In dieser Ausgabe:
>> Deutsche Bank Collection Italy / Lobby Gallery
>> Divisionismus/ Neoimpressionismus im Deutsche Guggenheim

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Wer sich von diesem Altar des hingebungsvoll geträllerten "amore" losreißen kann und sich umdreht, der blickt über eine Brüstung hinweg direkt auf Tuttofuocos X-Flag in der Eingangshalle. Das "X" verstehe er als das Unbekannte, erklärt Boehm. Eine Leerstelle, in die jeder Betrachter seine eigenen Vorstellungen hineinprojizieren kann. Keine schlechte Idee, scheint Tuttofuocos Skulptur doch eine Flagge zu sein, die allen Menschen gehört. Überaus passend für die Eingangshalle, in der sich täglich über tausend Angestellte und ebenso viele Lebenswelten begegnen.



Carolina Antich, Taglio trasversale di un fiore, 2002,
Sammlung Deutsche Bank

Zum Schluss geht’s mit dem Fahrstuhl wieder ins Erdgeschoss. Hier befinden sich unter anderem auch Trainingscenter und Räume für Vorträge und Weiterbildungen. In einem hängen zwei großformatige Ölgemälde von Carolina Antich. Die argentinische Künstlerin hat in zarten Strichen und blassen Farben zwei Kindergruppen gemalt, die sich wie zu einem Erinnerungsfoto postiert haben.

Auf einem Bild die Mädchen, auf dem anderen die Jungen. Das Schulfoto-Ambiente der Bilder wirkt wie eine ironische Botschaft an die Angestellten, die hier büffeln müssen. Auf der anderen Seite erinnern Antichs Gemälde die Nachwuchsbanker vielleicht an die Hoffnungen, die sie als Kinder hatten. Hoffnungen, die sich in den Schulungsräumen erfüllen können.



Armin Linke, Venetian Hotel, Las Vegas, 1999,
Sammlung Deutsche Bank

Als ich die Bank wieder verlasse, nieselt es immer noch. Bei meiner Rückkehr in die Innenstadt haben die Celtic-Fans den Platz vor dem Dom inzwischen in ein Meer aus Bierflaschenscherben verwandelt. Meine Gedanken wandern zurück zu den Kunstwerken. Es sind Arbeiten, die Licht und Humor in die nüchternen Büroflure bringen und gleichzeitig ihren Status als Kunst – und nicht etwa als Dekoration – selbstbewusst behaupten. Die mit den Angestellten in einen Dialog treten und sie anregen, ihren Arbeitsalltag gelegentlich zu hinterfragen. Die Deutsche Bank hat sich mit der DB Collection Italy eine wunderschöne und zugleich mutige Kunstausstattung geleistet. Leider kann ich kein Italienisch. Aber auf dem Weg zum Flughafen kommt mir doch ein Wort in den Sinn: Benissimo.

Mehr Informationen zu der der neuen Kunstausstattung im Mailänder Hauptsitz der Deutschen Bank finden Sie hier. Der italienisch-englische Katalog "Deutsche Bank Collection Italy" erscheint bei Silvana Editoriale, Mailand.


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