Another World: Tracey Emin und ihr Studio kuratieren Ausstellungsprojekt auf der Frieze London

Frieze London steht 2018 im Zeichen des Feminismus: Die neue Sektion „Social Work“ präsentiert Arbeiten von sozial engagierten Künstlerinnen, die in den 1980er-Jahren gegen den männerdominierten Kunstmarkt aufbegehrten. Und auch die Deutsche Bank, der Hauptsponsor der Frieze-Messen, engagiert sich. In ihren Lounges präsentiert sie ausschließlich Arbeiten von Künstlerinnen, die von Tracey Emin und ihrem Studio aus der Unternehmenssammlung ausgewählt wurden.
Alles begann mit dem Ausstellungskonzept zur Feier eines historischen Ereignisses. Vor genau hundert Jahren führten Deutschland und Großbritannien das Frauenwahlrecht ein. Das lief nicht ohne Kampf ab. Während damals Suffragetten auf die Straße gingen und für die Gleichheit kämpften, begannen Frauen langsam die Kunst zu erobern. Doch auch hier mussten sich Künstlerinnen wie Louise Bourgeois gegen einen chauvinistischen Betrieb erst durchsetzen.

Um dieses Jubiläum zu feiern und zugleich einen Blick auf die Leistungen von Künstlerinnen zu werfen, kuratieren Tracey Emin und ihr Studio die zweiteilige Schau Another World mit Werken von Künstlerinnen aus der Sammlung Deutsche Bank. Gezeigt werden die Arbeiten in den Lounges der Bank auf den beiden Londoner Frieze-Messen: Während auf der Frieze London Positionen der globalen Kunstszene wie Mona Hatoum, Lubaina Himid oder Laura Owens zu sehen sind, werden auf der Frieze Masters Pionierinnen wie Barbara Hepworth, Eva Hesse oder Paula Rego präsentiert.

Doch geht es Emin um mehr als eine Reflexion der Kunstgeschichte. Sie will ganz konkret Londoner Hilfsprojekte für Frauen unterstützen. Deshalb kontaktierte sie alle 520 lebenden Künstlerinnen der Sammlung Deutsche Bank und bat sie um bis zu vier postkartengroße Werke, die in der Lounge der Frieze London ausgestellt und für eine Mindestspende von £200 zu erwerben sind. In Kooperation mit der London Community Foundation geht der Erlös an Hilfsprojekte. Die Reaktion war überwältigend. „Frauen fällt es einfach leichter einander zu helfen“, so Emin auf die Frage, warum sich so viele Künstlerinnen aus der Sammlung an ihrer Aktion beteiligt haben.

Der Clou: Die Arbeiten sind auf der Rückseite signiert. Der Käufer erfährt erst nach dem Kauf, von wem die Arbeit stammt. Angesichts der vielen prominenten Künstlerinnen in der Sammlung ist es gut möglich, dass man das Original einer weltberühmten Künstlerin erwirbt oder aber das Werk einer angesagten Newcomerin. Zugleich geht das Konzept der Postkarten auf die Anfänge der Frauenbewegung zurück. Damals wurden Postkarten genutzt, um Propaganda für oder gegen das Wahlrecht für Frauen zu machen. Reproduktionen dieser häufig sehr originellen Karten sind in der Deutsche Bank Wealth Management Lounge auf der Frieze Masters zu sehen.

Another World widmet sich zwar der Gleichberechtigung von Frauen, dennoch versteht Emin die Doppelschau nicht nur als feministisches Statement: „Auch wenn alle Werke von Frauen stammen, wollte ich, dass jeder etwas mit dem Thema anfangen kann. Another World – das könnte sich auf den Dämmerzustand des Halbschlafs beziehen oder eine andere Welt, ein anderes Universum, oder das Tierreich. Für mich persönlich repräsentiert diese andere Welt das Leben nach dem Tod.“

Die Künstlerin bemerkte einmal, dass es für sie nicht in Frage käme, Mutter und Künstlerin zu sein. In einem Interview mit dem Red Magazine sagte sie dazu, dass Kinder zu bekommen, ihre Kunst beeinträchtigen würde. „Ich weiß, dass einige Frauen es hinbekommen. Aber das ist nicht die Art von Künstlerin, die ich sein möchte“, erklärt sie. „Ich kann nur 100% Mutter oder 100% Künstlerin sein. Ich bin nicht exzentrisch, ich mache einfach keine Kompromisse.“ Trotzdem ist sie davon überzeugt, dass Sexismus eines Tages kein Thema mehr sein wird: „Hier ändert sich langsam etwas. Wir brauchen vermutlich nur noch zweihundert weitere Jahre bis es soweit ist.“ Was sie jungen Künstlerinnen rät? „Benutze zuverlässige Verhütungsmittel. Schlafe nicht mit Galeristen oder jemand anderem, der deiner Karriere nützlich erscheint. Versuche, immer sachlich zu argumentieren. Wenn das nicht hilft, schrei’ das ganze Haus zusammen. Arbeite jede Stunde, die Gott dir schenkt. Und am wichtigsten: Vergleiche dich nie mit irgendjemand anderem.“