Anime, Animation, Avatare:
Lu Yang ist „Artist of the Year” 2022

Der chinesische Künstler Lu Yang ist „Artist of the Year” 2022 der Deutschen Bank. Lu Yang wurde in Shanghai geboren, wo er auch heute lebt und arbeitet. Lu Yang ist einer der international einflussreichsten chinesischen Multimedia-Künstler der Gegenwart. Als „Artist of the Year“ wird er im Herbst 2022 im Berliner PalaisPopulaire der Deutschen Bank seine erste große Einzelausstellung in Deutschland zeigen.

Lu Yangs künstlerisches Schaffen umfasst 3D-Animationsfilme, Videospiel-Installationen, Hologramme, grafische Arbeiten und Virtual Reality. In Lu Yangs immersiven Installationen verbinden sich die Welten von Anime, Manga und Science-Fiction mit Neurowissenschaften, Biotechnologie und buddhistischem Denken. Eines der zentralen Elemente in Lu Yangs Arbeit bildet der Tanz. Wie in Welcome to LuYang Hell (2017) oder Encephalon Heaven (2017) stellt er das konventionelle, binäre Denken radikal in Frage.

Dazu gehören Vorstellungen von „gut“ und „böse“ ebenso wie die Kategorisierungen „ich“ und „du“ oder „natürlich“ und „künstlich“. Lu Yangs Werke postulieren einen neuen Begriff der Realität, der sich durch die Virtualisierung radikal ändert: „Im Buddhismus gibt es die Vorstellung, dass nichts real ist, weder in der digitalen noch in der physischen Welt. Sie lässt sich nicht anfassen, sie ist wie eine Blase oder ein Traum. Auf der Grundlage dieses Konzepts glaube ich nicht, dass digitale Welten eine Fälschung sind. Sie sind real.“

VR ist für Lu Yang kein Schauplatz für fantastische Fluchten, sondern ein zeitgemäßes Experimentierfeld für die Erweiterung unserer Identität, unserer Wahrnehmung und die Loslösung von einem erstarrtem Ego-Begriff. Der Künstler, der selbst keinem bestimmten Geschlecht zugeordnet werden möchte, arbeitet dabei mit verschiedenen genderneutralen Avataren, die unterschiedliche Welten und Zustände durchleben.

Lu Yangs jüngster digitaler Avatar Doku wird in der kommenden Berliner Ausstellung eine zentrale Rolle spielen. Mithilfe aktueller 3D-Scan- und Modellierungstechnologien sind Lu Yangs Gesichtszüge auf einen schlanken, androgynen Körper gesetzt. Das Projekt führt Lu Yangs umfangreiche interdisziplinären Kollaborationen mit Musiker*innen, Wissenschaftler*innen, Designer*innen und Tänzer*innen fort.

„Lu Yang repräsentiert eine junge Generation in der asiatischen Kunst, für die es kein Widerspruch ist, Mythen, uralte Traditionen und spirituelles Denken mit neuester Technologie und Wissenschaft zu verbinden. Wir freuen uns besonders, Lu Yang 2022 und damit zeitgleich mit dem 150-jährigen Jubiläum der Deutschen Bank in Asien auszuzeichnen“, so Anna Herrhausen, Leiterin des Bereichs Kunst und Kultur der Deutschen Bank.

Die Auszeichnung „Artist of the Year“ wird auf Empfehlung des Deutsche Bank Global Art Advisory Council vergeben, dem die renommierten Kurator*innen Hou Hanru, Udo Kittelmann und Victoria Noorthoorn angehören. Im Fokus stehen vielversprechende Künstlerinnen und Künstler, die bereits ein künstlerisch wie auch gesellschaftlich relevantes Werk geschaffen haben, das die beiden Schwerpunkte der Sammlung Deutsche Bank einbezieht: Arbeiten auf Papier oder Fotografie.

Ab dem 4. Dezember sind Lu Yangs Werke in einer großen Solo-Ausstellung im ARoS Aarhus Kunstmuseum zu sehen. Im Berliner Kulturforum war er 2019 in Micro Era, einer Gruppenausstellung zu chinesischer Medienkunst, vertreten.