„Es geht um die Idee“
Vier Fragen an Zilla Leutenegger

Zu den Highlights von „The World on Paper” zählt „Moondiver II“ – Zilla Leuteneggers Multimediainstallation in der Rotunde des PalaisPopulaire. Der Mond fasziniert die Schweizer Künstlerin seit Langem. Eine ihrer frühen Ausstellungen hieß 2003 „Der Mond ist mein Freund“. In den Romanen von Jules Verne und H.G. Wells ist die Eroberung dieses Himmelkörpers eine Fantasie der anbrechenden Moderne. Zugleich wird der Mond seit der Antike mit weiblichen, unbewussten Kräften und Gefühlen in Verbindung gebracht. Leuteneggers „Moondiver II“ variiert dieses Thema mit melancholischem Witz: Der Mond ist nur noch eine Attrappe, die ein Baukran in den Himmel hievt – ein gigantischer Paper Moon, der in verschiedenen Farben leuchtet wie ein Lampion.
ArtMag: Ihre Multimediainstallation „Moondiver II“ ist im Rahmen der Ausstellung „The World on Paper” derzeit im PalaisPopulaire zu sehen. Was interessiert Sie am Mond und bedeutet er für Sie?

Zilla Leutenegger: Der Mond ist einer meiner ältesten Freunde. Seit Kindstagen bin ich von ihm fasziniert. Zu Hause stand ein Fernrohr, damit schaute ich immer bloß den Mond an, denn dort sah man viel. Diese Oberfläche! Das finde ich immer noch so faszinierend, wie ich es als Kind gefunden habe. Und ich mochte den Mond auch immer, weil man sich auf ihn verlassen kann. Jede Nacht ist er da, auch wenn man ihn gar nicht sieht.

Welche Rolle spielt die Zeichnung für Ihre künstlerische Arbeit?

Wenn ich zeichne, kann ich nachdenken. Es ist eine Art, sich zu konzentrieren. Und mit dem Medium der Zeichnung bin ich der Idee am nächsten.

In „Moondiver II“ wie in vielen anderen Ihrer Arbeiten überlagern sich Wandmalerei, Zeichnung und Videoprojektion. Wie ist die Idee entstanden, diese unterschiedlichen Medien so zu verbinden?

Zu der Zeichnung kam der Faktor Zeit dazu. Mit dem Medium des bewegten Bildes, der bewegten Zeichnung konnte ich dies mit in die Installation einbauen. So entstand das, was ich 'Videozeichnung' nenne: Die Verschmelzung von zwei Techniken, die unterschiedlich sind, die ich beide jedoch immer gerne mochte. Meine erste solche Videozeichnung entstand 1999, Dream as Drawing.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen und was inspiriert Ihre Arbeiten?


Ich kam relativ spät zur Kunst, erst mit 27 Jahren hatte ich das erste Mal das Gefühl, selbst Kunst machen zu wollen. Sie zumindest zu studieren und zu sehen, was dies mit mir macht. Und dann habe ich festgestellt, dass es das ist, was ich immer wollte. Besonders gefällt mir an der Kunst der paradoxe Umstand, dass man etwas machen kann, wenn man gar nichts macht, denn es geht wie bei allen kreativen Prozessen um die Idee. Und die lauert irgendwo, meist tief verborgen in den dunklen Schichten der Langeweile.