Premiere in Hollywood
Die Frieze kommt nach Los Angeles

Die erste Ausgabe der Frieze Los Angeles findet im Herzen von Hollywood statt – in den legendären Paramount Studios. Hier präsentieren sich nicht nur einige der weltweit wichtigsten Galerien. Die von der Deutschen Bank gesponserte Messe setzt auch auf ein ambitioniertes Rahmenprogramm. Und sie beweist, dass sich Los Angeles neben New York als das Epizentrum der US-Kunstszene etabliert hat. Ein Preview von Achim Drucks.
„Spaß. Freude über die absolute Absurdität von Opulenz und Elitedenken. Lustige Gespräche.” Das alles verspricht Tom Pope den Besuchern seines One Square Club – mit nur einem Quadratmeter Grundfläche der kleinste Private Members Club der Welt. Ausgestattet mit einer maßgeschneiderten Bar, stilvollen Tapeten und gemütlicher Beleuchtung bringt er ein Stück britische Lebensart in die Paramount Studios. Genauer gesagt in deren Backlot – den Teil des Areals, auf dem Außenaufnahmen gedreht werden. Die Idee zu der Installation, die von außen an eine Telefonzelle erinnert, kam dem britischen Künstler vor ein paar Jahren. Damals erfuhr er, dass ein einziger Quadratmeter Grund im Londoner Nobelviertel Kensington ganze 11.365 Pfund (ca. 13.000 Euro) kostete. „Ich dachte, das ist verrückt", erinnert sich Pope, der 2011 mit einem Deutsche Bank Award für Nachwuchskünstler ausgezeichnet wurde. „Wie kommt dieser Wert zustande? Worauf basiert er?“ Sein One Square Club wurde dann nicht nur zum kleinsten, sondern auch zum exklusivsten Club der Welt: Die Mitgliedschaft gilt nur für einen Tag und ihr Preis basiert auf dem Wert des Quadratmeters, auf dem die Installation gerade steht. Doch jetzt bietet die Frieze Los Angeles die Möglichkeit zum kostenlosen Besuch des Clubs, denn die Deutsche Bank präsentiert Popes Arbeit in ihrem ArtSpace. Der jeweilige Gast kann seine Musik auswählen, etwas trinken, mit dem Künstler eine Karaoke-Nummer interpretieren oder sich mit ihm darüber unterhalten, wie der Wert von Immobilien – oder auch von Kunst – zustande kommt.

Auf der ersten Frieze Los Angeles findet man den Club ausgerechnet in den Kulissen, die den Straßen von New York täuschend echt nachempfunden sind und wo Filmklassiker wie Der Pate oder Frühstück bei Tiffany gedreht wurden. In seiner Nachbarschaft sind auch die Frieze Projects angesiedelt. Ali Subotnick, die als langjährige Kuratorin des Hammer Museums bestens mit der lokalen wie der internationalen Szene vernetzt ist, hat für diese Sektion 17 Künstlerinnen und Künstler dazu eingeladen, sich mit der Messe und ihrem Setting auseinanderzusetzen. So ist Paul McCarthy mit einer seiner riesigen aufblasbaren Skulpturen vertreten. Wie King Kong oder Godzilla steht die monumentale Ketchupflasche vor einem Wolkenkratzer im „Finanzviertel“ des Studiogeländes. Auch Trulee Halls Beitrag ruft Erinnerungen an trashige Horrorfilme wach: Sie lässt einen fluoreszierenden Riesenwurm auf eine der Gebäudeattrappen los. Die seltsame Kreatur windet sich durch das ganze Haus. Dazu hat die in L.A. lebende Künstlerin ein Video gedreht, in dem reale und animierte Charaktere auf dem Backlot „performen“ und dabei konventionelle Rollenbilder, wie sie auch im Hollywood-Kino immer wieder propagiert werden, ad absurdum führen. Lisa Anne Auerbach ließ sich dagegen von den New Yorker Hellsehern und Handlesern inspirieren, die gerne mit rot leuchtenden Neonröhren in den Fenstern auf sich aufmerksam machen. Ihr Psychic Art Advisor verbindet Hellseherei mit Kunstberatung. Doch leider kann Auerbach den Messebesuchern, „keinen Anspruch auf eine korrekte Vorhersage der Zukunft garantieren.“

