In dieser Ausgabe:
>> Presse: Frieze 2006/"All the Best" in Singapur/"More than Meets the Eye" in Bogota
>> Interview Isa Genzken

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"Ein Kraftwerk der Kunst"
Pressestimmen zur Londoner Frieze Art Fair



Nach fünf Tagen schloss die Frieze Art Fair in London am 15. Oktober ihre Pforten. Ob wie im letzten Jahr wieder mehr als 30 Millionen Pfund umgesetzt wurden, muss diesmal ein Geheimnis bleiben, denn vor allem die großen Galerien waren sehr diskret, wenn es um Verkaufszahlen ging. Die Zahl ihrer Besucher konnte die Messe, die zum dritten Mal von der Deutschen Bank gesponsert wurde, jedenfalls erneut eindrucksvoll steigern. Und auch die internationale Presse zeigt sich von der vierten Ausgabe der Frieze begeistert.

Zwischen den Bäumen des Regent's Parks wies eine gewundene Rampe aus Holz den Weg zum Entree in das temporäre Zentrum der Gegenwartskunst. Internationale Sammler, Museumsleute, Stars und nicht zuletzt das allgemeine Kunstpublikum stürmten fünf Tage lang die weißen Zelte der Frieze Art Fair, die sich für Sir Nicholas Serota bereits in ihrem vierten Jahr, "zu einer der besten drei Kunstmessen weltweit entwickelt hat", wie der Tate-Direktor der Times verriet. Mit insgesamt rund 63.000 Besuchern konnte die Frieze die Zahl ihrer Gäste im Vergleich zum letzten Jahr noch einmal um 35 Prozent steigern.

Natürlich waren die Schwergewichte unter den internationalen Galerien wie Gagosian oder Gladstone in London präsent, aber auch junge Galerien wie Herald St. und greengrassi, "die aufstrebende Talente repräsentieren – mit Arbeiten, die so frisch auf dem Markt sind, dass sie für sich selbst stehen müssen, noch ungestützt durch Kritikerurteile oder einen etablierten Marktwert" (Financial Times ). Aus Deutschland waren u. a. Bärbel Grässlin, Contemporary Fine Arts und Johnen + Schöttle angereist – insgesamt zeigten über 150 Galerien mehr als 1.000 Gegenwartskünstler auf der Frieze, die so mit ihrem "kreativen Potential und den absolut neuesten Werken die kulturelle Agenda bestimmt", wie El Pais bemerkt. Diesen "must see art event" (Guardian) wollten sich auch einige Celebrities nicht entgehen lassen. In der VIP-Lounge der Deutschen Bank konnte man Kate Moss samt Töchterchen und Nanny oder Claudia Schiffer treffen, Valentino streifte mit Gwyneth Paltrow durch die Messekojen und Jude Law interessierte sich ganz besonders für eine Installation des jungen Briten Rupert Norfolk. Aber natürlich waren auch wichtige Sammler vor Ort – wie Charles Saatchi, der seine frisch erworbenen jungen Amerikaner zeitgleich zur Messe in der Royal Academy präsentiert, Christie's-Besitzer Francois Pinault oder die Rubells aus Miami. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung resümierte: "Niemals zuvor waren so viele finanzkräftige Sammler, so viele hochpreisige Arbeiten auf Großbritanniens wichtigster Messe für Gegenwartskunst zu sehen."

Doch die Frieze ist viel mehr als nur eine Messe. "Die Frieze ist ein Phänomen. Sie nennt sich zwar Kunstmesse, sie hat aber die Grenzen dieses Begriffs neu definiert." Sie ist nicht nur "ein Schaufenster für internationale Händler, in dem sie alles, was an der Gegenwartskunst spannend und neu ist, präsentieren können." Sie ist auch ein Ort, "an dem Kunst entsteht, an dem über sie debattiert wird, wo sich Menschen treffen und wo etwas passiert", bemerkt die Financial Times. So konnten die Besucher dieses Jahr die Young British Artists Jake und Dinos Chapman dabei beobachten, wie sie am White Cube-Stand Porträts von Messebesuchern malten. Für 4.500 Pfund konnte sich jeder im Schnellverfahren in Öl verewigen lassen. Oder man ließ sich von Lady Grace zum Thema Haare beraten. Die Dame mit den bodenlangen Locken ist eine der Darstellerinnen in Mika Rottenbergs neuester Videoarbeit, die auf der Frieze ihre Premiere feierte. Das umstrittenste Werk der Messe war sicher eine von der Wrong Gallery initiierte Performance: In einem abgetrennten Raum saß eine Schauspielerin mit Down Syndrom auf einem Stuhl und meditierte über einen Stein, eine Kugel und ein Quadrat. Es war die Wiederholung einer Arbeit von Gino De Dominicis, die auf der Biennale in Venedig 1972 für einen Skandal gesorgt hatte.

