In dieser Ausgabe:
>> Sharon Lockhart
>> Art Works: Die neue Kunstausstattung im IBC-C

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Laura Owens, Ohne Titel, 2004,
Sammlung Deutsche Bank

Seit ihrer Gründung vor rund dreißig Jahren ist die Sammlung Deutsche Bank der Gegenwart verpflichtet und reagiert auf gesellschaftliche Entwicklungen. Dabei gibt es allerdings eine Konstante: den Schwerpunkt der Sammlungsaktivitäten bilden Arbeiten auf Papier. Im Zuge von Art Works reduziert die Sammlung ihren Bestand an graphischen Arbeiten und konzentriert sich verstärkt auf Zeichnungen. Denn kein anderes Medium ist besser geeignet, künstlerische Notizen, innovative Konzepte und Entwürfe ganz unmittelbar festzuhalten und zu kommunizieren.


Matt Saunders, Udo, 2004,
Sammlung Deutsche Bank

Im IBC-C sind ganz unterschiedliche Ausprägungen des Mediums zu sehen: Claudia und Julia Müller setzen sich mit der Bedeutung kultureller Repräsentationsformen aus Alltags-, Volkskultur und Kunstgeschichte auseinander. Für ihre Bleistiftzeichnungen der Zwei heiligen Antoniusse (2004) haben sie Heiligendarstellungen aus Gemälden alter Meister wie Hieronymus Bosch oder Pieter Brueghel d.J. als Paare auf einem Blatt kombiniert. Durch die Verdoppelung der Bildhandlung gerät die Legende der Versuchung des Antonius durch die Dämonen zur Farce.



Yoshitomo Nara, Guston Girl, 2000,
Sammlung Deutsche Bank

Während Leiko Ikemura mit ihren spontanen, rätselhaft-poetischen Zeichnungen Elemente der japanischen und abendländischen Kultur verbindet, appropriiert der junge Amerikaner Matt Saunders mit seiner Hommage an den Schauspieler Udo Kier Images aus der Pop-Kultur. Den Focus auf Asien richten aktuelle Positionen wie die Neo-Pop-Arbeiten von Takashi Murakami oder Yoshitomo Nara. Sein Guston Girl (2006) im karierten Schulmädchenrock und mit qualmender Zigarette im Mundwinkel verwiest auf die Kette rauchende Maler-Legende Philip Guston. Eine Auswahl seiner Zeichnungen mit ihren charakteristischen groben Umrissen ist ebenfalls im IBC-C zu sehen.



Wawrzyniec Tokarski, Doom, 1996,
Sammlung Deutsche Bank



Die Kunst im dem neuen Gebäude setzt sich aber auch ganz dezidiert mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen auseinander. Das dokumentieren Werke von Isa Genzken, Wawa Tokarski oder Francis Alÿs, die sich kritisch mit den Folgen von Globalisierung, Medialisierung und Migration beschäftigen. Andere Künstler, etwa Kara Walker oder William Kentridge, beschäftigen sich mit Themen wie Rassismus und hinterfragen Vorstellungen von kultureller und geschlechtlicher Identität. Mit der veränderten Sicht auf die Welt und digitaler Technologie ändern sich auch die künstlerischen Mittel.



Kara Walker,
The Emancipation Approximation (Scene #18) 1999/2000,
Sammlung Deutsche Bank


Wie sich der Umgang mit dem Medium Papier weiter entwickelt hat, zeigen im IBC-C auch junge, internationale Künstler wie Kai Althoff, Tobias Rehberger oder Ellen Gallagher. Sie verbinden Zeichnung und Malerei mit unterschiedlichen Techniken, ästhetischen und konzeptionellen Strategien. Kunst lässt den Betrachter – wie es das Wort "zeitgenössisch" zum Ausdruck bringt – teilhaben an der Zeit. Sie reflektiert nicht nur gesellschaftliche Entwicklungen, sondern nimmt sie oft auch vorweg. Gerade in jungen Positionen kommt dieser innovative, seismographische Aspekt der Kunst besonders gut zum Ausdruck. Die Präsentation im IBC-C zeigt, wie vital und vielfältig die Kunst in der Deutschen Bank den Arbeitsalltag begleitet – als eine Sammlung, die sich kontinuierlich weiterentwickelt und erneuert. .

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