Die Frieze Projects steigern das leicht surreale Gefühl, dass die Filmkulissen vermitteln. Denn die Messebesucher befindet sich sozusagen an zwei Orten gleichzeitig – in einem künstlichen New York und einem realen Los Angeles. Das ist auch als humorvolle Anspielung auf das Konkurrenzverhältnis zwischen den beiden wichtigsten Kunstmetropolen der USA zu verstehen. Galt New York lange unangefochten als die Nummer Eins, hat Los Angeles in den letzten Jahren sehr stark aufgeholt. Der Boom der dortigen Szene ist nicht zu übersehen. Hier leben und arbeiten nicht nur einige der angesagten Künstlerinnen und Künstler: Laura Owens, Ryan Trecartin, Sterling Ruby. Auch neue private Ausstellungshäuser wie The Broad oder die Marciano Art Foundation haben sich etabliert. Sie bereichern eine Museumslandschaft, die mit dem LACMA, dem MOCA oder dem Hammer Museum ohnehin hervorragend aufgestellt ist. Und Downtown florieren die jungen Galerien – wie die Night Gallery oder The Box, die von Paul McCarthys Tochter Mara geleitet wird. Aber auch Global Player wie Sprüth Magers oder Hauser & Wirth haben sich in den letzten Jahren in der Metropole angesiedelt. All diese Galerien sind auch auf der ersten Frieze Los Angeles präsent, die so die Spannbreite der lokalen Szene bestens abbildet. Insgesamt wurden rund 70 Galerien ausgewählt. Die meisten Teilnehmer kommen aus den drei Städten, in denen die Frieze aktiv ist: London, New York und Los Angeles. Untergebracht sind sie in einem Zelt, das Kulapat Yantrasast designt hat. Der ehemalige Assistent von Tadao Ando zählt gerade zu den begehrtesten Museumsarchitekten und hat in Los Angeles unter anderem das Institute of Contemporary Art und die Marciano Art Foundation entworfen.

Die Deutsche Bank engagiert sich seit 2004 für die in London gegründete Frieze. Als Global Lead Partner begleitet sie auch die Expansion der Kunstmesse, die 2012 die Frieze Masters sowie die Frieze New York initiierte und jetzt auch den Ableger in Los Angeles. Neben Tom Popes One Square Club in ihrem ArtSpace stellt die Bank auch in ihrer Lounge im Paramount Theatre eine aktuelle Position vor. Passend zur Kino-Location wurde mit Victoria Fu eine kalifornische Künstlerin ausgewählt, die mit bewegten Bildern arbeitet. Ihre immersiven Installationen kombinieren Clips aus dem Internet mit selbstgedrehtem Film- und Videomaterial und untersuchen die Beziehung zwischen Zuschauer, Leinwand, Raum und Bild. Ausgehend von einem malerischen Ansatz setzen Fus Arbeiten dabei auf suggestive Lichteffekte. Ihre Installation in der Lounge reagiert auf die elegant geschwungene Architektur der Lobby des Kinos. Sie nimmt deren kreisförmigen Elemente auf, spielt mit natürlichem und künstlichem Licht, setzt Projektionen und Neonskulpturen ein. Mit ihrer Erforschung von Licht und Raum in Verbindung mit digitalen Techniken führt Fu die Tradition von kalifornischen Künstlern wie James Turrell und Robert Irwin in die Zukunft. Ihre Arbeiten verbinden das Analoge und das Virtuelle, das Fiktive und Reale und bringen die Bilder zum Leuchten – so wie die aktuellen Hollywood-Produktionen, die normalerweise im Paramount Theatre zu sehen sind.

Dass der Fokus der Frieze Los Angeles auf der Westcoast-Szene liegt, macht sich auch an den Galerieständen bemerkbar: So widmen sich Doug Aitkens neue Videoarbeiten seiner Heimatstadt Los Angeles. Und während Wayne Thiebauds großformatige Landschaftsgemälde das kalifornische Licht feiern, wurde Kathryn Andrews‘ jüngstes Projekt von der dunklen Seite L.A.s inspiriert – dem noch immer unaufgeklärten Black-Dahlia-Mord von 1947, der auch die Vorlage für die aktuelle TV-Serie I Am the Night geliefert hat. Kunst und Popkultur, High and Low sind in Kalifornien schon immer eng miteinander verbunden. So auch im Werk von Mike Kelley, dessen wegweisende Installation Unisex Love Nest dank der Frieze erstmals in Los Angeles zu sehen ist, wo sie vor genau 20 Jahren entstand. Zu den weiteren Messe-Highlights zählen Arbeiten von Carrie Mae Weems, Tracey Emin, Mona Hatoum, Anri Sala und Roman Ondak, die alle auch in der Sammlung Deutsche Bank vertreten sind.

Nachdem es zuvor internationalen Messen wie der Paris Photo nicht gelang, in Los Angeles Fuß zu fassen, kann die Frieze optimistisch in die Zukunft blicken. Die Teilnahme von hochkarätigen Galerien wie Gagosian, White Cube, Perrotin oder Ropac unterstreicht das Vertrauen in das neue Unternehmen. Und die Messe ist bereits jetzt bestens vor Ort vernetzt. Das 52(!)-köpfige „Host Committee“ der Frieze weist viele große Namen auf – von Celebrities wie Salma Hayek, Tobey Maguire oder Serena Williams bis zu wichtigen Protagonisten der lokalen Kunstwelt. Die Mega-Sammler Edythe und Eli Broad zählen ebenso zu den Unterstützern wie die Museumsdirektoren Klaus Biesenbach (Museum of Contemporary Art), Michael Govan (LACMA) und Ann Philbin (Hammer Museum). Strategisch günstig wurde der Termin der Messe zwischen den Grammys und den Oscars angesetzt. Und dann startet die Frieze auch noch genau am Valentinstag. Beste Voraussetzungen also für eine langfristige Liebesgeschichte zwischen Los Angeles und der Frieze.  

Frieze Los Angeles
14. – 17. Februar 2019
Paramount Pictures Studios, Hollywood