Aber nicht nur die Zelte im Regent's Park lockten die Kunstszene in die britische Hauptstadt. Die "Frieze Week" sorgte in ganz London für einen "enormen Kunstrummel" (Independent on Sunday). Denn mittlerweile gibt es rund um die Frieze neben den obligatorischen Alternativmessen wie der Scope, auch Versteigerungen bei Christies und Co, sowie eine Vielzahl hochkarätiger Ausstellungen. David Hockney’s Porträts ziehen die Besuchermassen in die National Portrait Gallery, die Tate Modern präsentiert neben Fischli & Weiss auch fünf Rutschen von Carsten Höller und in dem spektakulären Ambiente eines ehemaligen Elektrizitätswerks, einer ruinösen Industriekathedrale direkt am Themse-Ufer, zeigt die Serpentine Gallery aktuelle Kunst aus China. Auch deshalb ist die "Frieze-Week" so "unglaublich. Alle wichtigen Leute der Londoner Kunstwelt koordinieren ihre Aktivitäten, denn sie wissen, dass die internationale Kunstszene hier eine Woche lang präsent sein wird", so Art Newspaper-Redakteurin Cristina Ruiz im Evening Standard. Als ein wahres "Kraftwerk der Kunst" (Der Standard) verwandelt die Frieze Art Fair London in die "Hauptstadt der Gegenwartskunst" (La Stampa). AD


Geschützt wie in einem Konkon
Pressestimmen zu "All the Best" in Singapur



Nach Stationen im Berliner Deutsche Guggenheim und dem Hara Museum in Tokio ist All the Best. The Deutsche Bank Collection and Zaha Hadid, die Jubiläumsschau der Sammlung Deutsche Bank, noch bis zum 20. November 2006 im renommierten Singapore Art Museum zu sehen. In der Schau finden über 150 überwiegend junge, kontroverse Arbeiten auf Papier mit dem visionären Ausstellungsdesign der Londoner Star-Architektin zu einer außergewöhnlichen Präsentation zueinander. Parallel zur gleichzeitig stattfindenden Singapur Biennale stieß die Ausstellung bei der Presse auf ein großes Echo.

Unter dem Titel Frische Kunst für deutsche Banker würdigt Gabi Czöppan in ihrer Besprechung für Focus online die spektakuläre Ausstellungsarchitektur: "Ist da vor den weißen Kolonnaden des britisch anmutenden Anwesens ein Alien

gelandet? Oder hat sich dort nur ein lokaler Bildhauer verewigt? Nein, das eckige Etwas, halb Monster-Origami, halb aufgeblähtes Flugobjekt, stammt von Star Architektin Zaha Hadid. Ganz zweckfrei hat die Londonerin ihre Skulptur vor das Singapore Art Museum gesetzt – ein schmucker Appetithappen für die Ausstellung All the Best, mit der die Deutsche Bank ihre 25-jährige Sammelleidenschaft feiert." Neben der "extravaganten Raumlandschaft aus geschwungenen Bögen und spitz zulaufenden Schläuchen" in den Ausstellungsräumen, haben es Czöppan vor allem die versteckten subversiven Inhalte einiger Arbeiten angetan haben: "Schöne Bilder sind dies nur auf den ersten Blick. Da zielt James Riellys niedlicher blonder Junge in War Games mit der Hand wie mit einer Pistole auf den Betrachter. Da fallen Kara Walkers schwarze Gestalten brutal übereinander her, lockt Gregor Schneider in klaustrophobischen Kellerräumen oder setzt die Japanerin Miwa Yanagi Rotkäppchen für gespenstische Schwarz-Weiß-Fotos in blutüberströmte Tierleiber. Selbst Jürgen Tellers Gerettetes Bambi liegt leblos in der Hand des schockiert blickenden Försters."



Auch die Singapurische Presse zeigt sich begeistert von dem Zusammenspiel zwischen Kunst und Architektur, das All the Best dem Publikum bietet. In The Straits Time: Life! schwärmt Clara Chow: "Die Schaumstoff-Plattform – fraglos für sich schon ein bildhauerisches Kunstwerk – ist Bestandteil der Ausstellung, die über 150 Arbeiten zeitgenössischer Kunst in einem von Hadid designten futuristischen Environment präsentiert." Auch David Chew fasziniert sich in der Tageszeitung Today für das Sci-Fi Ambiente in der Schau: "Arbeiten von Künstlern wie der Britin Tracy Emin oder des Deutschen Joseph Beuys (…) sind in dieser großformatigen Installation aus weißen schalenförmigen Skulpturen wie in einem Kokon geschützt."

