In dieser Ausgabe:
>> A Delicious Feeling of Confidence
>> Der lachende Pinsel
>> Kunst-Nukleus Villa Romana
>> Preis für junge polnische Kunst

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Im Atelier von Silke Marefka
Foto courtesy Villa Romana


Um Beweglichkeit zu gewinnen, bemühte sich die Direktorin jedoch nicht nur um eine räumliche Neugliederung der öffentlichen Bereiche der Villa, sondern auch um die Entbürokratisierung des Auswahlverfahrens für die Preisträger selbst. War für die diesjährigen Stipendiaten etwa noch eine fünfköpfige, mit Siegfried Anzinger, Günther Förg, Bernd Koberling, Katharina Grosse und Amelie von Wulffen besetzte Künstlerjury verantwortlich, so wurde das Procedere für das nächste Jahr merklich verschlankt. Lediglich die in Berlin lebende Künstlerin Ayse Erkmen und die Leipziger Kunsthistorikerin Beatrice von Bismarck wählten unter zehn vorgeschlagenen Kandidaten den Filmemacher Clemens von Wedemeyer, die Malerin Julia Schmidt sowie die Video- und Installationskünstler Asli Sungu und Dani Gal für den kommenden Stipediatendurchgang der Villa Romana aus. "Die Basis für das Ansehen des Hauses ist die Qualität der Preisträger", betont Stepken, die sich nicht auf der ruhmreichen Kunstgeschichte der Institution ausruhen möchte, sondern voll und ganz auf konzeptionelle Arbeit setzt. Dazu gehört für sie auch die Einladung der Juroren, die zukünftig mit den Preisträgern in Florenz noch einmal zu Diskussionen zusammenkommen sollen.



Angelika Stepken und die Stipendiaten 2007
Foto courtesy Villa Romana


Trotz der atmosphärischen Ausstrahlung des Hauses und des dazugehörigen weitläufigen Garten, soll nun also in den kommenden Jahren vor allem die inhaltsbezogene Arbeit am Ort und seine Vernetzung mit den aktuellen Kunstdiskursen vorangetrieben werden. Deshalb will die neue Leiterin ihre Gäste dazu ermuntern, zukünftig Gesprächspartner aus den unterschiedlichsten Bereichen nach Florenz einzuladen und wird selbstverständlich auch ihre eigenen Verbindungen spielen lassen, um inspirierte Künstler, Ausstellungsmacher, Kritiker und Kunsthistoriker nach Florenz zu holen. Für die nächsten Monate befindet sich Stepken schon mit unterschiedlichsten Künstlern im Gespräch für gemeinsame Projekte, wie etwa dem 1949 geborenen, albanischen Maler Edi Hila, der als Lehrer an der Kunstakademie Tirana prägend für eine ganze Generation jüngerer albanische Künstler wie etwa Anri Sala wirkte. Auch die New Yorker Fotokünstlerin Collier Schorr, die in den Staaten längst ein Star ist, und im Badischen Kunstverein gerade ihre viel beachtete erste Einzelausstellung in Deutschland hatte, will Stepken nach Florenz holen. Und ebenso wie den jungen Berliner Bildhauer Kai Schiemenz, den sie im Florentiner Stadtraum eine seiner spektakulären, Arena-artigen Skulpturen errichten lassen will.

Atelier in der Villa Romana
Foto: Heinz Peter Knes


Durch derlei Gastspiele soll das beschauliche Arbeiten durch Diskussion und regen Austausch, nicht zuletzt auch mit den ortsansässigen Institutionen etwa mit dem ebenfalls in Florenz beheimateten kunsthistorischen Institut der Max-Planck-Gesellschaft bereichert und die Villa Romana einer intellektuellen und künstlerischen Frischzellenkur unterzogen werden. Das Künstlerhaus als "Nukleus, der unterschiedliche Bezugnahmen ermöglicht", schwebt Stepken dabei als Optimalzustand vor. Schon jetzt ist klar, dass an diesem traditionsreichen Ort ein international vernetzter Think-Tank für die Gegenwartskunst entsteht, der abseits der großen Metropolen Zeichen setzt. Die Vorraussetzungen, die das Haus, die Ausstellungsräume, seine Ateliers und die Gästezimmer für diese ehrgeizigen Pläne bieten, könnten besser nicht sein.

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