In dieser Ausgabe:
>> Interview Friedhelm Hütte / Deutsche Bank VIP Lounge auf der Art Cologne
>> Interview Angelika Stepken / TEFAF 2008 / Pressespiegel True North

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De Luxe
Die VIP-Lounge der Deutschen Bank auf der TEFAF




Blick in die VIP-Lounge der
Deutschen Bank auf der TEFAF 2008
Foto Pieter de Vries


Alljährlich verwandelt die TEFAF das Maastrichter Messezentrum in ein opulentes Museum auf Zeit. Auf der 21. Ausgabe dieser weltweit renommiertesten Kunst- und Antiquitätenmesse präsentierten rund 220 Händler aus 15 Ländern Schätze im Wert von einer Milliarde Dollar – vom steinzeitlichen Idol bis zum atelierfrischen Jonathan Meese. Die Deutsche Bank setzte erneut auf Gegenwartskunst: In ihrer VIP-Lounge zeigte sie mit "De Luxe" eine spektakuläre Arbeit der US-Künstlerin Ellen Gallagher.



Blick in die VIP-Lounge der Deutschen Bank
auf der TEFAF 2008
Foto Pieter de Vries

Von ihren traditionellen Tulpenarrangements hat sich die TEFAF dieses Jahr verabschiedet. Stattdessen begrüßte die bedeutendste Kunst- und Antiquitätenmesse ihre Besucher mit einem bunten Meer aus 175.000 Anemonen – immerhin siebzig Prozent dessen, was weltweit in der ersten Märzhälfte zu haben ist. Aber nicht nur in Sachen Dekoration hat sich die European Fine Art Fair gewandelt. Eine Entwicklung, die sich schon in den letzten Jahren angekündigt hatte, setzte sich verstärkt fort. Auf der 21. Ausgabe der schönsten aller Messen begegnete man neben Renaissancegemälden oder Art Deco Juwelen auch den knallbunten Fotoarbeiten von David LaChapelle , der Christus auf amerikanische Street Kids treffen lässt, oder ein atelierfrisches Gemälde von Jonathan Meese.



David LaChapelle, Sermon, 2003
Courtesy Jablonka Galerie


Der Trend geht offensichtlich zum Zeitgenössischen. Das liegt nicht nur daran, dass qualitätvolle Werke des Manierismus oder Barock immer rarer werden. Viele Sammler mischen mittlerweile aktuelle Kunst mit Alten Meistern. So etwa Christian Boros, der vor kurzem ein Marienbild aus dem Joos van Kleve-Umkreis ersteigerte oder Jeff Koons, der sich Anfang des Jahres für 6.3 Millionen Dollar bei Sotheby's in New York eine Riemenschneider-Madonna sicherte.




TEFAF 2008
Foto Loraine Bodewes


Auch die Deutsche Bank präsentierte nach Hiroshi Sugimoto und Cai Guo-Qiang auch dieses Jahr wieder eine zeitgenössische Position: Ihre exklusive VIP-Lounge war Ellen Gallagher gewidmet, einer der bedeutendsten afroamerikanischen US-Künstlerinnen der Gegenwart. Ein opulenter Samtvorhang rahmte den Eingang zum effektvoll ausgeleuchteten, kinoartigen Raum, dessen Wände, Boden und Möbel in warmes dunkles Rot getaucht waren. Nur die Stirnwand erstrahlte in hellem Weiß. Hier hing Gallaghers 2004/05 entstandene Serie De Luxe – 60 zu einem Raster angeordnete Druckgrafiken, denen ausgefallene Techniken wie Photogravur, Tätowierung, Blattgoldintarsien oder Aquatinta eine immense materielle Sinnlichkeit verleihen.


Ellen Gallagher, aus der Serie "DeLuxe", 2005,
Sammlung Deutsche Bank,
(c) Ellen Gallagher,
Courtesy the artist und Hauser & Wirth Zürich London


Gleichzeitig lassen sie den Betrachter in die amerikanische Geschichte eintauchen: von den Jahren vor dem 2.Weltkrieg bis zu den Revolten der Bürgerrechtsbewegung in des Sechzigern. Gallagher verfremdet Archivmaterial aus Lifestyle-Magazinen wie Ebony, die eigens für den afroamerikanischen Markt entwickelt wurden, versieht ihre Models mit grotesken Perücken, gelbem Plastilin, Glitter oder Kulleraugen. De Luxe funktioniert dabei wie ein imaginäres Theaterstück, das um Geschichte und Identität der schwarzen Bevölkerung der USA kreist.


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