Noch genauer wollte es Parvathi Nayar für The Business Times wissen, der gleich am Anfang ein Statement von Dr. Ariane Grigoteit, Direktorin der Sammlung Deutsche Bank, zitiert: "Das Wesen der Sammlung besteht darin, dass sie nicht für ein Museum zusammengetragen wurde, sondern für Arbeitsplätze und Büroräume, und die Art wie wir sie ausstellen ist sehr davon geprägt." Nayar nimmt das Ausstellungsdesign daher ganz genau unter die Lupe: "Per Email hat Ms Hadid aus London der BT mitgeteilt, dass die 'Gestaltung des All the Best Designs durch die Überlagerung und Verzerrung der Museumsgrundrisse erreicht wurde; es ging darum, einen fließenden Raum zu schaffen, der die gezeigten Kunstwerke zu einem schlüssigen Ganzen zusammenführt und dabei den Ausstellungsrundgang durch diese Landschaft beschreibt.'" Die speziell für Singapur getroffene Auswahl der Arbeiten von rund 60 Künstlern, so Nayar, "umfasst früheste Arbeiten aus der Sammlung – atemberaubende schwarz-weiß Aufnahmen New Yorks (um 1936) von Berenice Abbott – bis hin zu jüngsten Neuankäufen, wie etwa eine Zeichnung Richard Artschwagers von 2006. Es gibt wundervolle Dinge zu entdeckten, wenn man Zaha Hadids skulpturalem Fluß, der von den Schalenformen vor dem Museum zu den Kunstwerken im Inneren verläuft, folgt, darunter Günther Förgs Fotoarbeit im Treppenaufgang, die an Marcel Duchamps berühmten Akt, eine Treppe herabsteigend erinnert oder die bewegende Zeichnung mit der jungen Patti Boyd von Karen Kilimnik", die auch den Titel des Ausstellungskatalogs ziert. MM


Kolumbianische Pressestimmen zu "More than Meets the Eye"


Seit Anfang des Jahres tourt More than Meets the Eye/Mehr als das Auge fassen kann durch Lateinamerika. Nach Stationen in Monterrey und Mexiko City, präsentiert die Sammlung Deutsche Bank ihre Auswahl fotografischer Arbeiten derzeit in der Casa Republicana de la Biblioteca Luis Ángel Arango in Bogota. Die Eröffnung der Schau, die noch bis zum 31. Dezember zu sehen ist, feierten die Direktorin der Bibliothek Angela Perez Mejia sowie der Direktor der Deutsche Bank Kunst und Kurator Friedhelm Hütte mit über 250 Gästen, darunter die kolumbianische Kultusministerin Elvira Cuervo de Jaramillo und zahlreiche Künstler.

Die Ausstellung, die den Fokus auf die deutsche Fotografie nach 1945 und ihre Verbindung zu anderen Kunstformen und –strömungen richtet, präsentiert "dem kolumbianischen Publikum erstmals ein weit gefasstes Panorama deutscher Fotografie", die auf "eine eigenständige Entwicklung" zurückblickt, so Juan Guzman in der Revista Fotografica Dominicana e Internacional. Auf die Pionierleistung der Deutschen Bank verweisend, die seit mehr als 25 Jahren Kunst in den Büroalltag ihrer Mitarbeiter integriert und fördert, erinnert Guzman zudem an die erste Präsentation von Arbeiten aus der Unternehmenssammlung in Kolumbien überhaupt: "1991 präsentierte die Deutsche Bank unter dem Titel Zeitgenössische deutsche Kunst zum ersten Mal eine Auswahl von Arbeiten auf Papier deutscher Künstler wie etwa Joseph Beuys, Sigmar Polke oder Gerhard Richter."

Ganz knapp, aber auf den Punkt bespricht ein anonymer Autor des Webmagazins Estereofonica für Musik und Kultur die Ausstellung und nennt sieben Gründe, weshalb man sich die Schau nicht entgehen lassen dürfe: "Um 1. 130 Arbeiten von mehr als 54 Künstlern, darunter Wim Wenders, zu sehen", "2. die Zusammenhänge zwischen Fotografie und Malerei in den Arbeiten von Delia Keller, Katharina Mayer, Tamara Grcic, Gerald Domenig und Claus Goedicke zu entdecken", "3. den Einfluss der Düsseldorfer Schule von Bernd und Hilla Becher auf eine ganze Generation von Fotografen wie Thomas Struth, Andreas Gursky oder Candida Höfer kennen zu lernen", "4. zu sehen wie Gerhard Richter und Sigmar Polke die Fotografie als Mittel ihrer künstlerischen Reflexion nutzen", "5. über das Verhältnis zwischen Fotografie und Geschwindigkeit am Beispiel von Ottmar Hörls Schwäbischer Traum nachzudenken", "6. die fotografischen Strategien der deutschen Nachkriegsgeneration zu verfolgen" und schließlich "um 7. über diesen unergründlichen Raum zu sinnieren, in dem weder die Kamera noch das Auge das zu erfassen im Stande sind, was Wirklichkeit erst entstehen lässt." MM