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"It is what it is"
Nachruf auf Hanne Darboven



"Kunst ist eine Mischung aus Konzept und Disziplin." So lautete eine der Maximen von Hanne Darboven. Jetzt ist die Künstlerin im Alter von 67 Jahren in ihrer Heimatstadt Hamburg gestorben. Schon während ihres Studiums an der Hamburger Hochschule für bildende Künste siedelte Darboven 1966 für zwei Jahre nach New York über. Im Umfeld von Concept und Minimal Art entstanden ihre ersten Konstruktionszeichnungen. Schon bald darauf wurden Tagesdaten zur Basis ihres Werks. Mit Zahlenreihen, ausgeschriebenen Zahlwörtern und ihrer auf U-förmige Bögen reduzierten Schrift hielt sie die Zeit fest und fand damit das Thema, das ihr Werk von nun an prägen sollte. Indem Darboven später Texte, Fotografien oder Zeitschriftencover in ihre Arbeiten integrierte, reflektierte sie historische, gesellschaftliche und politische Themen. In ihrem Haus in Hamburg arbeitete sie mit unglaublicher Konsequenz: täglich von vier Uhr bis elf Uhr morgens entstanden unzählige Blätter. "Die Eleganz dieser Arbeit und dieses Denkens ist etwas, das man nie vergisst", so erinnerte sich ihr Künstlerfreund Sol LeWitt an die erste Begegnung mit Hanne Darboven. Und Lawrence Weiner brachte ihr unverwechselbares Werk auf diese prägnante Formel: "It is what it is."

Darboven arbeitete gegen Verlust und Vergessen an, indem sie die Zeit rekonstruierte: durch die ausdauernde Tätigkeit des Aufschreibens, das Einbeziehen wichtiger Persönlichkeiten und ausgewählter alltäglicher oder historisch herausragender Begebenheiten in ihr Werk. Aus der obsessiven Beschäftigung mit Zahlen und Daten entstand im Laufe der Jahre ein völlig singuläres Werk: Tausende von Blättern, auf denen sie die Zeit notierte, um das Chaos der Welt in einem Ordnungssystem zu bannen. Die Künstlerin ist seit den frühen 1980er Jahren in der Sammlung Deutsche Bank vertreten. 2006 zeigte das Deutsche Guggenheim mit Hommage à Picasso ihre zu Lebzeiten letzte museale Ausstellung. Die furiose Installation tauchte die Wände der Ausstellungshalle vom Boden bis zur Decke in ein Meer von Zahlen. In 270 maßgefertigten Rahmen fanden sich annähernd 10.000 Blätter, auf denen Darboven das letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts notierte. Eine Gruppe von lebensgroßen, aus Reisig geflochtenen Eseln, eine üppige Bronzeziege, handbemalte Ornamentrahmen: Die kunsthandwerklichen Objekte, die Darboven ihren Zahlenkolonnen und Schriftbildern zur Seite stellte, erinnerten an die Formensprache Picassos; an seine Liebe zum Volkstümlichen, zum "Primitiven". Zugleich erfüllten sie den Raum mit einer Mischung aus beinahe anrührender Naivität und kultischer Mystik. In ihrer letzten Museumsschau fand Darboven eine geradezu spirituelle und zugleich heitere Form, die der Ausstellungshalle die Anmutung einer modernen Kapelle oder einer ägyptischen Grabkammer gab. Musikalisch begleitet wurde die Ausstellung durch Darbovens neu produziertes Werk Opus 60, einer Sinfonie für 120 Orchestermusiker, das im Lichthof des Gebäudes Unter den Linden aufgeführt wurde.

Darboven ließ ihre Installation als Ort der Läuterung erscheinen - würdevoll, milde, konzentriert. Zugleich war dieses Spätwerk mit einem wunderbaren Hauch trockenen Humors durchsetzt. So signierte die Künstlerin einige der Blätter für ihre eigene, innig geliebte Ziege: H.D. + Mickey 1995. "Jeder, der die Ehre hatte, Hanne Darboven näher kennen zu lernen", so Friedhelm Hütte, Global Head Deutsche Bank Art, "wird sich an sie nicht nur als eine der bedeutendsten Künstlerinnen des 20.Jahrhunderts, sondern auch als eine absolut gradlinige, warmherzige, unverwechselbare Persönlichkeit erinnern. Am meisten hat mich die unerbittliche Konsequenz in all ihrem Tun beeindruckt."






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