In dieser Ausgabe:
>> Matthew Barney
>> Früher Beuys - spätes Erbe
>> Phoebe Washburn
>> Erwin Wurm: Bin ich ein Haus?

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Herman J. Abs, Joseph Beuys und Herbert Zapp
im Städel-Museum, 1982,
Foto: Lutz Kleinhans

Initiiert hatte die langjährige Beziehung von Beuys zur Bank jedoch ein anderer. Schon vor Zapps Wirken ließ der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Hermann J. Abs seine Verbindungen für den charismatischen Künstler spielen. Abs und Zapp, deren kulturelles Engagement die Zeit der Siebziger prägte, initiierten schließlich gemeinsam den spektakulären Ankauf einer umfangreichen Serie von Beuys-Zeichnungen für die Sammlung Deutsche Bank.



Filzplastik - Bronzeplastik, 1964,
Sammlung Deutsche Bank

Ganz bewusst hatte man sich für Zeichnungen entschieden, da auch Beuys seine Ideen zu "Kunst" und "Leben", zunächst auf dem Papier entwickelte. Hier wurden seine Ideen vorangetrieben und wiederholt der Prüfung unterzogen. Die 57 Zeichnungen aus den Jahren 1949 bis 1969, ursprünglich 1972 für eine Ausstellung in der Galerie Schmela zusammengestellt, bilden bis heute ein zusammenhängendes Konvolut. Davon gehören 38 Blätter dem Städtischen Museum Düsseldorf und 19 Blätter der Deutschen Bank.



Metallplastik - Filzplastik, 1963,
Sammlung Deutsche Bank

Nicht lange, nachdem 1980 das Konvolut der Zeichnungen erworben wurde, sprach Beuys demonstrativ seine berühmte "Letzte Warnung an die Deutsche Bank" aus, die mit dem Zusatz "Beim nächsten Mal werden Namen und Begriffe genannt", als Postkarte und Plakat von der Edition Staeck publiziert wurde, die dort bis heute erhältlich sind.



Als Dauerleihgabe im Frankfurter Städel: Bergkönig 1961,
Sammlung Deutsche Bank

Was war passiert? Beuys hatte seiner Enttäuschung Ausdruck verliehen, denn er war davon ausgegangen, dass die Deutsche Bank ihn substantiell bei dem documenta-Projekt 7.000 Eichen unterstützen würde. Tatsächlich sind jedoch reine Geld-"Spenden" nicht im Förderungskonzept der Bank vorgesehen. Vielmehr wurde 1982, im selben Jahr der documenta 7 (7.000 Eichen), auch die Skulptur Bergkönig für die Sammlung erworben, die bis heute als Dauerleihgabe, von Joseph Beuys, Hermann J. Abs und Herbert Zapp gemeinsam publikumswirksam öffentlich platziert, im Städelschen Museum Frankfurt zu sehen ist.

La rivoluzione siamo Noi, 1971,
Sammlung Deutsche Bank

Die Reaktionen auf diesen Ankauf brachten in der Bank ein bis heute aktuelles Phänomen zum Vorschein. Denn jeder, aber auch wirklich jeder Banker fühlte sich berufen, etwas zu Joseph Beuys zu sagen. Der die Einheit und Brüderlichkeit von Wirtschafts- und Geistesleben vertretende Künstler polarisierte, ganz gleich wen und in welchem Bereich des Wirtschaftsunternehmens er tätig war. Joseph Beuys hätte das vermutlich gefreut, denn er versuchte ja den Blick für neue Erfahrungen und Ansichten zu öffnen. Vielleicht war es ja wirklich so, dass er wie kaum ein anderer Künstler seiner Zeit Sehnsüchte weckte und Abneigung hervorrief, weil er es in einer Zeit metaphysischer Obdachlosigkeit wagte, sich als Erlöser und Lichtgestalt des deutschen Kulturbetriebs zu inszenieren.



Schädel auf Urschlitten, 1954,
Sammlung Deutsche Bank

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