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Hans Arp, Dada-Mitbegründer und Wegbereiter der abstrakten Kunst, wird mit einer Skulptur und seinen Arpaden-Siebdrucken (1923) aus der Sammlung präsentiert. Die verspielten Zeichnungen entstanden während eines Besuchs bei Kurt Schwitters in Hannover und wurden in der fünften Ausgabe des Merz-Magazins veröffentlicht. Die Serie der Arpaden-Siebdrucke umfasst dabei sieben einfache, aber grafisch ausdrucksstarke Motive, deren Titel surrealistisch anmuten: Schnurrbart-Hut, Die Nabel-Flasche, Schnurrbart-Uhr.


Hans Arp,
Die Nabel-Flasche, aus Merz 2. (7Arpaden),
Sammlung Deutsche Bank

Neben Arp ist Marcel Broodthaers mit unterschiedlichen Werken vertreten. In frühen Jahren unterzeichnete dieser das Manifest der belgischen Surrealisten Pas de Quartiers dans la révolution. Texte, Literatur und Politik gehören aber auch zu den festen Bestandteilen seiner späteren Arbeiten. Die 1972 entstandene Siebdruck-Serie Museum Museum (1972) ist ein Beispiel für Broodthaers institutionskritische Haltung: Die Arbeit reproduziert in Pop Art-Manier 16 Goldbarren, auf denen Künstlernamen von Mantegna bis Magritte und Bezeichnungen von Wirtschaftswerten wie "Butter" oder "Kanone" zu lesen sind. Gänzlich unbeschwert nehmen sich daneben seine lockeren Zeichnungen für Huit Projets aus, die ein Jahr zuvor entstanden.


Fundação Calouste Gulbenkian, Lissabon

Angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten, die die Sammlung mit über 50.000 Werken für eine Schau bietet, war die Architektur der Ausstellungsräume im Gulbenkian-Museum für Jürgen Bocks Auswahl entscheidend: "Das im spätmodernistischen Stil errichtete Gebäude der Gulbenkian-Stiftung wurde 1969 eröffnet. Daher fiel die Wahl auch auf Arbeiten, die den Zeitgeist widerspiegeln, der bei der Planung der Stiftung vorherrschte. Indem die Schau direkt auf die architektonische Situation reagiert, reflektiert sie auch deren Funktion als musealer Raum."


Eva Hesse, Ohne Titel, 1963,
Sammlung Deutsche Bank

Bekannt ist das Lissabonner Gulbenkian-Museum über die Grenzen Portugals hinaus vor allem als hervorragende Privatsammlung seines charsimatischen Begründers: Calouste Sarkis Gulbenkian (1869-1955). Als Pionier der Ölwirtschaft mit Verhandlungsgeschick und Diplomatie avancierte Gulbenkian Anfang des 20. Jahrhunderts zum Magnaten, der wegen seiner prozentualen Beteiligung am internationalen Ölgeschäft gerne auch "Mister Five Percent" genannt wurde. Mit Geschäftssinn und ausgesprochenem Hang für höchste Qualität, baute der in Istanbul geborene Armenier eine erlesene Kunstsammlung auf, dessen Bandbreite sich von ägyptischen Skulpturen und griechischem Schmuck über chinesisches Porzellan, persische Teppichen und Gemälde alter Meister wie Rembrandt und Rubens erstreckt.


Francis Alys, The Modern Procession, 2002,
Sammlung Deutsche Bank

Die Fundação Calouste Gulbenkian, die sich neben der Kunst auch der Wissenschaft, Bildung und Wohltätigkeit widmet, zählt zu den reichsten Stiftungen Europas. Als Kunstförderer ist sie eine feste Größe in der portugiesischen Kulturlandschaft: Rund 90 Prozent der bekannten Künstler des Landes waren einmal Gulbenkian-Stipendiaten. Es ist gerade diese fundamentale Bedeutung der Stiftung als maßgebliche Förderinstitution Portugals, die das Lissabonner Museum für eine Ausstellung mit Werken aus der Sammlung Deutsche Bank so geeignet erscheinen lässt. Für beide – Gulbenkian Stiftung und Deutsche Bank – spielt schließlich die frühzeitige Förderung junger Talente und die Vermittlung von Kunst bei ihrem Kunstengagement eine zentrale Rolle.

Die Ausstellung im Centro de Arte Moderna der Fundação Calouste Gulbenkian ist vom 3. Juni bis 7. September 2008 zu besichtigen. Nach der Ausstellungseröffnung erscheint ein Katalog mit einer Einführung des Kurators und Texten der Kunsttheoretikerin Gertrud Sandqvist sowie des Essayisten José Bragança de Miranda.

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