In dieser Ausgabe:
>> Deutsche Bank Collection Italy / Lobby Gallery
>> Divisionismus/ Neoimpressionismus im Deutsche Guggenheim

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Gabriele Basilico, Farbrik in Mailand, 1978,
Sammlung Deutsche Bank

Erklären kann mir das ja später Frank Boehm. Seine Führung beginnt jedoch zuerst im sechsten Stock, sozusagen beim gehobenen Management. Ein Teppich dämpft die Schritte, die Wände haben einen schicken Mahagoni-Ton. "Auf dieser Ebene haben wir die kostbarsten Arbeiten gehängt", sagt Boehm. Zu den Preziosen gehören vor allem Fotos. Zum Beispiel drei wunderbare, in ihrer Schlichtheit fast grafisch wirkende Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Mailänder Fabriken. Gabriele Basilico hat sie 1983 fotografiert, jetzt veredeln die Bilder einen der Konferenzräume. Den Flur schmücken drei ungemein zarte Fotografien von Luigi Ghirri. "Ghirri ist der Meister", sagt Boehm. "Auf ihn beziehen sich alle jungen italienischen Fotografen." Direkt unter Porto Recanati, einem stimmungsvollen Foto von Ghirri, das das nächtliche Treiben in einer typisch italienischen Strandbar zeigt, ist eine von Alberto Garuttis Sitzbänken platziert. Gewissermaßen als Einladung, sich niederzulassen und einmal in Ruhe über das eigene Italienbild nachzudenken.



Luigi Ghirri, Porto recanati, 1984,
Sammlung Deutsche Bank

Kunst zum Nachdenken ist in allen Teilen des Gebäudes zu sehen. Viele Werke der neuen DB Collection Italy haben diesen kleinen Twist, der fordert, dass man sich mit ihnen noch etwas länger beschäftigt: Im ersten Stock begegnen mir vier Fragen, die die Schweizer Kunststars Fischli & Weiss auf ihren Lithografien in ganz unprätentiösen Filzstiftlettern an den Betrachter richten, wie zum Beispiel: "In privato sono un'altra persona?", also "Bin ich privat ein anderer Mensch?". Nur wenige Meter weiter arbeiten Bankangestellte in einem Großraumbüro. Es tun sich Gedankenwelten auf: Gleich nebenan spielt Luca Vitones Wandarbeit Mare Nostrum (2004/2007) mit der Vorstellung von Italien als Urlaubsidylle. Auf einem stilisierten Untergrund, der die Form von blauen Wellen aufgreift, hat Vitone gerahmte Postkarten arrangiert, die zusammen den "Stiefel", den Umriss seines Heimatlandes, formen. Mitten in der Installation zweigt ein Flur zu weiteren Büroräumen ab, schlägt eine Schneise ins Meerblau, die direkt zur Realität des Arbeitsalltags führt.



Luca Vitone, Mare Nostrum, 2004/2007,
Sammlung Deutsche Bank

Weiter geht es durch die nüchterne Office-Etage. Hinter einer Ecke steht plötzlich eine große Menschentraube im Flur. Ich stoppe überrascht, bemerke dann aber, dass die Menschen nur zweidimensional sind. Lara Favaretto hat in ihrer Auftragsarbeit die Sänger eines Chors als Fototapete an die Wand geklebt. "Es gibt diese Poster an fünf Stellen im Gebäude", sagt Boehm. "Es kann sein, dass manche Angestellte jeden Tag an so einem der Poster vorbeigehen, sich darüber freuen und gar nicht wissen, dass es im Gebäude noch vier andere ganz ähnliche Arbeiten gibt."



Lara Favaretto, One of Many, 2006,
Sammlung Deutsche Bank

Wir laufen den Flur entlang, vorbei an Ina Webers Zeitungskiosk, und biegen um die Ecke. Hier hängt ein Schaukasten voller Langspielplatten. "Lorenzo Scotto di Luzio interpretiert Luigi Tenco" steht auf den Alben. Es ist di Luzios Hommage an den Schnulzensänger, der sich während des berühmten Schlagerfestivals von San Remo das Leben nahm. Der Künstler hat Tencos Lieder selbst eingesungen und seine Darbietung auf Schallplatte pressen lassen.



Lorenzo Scotto di Luzio, Luigi Tenco, 2002,
Sammlung Deutsche Bank

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