch von der Pressekonferenz zu der Ausstellung und zitiert die begeisterten Worte des Direktors der Hessischen Schlösserverwaltung zur gelungenen Symbiose zwischen historischen Räumen und aktueller Kunst: "Hier kann man das Sehen lernen".

Ein dickes Lob spendierte Karlheinz Schmidt vom Informationsdienst Kunst der Blind Date-Ausgabe von Visuell, dem Katalog-Magazin zur Ausstellung: "Sollte man den Jungs und Mädels von der Deutschen Bank nicht endlich mal was auf’s Mützchen geben? Immer nur loben – kann man da noch glaubwürdig bleiben? Aber was soll man tun? Die Deutsche Bank Art, die Crew am Rossmarkt 18 in Frankfurt am Main, hats einfach drauf. Die wissen, wie man Sammlungen, Ausstellungen, Projekte und Kataloge macht. Apropos: Ein tolles Ding, der Katalog zur Blind Date-Ausstellungstournee mit Neuerwerbungen. Allein das Design, das Layout – zum Niederknien. Verneigung vor Spin, London."