Die Wahrheit des Windes
Die 9. Asia Pacific Triennial of Contemporary Art in Brisbane

Wer wissen möchte, was die Künstler im asiatisch-pazifischen Raum gerade umtreibt, muss nicht unbedingt die gesamte Region bereisen. Ein Besuch der 9. Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (APT9) bietet eine weitaus unkompliziertere Möglichkeit, sich einen Eindruck von der Vielfalt der dortigen Kunstszene zu verschaffen. Die Schau ist das Vorzeigeprojekt des QAGOMA (Queensland Art Gallery & Gallery of Modern Art) im australischen Brisbane. Seit ihrer Gründung 1993 hat die Triennale mehr als 3 Millionen Besucher angezogen. Und auch die aktuelle Ausgabe dürfte wieder ein großer Erfolg werden: Bei freiem Eintritt können die Museumsbesucher mehr als 400 Arbeiten von 80 Künstlern und Kollektiven aus mehr als dreißig Ländern erleben. Auf einen Titel oder ein Motto, dem sich die ausgewählten Kunstwerke unterordnen, haben die acht Kuratoren ganz bewusst verzichtet. Doch auffällig ist auf jeden Fall der Trend hin zum greifbaren Gegenstand: Skulpturen, Gemälde, Fotoarbeiten, Textilien, Installationen sowie wunderkammerartige Sammlungen von Objekten sind allgegenwärtig. Und so viele „First Nation“-Künstler wie noch nie nehmen an der Triennale teil.  

Mit Cao Fei und Shilpa Gupta wurden auch 2 Künstlerinnen eingeladen, deren Arbeiten in den Frankfurter Deutsche Bank-Türmen jeweils eine ganze Etage gewidmet ist. Cao Fei ist mit ihrem Video Asia One (2018) vertreten, einer melancholischen Meditation über Einsamkeit und Entfremdung. Der Film entstand in einem der modernsten Logistikzentren Chinas. Die Belegschaft ist hier auf gerade einmal zwei Arbeiter zusammengeschrumpft, die die vollautomatisierten Prozesse steuern – unter den kontrollierenden Kameraaugen eines lächelnden Roboters. Während es Cao Fei um die Arbeitsbedingungen in der nahen Zukunft geht, experimentiert Shilpa Gupta in ihrem Beitrag wie in vielen ihrer Arbeiten mit Text. Auf einer Informationstafel, wie man sie aus Bahnhöfen und Flughäfen kennt, erscheinen immer wieder neue Worte und Satzfragmente. Nach und nach entfaltet sich eine Geschichte, in der es um persönliche Beziehungen, aber auch Zugehörigkeit und die Angst vor dem Nationalismus geht.

Das Spektrum der Triennale-Künstler reicht vom Jaki-ed Project, einer Gruppe von dreizehn Weberinnen von den Marshall Islands, bis zu Rasheed Araeen, der zu den wichtigsten Bildhauern des Minimalismus zählt. Er ist mit einem seiner typischen, in den späten 1960ern konzipierten modularen Objekten vertreten. Eine ähnliche Arbeit des in London lebenden pakistanischen Künstlers ist bei Objects of Wonder zu sehen. Die Schau steht ab Februar 2019 im PalaisPopulaire auf dem Programm und zeigt mit 75 Meisterwerken aus der Sammlung der Londoner Tate, wie britische Künstler seit dem Zweiten Weltkrieg die Skulptur revolutionierten. Minimalistischen Strukturen begegnet man ganz unverhofft dann auch bei einem der spektakulärsten Beiträge – Ann Nobles Hommage an die Biene, eine Auftragsarbeit für die Triennale. Die neuseeländische Künstlerin hat im QAGOMA einen Bienenstock installiert: Hier kann man zuschauen, wie das Insekten-Kollektiv seine sechseckigen Waben baut. In einem schicken minimalistischen Design sind auch die durchsichtigen Röhren gestaltet, durch die Bienen nach draußen fliegen können. Doch Noble setzt auch einen Kontrapunkt – mit einer Installation aus geisterhaften Schwarz-Weiß-Aufnahmen von toten Bienen. Jede dieser extremen Vergrößerungen wirkt wie ein Mahnmal – eine Erinnerung daran, wie bedroht diese Spezies ist, die für die ökologischen Kreisläufe auf unserem Planeten von so großer Bedeutung ist.

Auch Jonathan Jones’ aus fast 2.000 geflügelten Objekten zusammengefügte Wandinstallation entstand als Auftragsarbeit. Steine und Känguru-Knochen hat der Künstler mit Federn bestückt, die Menschen in ganz Australien für ihn gesammelt haben. Die unbetitelte Arbeit erinnert an einen Vogelschwarm, der sich im Galerieraum niedergelassen hat. Begleitet wird die Installation von einer Soundarbeit. Hier mischen sich Windgeräusche mit Vogelstimmen und geflüsterten Wörtern auf Wiradjuri, der Sprache eines Aborigines-Stammes, zu dem auch der Künstler gehört. Jones bezieht sich auf den uralten Glauben, dass der Wind der Überbringer der Weisheit ist. In ihrer Verbindung von Tradition, Spiritualität, dem kollektiven Ansatz und einer sehr reduzierten, zeitgemäßen Form ist dies die Arbeit, die den Geist der aktuellen Asia Pacific Triennial vielleicht am besten verkörpert.
A.D.

9. Asia Pacific Triennial of Contemporary Art
bis 29.04.2019
QUAGOMA, Brisbane