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The World according to Karim
Karim Rashid designt die Deutsche Bank VIP-Lounge auf der Art Cologne




Entwurf von Karim Rashid für die VIP-Lounge der
Deutschen Bank auf der Art Cologne 2006
©Karim Rashid


Die Welt durch Helligkeit und Komfort zu verbessern ist Karim Rashids Ziel. Der Designer fängt damit bei sich selbst an: "Meine Art zu leben ist ausschließlich von der Gegenwart bestimmt. Meine Garderobe besteht beispielsweise komplett aus Mikrofasern – alles in silbergrau und weiß, das sieht total smart aus," verriet er dem Internetmagazin designboom.com, nachdem er 2000 alle seine schwarzen Kleidungsstücke einer Charity-Auktion überließ und seither nur noch helle Farben trägt. Wer das zu radikal findet, hatte vielleicht noch keine Berührung mit Rashids durchgestyltem Designkosmos – oder wusste es bislang einfach noch nicht. Vermutlich hat jeder schon einmal Müll in einen seiner Entwürfe geschmissen. Denn Rashids Durchbruch kam mit einem Abfallkübel. Für die kanadische Firma Umbra gestaltete er aus Plastik einen runden Mülleimer mit hochgezogenem Griff, vermenschlichte ihn mit dem Namen Garbo – und landete einen Hit. Seit 1995 sind fast zehn Millionen Stück des bunten Kessels verkauft worden, für jeweils 12 Dollar. Das machte Umbra zur weltweit bekannten Marke und Rashid zum Star und Propheten einer neuen Design-Philosophie: dem Blobismus, dem Design der runden und organischen Formen und knalligen und grellen Farben.




Entwurf von Karim Rashid für die VIP-Lounge der
Deutschen Bank auf der Art Cologne 2006
©Karim Rashid

Seitdem designt er von Taschen, Mausmatten, Kreditkarten oder Kugelschreibern, über Stoffe und "Cyber-Kleider" bis hin zu ganzen Sitzlandschaften wirklich alles. Für Alessi entwickelte er die Uhr Kaj, für Miyake den Flakon zu Eau d’Issey, für Toshiba gestaltete er eine Stereoanlage. Konzerne wie Coca Cola, Estée Lauder oder Sony gehören zu seinen Kunden. Und neuerdings auch die Deutsche Bank, die den 46- jährigen allerdings als Künstler-Designer schätzt: Auf der kommenden Art Cologne können die Gäste der Bank vom 1. bis 5. November Rashids neonbunte, stromlinienförmige, futuristische Welt in der VIP-Lounge kennen lernen.


Entwurf von Karim Rashid für die VIP-Lounge der
Deutschen Bank auf der Art Cologne 2006
©Karim Rashid

Die Präsentation von zukunftsweisendem Design hat in der Lounge bereits Tradition. Im letzten Jahr präsentierte das renommierte AD-Magazin in Kooperation mit der Deutsche Bank Kunst in den Kölner Messehallen unter dem Motto "Wohnen mit Kunst" ein ausgefallenes Environment. Die eigens von AD gestaltete Wohnumgebung bildete ein ungewöhnliches Experimentierfeld, in dem sich eine Schau internationaler Gegenwartskunst aus der Sammlung Deutsche Bank mit Beispielen exklusiver Wohnkultur verband. Trafen im letzten Jahr Werke von Künstlern wie Richard Prince, Rosemarie Trockel oder Richard Artschwager auf ausgewählte Stücke unterschiedlicher Designer, wird die Lounge diesmal in eine Vision Rashids transformiert.

Die Besucher der Lounge finden sich in einer Flucht silbern-weißer, pinker und blauer Räume wieder, in einem Ambiente aus verspiegelten Böden, organisch und fließend geformten Wänden und computergrafischen Netz-Ornamenten. Und dieser Hang zum Gesamtkunstwerk macht Sinn. Denn der Sohn eines Ägypters und einer Engländerin wusste schon mit vier Jahren, dass er Designer werden wollte. Und er will, wie er der Züricher Weltwoche erklärte, "alles berühren und alles gestalten." Das liegt vielleicht in der Familie. So ist auch sein Bruder Hani erfolgreicher Designer und Architekt, der zusammen mit seiner Firma Asymptote die virtuelle New Yorker Börse konzipierte, den amerikanischen Pavillon für die 7. Architektur-Biennale von Venedig gestaltete und das Projekt eines Virtual Guggenheim entwickelte. Sein Bruder hingegen schickt sich gerade dazu an, Lifestyle-Guru zu werden. In seinem jüngst erschienen Buch Design Your Self gibt er Tipps, wie man am besten seinen Koffer packt oder sich trotz vollen Terminkalenders Freizeit verschafft. Natürlich wird sich auch dieses Produkt wieder glänzend verkaufen – und die Welt sich wieder ein bisschen mehr nach Rashids Vorstellungen zum Besseren wenden.