A Fragile Beauty
Das Dallas Museum of Art feiert Günther Förg

Günther Förg gilt als einer der wichtigsten Erneuerer der Malerei. Sein Werk bewegt sich zwischen Moderne und Gegenwart, Europa und den USA, abstrakt-lakonischem Minimalismus und gestischer Expression. A Fragile Beauty lautet der Titel der ersten großen Retrospektive des Künstlers seit seinem Tod 2013. Nach ihrer Premiere im Amsterdamer Stedelijk Museum ist die Schau jetzt im Dallas Museum of Art zu sehen, wo sie von der Deutschen Bank gesponsert wird. Zudem sind hier auch zwei Leihgaben aus der Sammlung zu sehen: Ein zweiteiliges unbetiteltes Diptychon, das mit seinen beiden Rechtecken in Nachtblau und Gold auf die amerikanische Farbfeld-Malerei antwortet und dabei gleichzeitig Förgs Materialexperimente veranschaulicht: Für den rechten Teil trug Förg Acrylfarbe auf Holz auf, während er für den linken Teil Rupfen mit Blattgold überzog. Bei anderen Gemälden nutzte der 1953 geborene Künstler Blei und Aluminium als Bildträger. Die zweite Leihgabe in der Ausstellung, die großformatige Fotoarbeit Treppenhaus München (1984), steht für ein anderes zentrales Thema in Förgs Œuvre – die Auseinandersetzung mit modernistischer Architektur.  

Das Dallas Museum of Art (DMA) zählt zu den zehn größten Kunstmuseen in den USA. Ob Abstrakter Expressionismus, Pop Art oder Videokunst – im DMA sind fast alle wichtigen Kunstströmungen nach 1945 präsent. Mit Gemälden von Gerhard Richter, Sigmar Polke und Anselm Kiefer liegt dabei ein besonderer Fokus auf Positionen aus Deutschland, sodass die Förg-Retrospektive die Sammlung des Museums bestens ergänzt. Eigenwillig wie kaum ein anderer Künstler experimentierte der Künstler mit dem Formenvokabular der Moderne und Nachkriegsmoderne. Seit Mitte der 1970er-Jahre entwickelte er ein Werk, in dem Malerei, Fotografie, Skulptur und Papierarbeiten gleichberechtigt miteinander agieren. Wie sein 1977 verstorbener Künstlerkollege Blinky Palermo bezog sich auch Förg auf die Formensprache der europäischen Abstraktion und der amerikanischen Minimal Art an. Doch was dort oft streng und weihevoll wirkte, kommt bei ihm lakonisch, flüchtig und spielerisch daher.

Auf zahlreichen Gemälden und Papierarbeiten in A Fragile Beauty sind Gitter- und Fensterstrukturen zu sehen. Förg durchzieht diese Fenster häufig mit zittrigem Liniengewirr und Farbschlieren. Man blickt nicht hinaus in eine illusionistische Landschaft, sondern auf Farbe, Fläche, Duktus. Das DMA präsentiert auch eine große Auswahl seiner Architekturfotografien, etwa von den Ikonen der Moderne wie der Villa Malaparte und dem Haus Wittgenstein. Oder auch von Gebäuden in Jerusalem und Tel Aviv, die in den 1930er und 40er Jahren von aus Europa emigrierten Architekten im Bauhaus-Stil entworfen wurden. Förgs Kamera präsentiert die Architekturen ungeschönt, teilweise in verwahrlostem Zustand – als Monumente, die beinahe trotzig die Aufbruchsstimmung der Moderne und die sozialen Utopien ihrer Zeit verkörpern.

Günther Förg: A Fragile Beauty

21. Oktober 2018 - 27. Januar 2019
Dallas Museum of Art

A.D.