In dieser Ausgabe:
>> Roswitha Haftmann-Preis für Douglas Gordon / Zum Tod von Angus Fairhurst / Blood on Paper
>> "Heftige Malerei": Leihgabe der Deutschen Bank / Kunstkreditkarte / Bus zur Kunst / Cai Gou-Qiang Buch ausgezeichnet

>> Zum Archiv

 
Zersplitterte Bilder
Douglas Gordon erhält den Roswitha Haftmann-Preis




Douglas Gordon
Courtesy Gagosian Gallery
Foto: Martin Hunter
© Douglas Gordon


Douglas Gordon wird diesen Mai mit dem Roswitha Haftmann-Preis ausgezeichnet – dem mit 150.000 Schweizer Franken höchstdotierten europäischen Kunstpreis. Mit seinen komplexen Videoinstallationen, die um existenzielle Themen wie die Polarität zwischen Gut und Böse, Schuld und Unschuld, Leben und Tod kreisen, wurde Gordon zu einem der international profiliertesten Künstler der Gegenwart. Bereits 1996 erhielt er den Turner Prize. Im Deutsche Guggenheim kuratierte Gordon 2005 die Ausstellung The VANITY of Allegory – ein sehr persönliches Projekt, bei dem er eigene Arbeiten mit Werken von Künstlern wie Man Ray oder Jeff Koons und Filmen zwischen Hollywood und Underground kombinierte. Die Exponate oszillierten dabei zwischen Selbstinszenierung und morbidem Spiel mit der eigenen Vergänglichkeit.





Douglas Gordon's The VANITY of Allegory
Blick in die Ausstellung
Foto: Mathias Schormann
© Deutsche Guggenheim, Berlin

"Lustvoll zerlegt, zersplittert oder verdoppelt er Bilder oder verkehrt sie ins Gegenteil. Der Zweifel ist sein Komplize auf dem Weg zum künstlerischen Erfolg", heißt es in der Begründung der Jury, zu der unter anderem Dr. Christoph Becker (Direktor Kunsthaus Zürich), Dr. Bernhard Mendes Bürgi (Direktor Kunstmuseum Basel) und Prof. Kasper König (Direktor Museum Ludwig, Köln) gehören. "Die ästhetische Brillanz und die emotionale Wucht seiner Videoarbeiten stehen seinen Vorbildern – insbesondere den Filmen Alfred Hitchcocks – in nichts nach." Der Regisseur inspirierte Gordon zu einer seiner bekanntesten Arbeiten, 24 Hour Psycho. Sie dehnt den Klassiker des Horrorfilms auf eine Länge von 24 Stunden. Jede Einzelheit wird dabei sichtbar, nie Bemerktes rückt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Vor allem Zuschauer, die den Film gut kennen, geraten in einen fast hypnotischen Zustand, in dem die Zeit still zu stehen scheint.


Douglas Gordon, Play Dead, Real Time, 2003
Ausstellungsansicht Gagosian Gallery
Courtesy Gagosian Gallery
© Douglas Gordon

Ob Gordon für Play Dead: Real Time einen dressierten Elefanten filmt, der sich in der New Yorker Gagosian Gallery wie zum Sterben niederlegt, oder in B-Movie eine Fliege zeigt, die nach langem Zucken stirbt – die Auseinandersetzung mit dem Tod spielt in seinem Werk eine zentrale Rolle. Von Douglas’ Passion für den Fußball zeugt dagegen eine seiner jüngsten Arbeiten, Zidane: A 21st-Century Portrait, der 2006 seine Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes erlebte. Neunzig Minuten lang beobachtet der Film den französischen Fußballstar Zinedine Zidane während des Spiels Real Madrid gegen Villareal im Frühjahr 2005.


Douglas Gordon, Ohne Titel, o. J.,
Sammlung Deutsche Bank

Douglas Gordon ist der neunte Künstler, der mit dem Roswitha Haftmann-Preis ausgezeichnet wurde. Alle ein bis drei Jahre wird er von der Züricher Roswitha Haftmann-Stiftung an bedeutende Gegenwartskünstler verliehen. Zu den Preisträgern gehörten unter anderem der kanadische Fotograf Jeff Wall, dessen Schau Exposure vor kurzem im Deutsche Guggenheim zu sehen war, oder Maria Lassnig, Mona Hatoum und Fischli & Weiss, die mit zahlreichen Arbeiten in der Sammlung Deutsche Bank vertreten sind.

[1] [2] [3]