In dieser Ausgabe:
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Jedes neue Projekt betrachtet Simon eine neue Herausforderung. Home-made electronic watch (2004) entstand als Resultat eines Experiments. Der Künstler – er hat nie eine technische Ausbildung absolviert – wollte herausfinden, wie lange er dazu benötigen würde, eine Digitaluhr nachzubauen. Es waren keine zwei Monate. Wie das VJ-Pult in der Zacheta spielt auch diese Arbeit auf ein Beispiel "westlicher" Technik, ein Statussymbol seiner Jugend an. Mit ihrem Koppelverschluss, dem in Militär-Grün gehaltenen Armband und den aufgeklebten Batterien erinnert die primitive Konstruktion allerdings auch an die Zeitzünder selbstgebauter Bomben. Und wie deren Baupläne stammen auch Simons Informationen zur technischen Umsetzung seiner Projekte aus dem Internet. Andere Arbeiten belegen sein Interesse am Absurden. So fakte er einen Taschenrechner aus China, der dann falsche Ergebnisse anzeigte. Darauf basierte das große Modell eines Hauses, das er für Gradient errichtete. Der Bau geriet so schief, dass er aussah, als würde er jeden Moment in sich zusammenfallen.


Janek Simon, Cien polamanego roweru/The Shadow of a Broken Bike, 2007,
Wandmalerei in der Ausstellung "Bike Club", Kordegarda Gallery, photo S. Madejski


Ebenso absurd: Das "polnische Jahr" das Simon auf Madagaskar initiierte, als parodistische Erinnerung an den polnischen Nationalhelden und Abenteurer Maurycy Beniowski, der im 18. Jahrhundert für kurze Zeit König von Madagaskar war. Zugleich bezog sich dieses Projekt auf koloniale Ambitionen:


Janek Simon, The Polish Year in Madagaskar, Atlas Sztuki, Lódz 2007,
Foto Dominik Szwenberg

"Polen war erst nach dem 1. Weltkrieg unabhängig geworden", erläutert Simon. "Jedes freie Land, so hieß es damals, besitzt Kolonien – also braucht auch Polen eine Kolonie. Als möglicher Kandidat galt Madagaskar. Damals gab es für dieses Vorhaben frenetische Unterstützung. Eine Menge Zeitungsartikel erschienen und sogar ein Schlager, der die Schönheiten des Lebens auf dieser Insel anpries."

Ohne jeden Kontakt vor Ort reiste der Künstler 2006 auf den afrikanischen Inselstaat. Und es gelang ihm, in der Hauptstadt Antananarivo eine Ausstellung zu seinem Polnischen Jahr zu organisieren – allerdings ganz ohne Vertreter seines Heimatlands. Stattdessen zeichneten Künstler aus anderen osteuropäischen Staaten ein wenig schmeichelhaftes Bild Polens. Simons Schau war auch eine Antwort auf die offiziellen Ausstellungen, mit denen sich Staaten gerne im Ausland präsentieren. Janek Simons vielversprechende künstlerische Entwicklung hat auch die Jury des Preises für junge polnische Kunst überzeugt. Sie verlieh ihm die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für "die charmante Leichtigkeit seiner Kunst, sein unberechenbaren Spiele und die Fallen, in die er den Betrachter lockt, für seinen subversiven Humor und seine apokalyptischen Visionen." Die eigenwilligen, vielschichtigen Arbeiten des Künstlers verblüffen das Publikum immer wieder aufs Neue. Sein aktuelles Projekt: Auf Madagaskar plant er, eine Goldmine zu kaufen. Mit ihrem Ertrag möchte er die chronisch unterfinanzierte Kulturszene Polens unterstützen. Der Preis für junge polnische Kunst bringt ihn der Verwirklichung dieses Vorhabens ein ganzes Stück näher.

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