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Anarchistischer Witz
Janek Simon erhält den Preis für junge polnische Kunst





Janek Simon, der Gewinner von „Views“,
dem Preis für junge polnische Kunst



Nach intensiven Debatten war es so weit: eine internationale Jury erklärte Janek Simon zum diesjährigen Gewinner von Views, dem Preis für junge polnische Kunst. Die gemeinsam von der Deutschen Bank Stiftung und der renommierten Warschauer Zacheta Nationalgalerie ins Leben gerufene Auszeichnung wurde jetzt bereits zum dritten Mal verliehen, um junge Künstler in Polen zu fördern. Begleitet wird der mit 10.000 Euro dotierte Preis von einer Ausstellung in der Zacheta. Hier werden noch bis zum 11. November die jüngsten Arbeiten aller Nominierten präsentiert - mit zum Großteil eigens für "Views" konzipierten Werken. Neben Gewinner Janek Simon sind dieses Jahr Michal Stachyra, Rafal Jakubowicz, Olga Lewicka, Karol Radziszewski sowie die beiden Künstlerduos Sedzia Glówny und Rusz Art Gallery in der Schau vertreten. Ihre künstlerischen Statements spiegeln die Vitalität der jungen Szene Polens wider. In einer Situation des Umbruchs zwischen sozialistischer Vergangenheit und globalem Kapitalismus arbeiten die Künstler mit absurdem Witz, üben Institutionskritik oder setzen sich mit brisanten zeitgeschichtlichen Themen wie dem Phänomen des Terrorismus auseinander.

Janek Simon verbindet in seinen Arbeiten "charmante Leichtigkeit" mit subversiven Strategien - so die Begründung der Jury, die sich aus Sebastian Cichocki (Direktor der Galerie Krokia und Kunstkritiker), Britta Färber (Deutsche Bank Kunst), Elzbieta Jablonska (Gewinnerin des Views-Preises 2003), Beatrice Josse (Direktorin der FRAC Lorraine), Hanna Wróblewska (Stellvertretende Direktorin der Zacheta National Gallerie), Wojciech Kozlowski und Jaroslaw Suchan (Direktor des Museums Sztuki in Lodzs) zusammensetzte. In seinen Installationen lockt der 1977 in Krakau geborene Künstler das Publikum in subtile Fallen. Anarchistischer Witz zeichnet viele seiner Projekte aus: So hielt er etwa Vorträge über essbare Pflanzen oder die Kunst, Schlösser zu knacken. Und in Madagaskar initiierte er ein polnisches Jahr samt Kunstausstellung - allerdings ohne jede Beteiligung von Künstlern seines Landes. Für Views hat der Künstler absurde, käferartige Wesen aus Brot und Metall in den Museumsräumen ausgesetzt. Die Low-Tech-Konstruktionen krabbeln auf dem Boden umher, um sich dann vor einer Art Kultstätte, einem alten Fernseher, zu versammeln. Dessen Programm bestimmt ein Videomixer, der die Bilder zweier Fernsehkanäle zu einem seltsam verschobenen, psychedelischen Bild der TV-Realitäten mischt.


Janek Simons installation in der Zacheta Nationalgalerie


Alle zwei Jahre präsentiert die Auswahlkommission für Views viel versprechende Künstler des Landes. Unter den Nominierten finden sich Namen wie Monika Sosnowska, die in diesem Jahr zu den Favoriten für den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig zählte. Oder auch Pavel Althamer und Paulina Olowska, die mittlerweile auf großen internationalen Kunstereignissen vertreten sind. Mit dem Preis werden junge Künstler gefördert, die in der Öffentlichkeit trotz erster Erfolge oft wenig Beachtung finden. Denn in Polen fehlt es nach wie vor an Sammlern, Sponsoren und Stipendien. Für ihr kulturelles Engagement wurde die Deutsche Bank Polska S.A. letztes Jahr als Patron of Culture ausgezeichnet. Das besondere Konzept des Views-Preises war Anlass für die Verleihung dieses jährlich vom polnischen Minister für Kultur und nationales Erbe ausgelobten Preises.



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