Im Schatten der Geschichte
Sun Xun im Museum of Contemporary Art Australia

Er gehört zu den interessantesten jüngeren Künstlern aus China. In seinen expressiven Zeichnungen, Gemälden und Animationsfilmen thematisiert Sun Xun die Widersprüche einer Gesellschaft zwischen Jahrtausende alten Traditionen und rasanter Modernisierung. Jetzt präsentiert das Museum of Contemporary Art Australia (MCA) in Sydney eine umfassende Werkschau des Künstlers, der mit zahlreichen Arbeiten in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist. Zu den Highlights der Ausstellung zählen zwei Arbeiten, die extra für das MCA entstanden sind: Maniac Universe, ein über 40 Meter langes Wandgemälde auf handgeschöpftem Papier, und Who First Saw the Stars?, eine Serie von 25 übermalten Holzschnitten. Beide Arbeiten werden mit ultraviolettem Licht angestrahlt, was ihre fluoreszierenden Farben zum Leuchten bringt.  

In seinem Werk kombiniert Sun traditionelle künstlerische Praktiken wie Tuschemalerei, Holzschnitt und Kalligrafie mit modernen, digitalen Bildverfahren. Dabei liefern die Geschichte und die aktuelle Situation in China den Subtext vieler seiner Arbeiten. Doch auch Anspielungen auf die globale Gegenwart finden sich – nicht zuletzt dadurch, dass Sun in den letzten Jahren häufig internationale Tageszeitungen als Material für seine Papierarbeiten nutzt. Der 1980 geborene Künstler ist ein obsessiver Zeichner und arbeitet sogar während der Flüge zu seinen zahlreichen Ausstellungen rund um die Welt.

Neben Pferden, Schildkröten oder Drachen taucht seit einigen Jahren auch immer wieder ein sehr undurchsichtiger Charakter in seinen Arbeiten auf – ein Magier mit Zylinderhut. Der Künstler nennt ihn „the only legal liar” – den einzig rechtmäßigen Lügner. Offen bleibt dabei, ob es sich hier um eine Art Alter Ego handelt oder einen Gegenspieler, der unsere Sicht auf die Welt manipulieren möchte. Heute kann man Sun Xuns mysteriösen Magier auch als Sinnbild für all die Politiker verstehen, die ungeniert mit „alternativen Fakten“ operieren – in China ebenso wie im Westen.
A.D.

Sun Xun
bis 14.10.2018
Museum of Contemporary Art Australia, Sydney