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Geflügelte Kunst:
Wings II im Kunstraum Deutsche Bank


Engel, Adler, mythische Gestalten: Die diesjährige Sommerausstellung im Kunstraum Deutsche Bank in Salzburg ist der Ikonographie des Flügels in der zeitgenössischen Kunst gewidmet




Wings ist nicht nur der Name der Band von Paul McCartney und seiner ersten Frau Linda, die in den 1970ern versuchte, die Nachfolge der Beatles anzutreten. Wings lautete auch der Titel einer Ausstellung der Salzburger Galerie Thaddaeus Ropac, die sich in diesem Frühjahr der Ikonographie des Flügels in der zeitgenössischen Kunst gewidmet hat. Bei Presse und Publikum gleichermaßen sorgte der geballte Auftritt geflügelter Wesen für Furore. Er begeisterte aber auch die beteiligten Künstler und so steht jetzt als jährliche Sommerausstellung im Kunstraum Deutsche Bank eine erweiterte Fassung der Schau auf dem Programm – wobei fast alle Künstler der Ausstellung auch in der Sammlung Deutsche Bank vertreten sind. Pünktlich zu den Salzburger Festspielen präsentiert Wings II erneut ganz unterschiedliche Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit diesem vielschichtigen "beschwingten" Thema,

Den historisch-mythologischen Deutungen von Sandro Chia und Mimmo Paladino, die als Vertreter der italienischen Transavanguardia in den 1980ern die figurative Malerei mit expressiver Gestik und Farbgebung neu belebten, stehen kühle technoide Interpretationen gegenüber, wie etwa die Wandobjekte von Gerwald Rockenschaub und Lori Hersberger. Während Rockenschaubs unbetitelte Arbeit die geometrisierte Variante eines geflügelten Wesens zeigt, kombiniert Lori Hersberger auf Early Bird (2006) verspiegelte Flächen mit gestischen Farbschlieren.

Ob Andy Warhols Pre-Pop-Zeichnungen von Putten, Feen und Kindern in Elfenkostümen, die in den 1950er Jahren entstanden, oder die Laubsägearbeiten, mit denen der New Yorkers Tom Sachs nicht ganz ohne Ironie die Tier-Fabel von Reineke Fuchs illustriert, zeigen, wie sehr das Thema "Flügel" als Metapher für Fantasie und Freiheit auch die Pop- und Massenkultur inspiriert hat. Marc Brandenburgs gespenstisch-feine Bleistiftzeichnungen von hektisch aufflatternden Tauben zeigen allerdings die dunkle Seite von urbanen Alltagswelten: Wie auch seine fotorealistischen Szenen von Demonstranten, Fahnen schwenkenden Fußballfans, Clowns, Rummelplätzen oder Wasserfontänen wirken sie auf eine irritierende Weise bedrohlich. Er beraubt diese ursprünglich "friedlichen" Motive ihrer vermeintlichen Neutralität, indem er sie zeichnerisch "umdreht" und ins Negative transformiert. Brandenburg, der seine Arbeiten mit eingefrorenen Momenten und Filmstills vergleicht, macht die latente Gewalt hinter alltäglichen Motiven sichtbar, indem er sie in gleißendes, unwirkliches Licht taucht und wie mit Röntgenstrahlen durchleuchtet.

Georg Baselitz hingegen widmet sich einem geflügelten, durchaus kriegerischen Wappentier: Er ist mit einer großen Leinwand mit Adler-Motiv sowie einer Reihe von Aquarellen aus seiner 2008 begonnenen Remix-Serie in der Ausstellung vertreten. Mit diesen Arbeiten tritt er in einen Wettstreit mit jüngeren figurativ arbeitenden Künstlern – zugleich aber auch mit dem eigenen Frühwerk. In seinem Adler-Bild paraphrasiert Baselitz ein vertrautes Thema: Bereits in seiner Jugend und später wieder in den frühen 1970er Jahren tauchte das Motiv des Adlers auf. In der Beschäftigung mit Deutschlands offiziellem Wappentier thematisiert er die Frage nach nationaler Identität. Der Adler erscheint dabei als ramponierter Widergänger einer Vergangenheit, die es einer Revision zu unterziehen gilt. Auch Anselm Kiefer, der 1980 gemeinsam mit Baselitz den Deutschen Pavillon der Venedig-Biennale bespielt hat, setzt sich ganz intensiv mit der deutschen Geschichte auseinander. Seine 1987 entstandene, großformatige Papierarbeit hat ihren Titel dem Gedichtband Mohn und Gedächtnis entlehnt, in dem Paul Celan die Schrecken des Nationalsozialismus verarbeitet. Kiefer hat ein bleigraues Bombermodell auf einen bleigrauen Hintergrund appliziert, dessen schrundige Oberfläche an vom Krieg verwüstete Landschaften erinnert.

Ganz ohne Anspielungen auf Geschichte und Mythologie kommt Alex Katz aus. In seinen unterkühlten figurativen Bildern konzentriert er sich meist auf Personen und Landschaften aus seiner unmittelbaren Umgebung. Mehrere Monate im Jahr verbringt Katz in seinem Sommerhaus in Maine, wo auch Yellow Seagull entstand, das lakonische Bild einer einsamen Möwe, die vor einem blass-gelben Himmel schwebt. Während Tom Sachs' Laubsägenarbeit Bienen zeigt, die auf eine Wabe zusteuern, ist Stephan Balkenhol mit einer eigens für die Ausstellung geschaffenen Holzskulptur eines Engels vertreten. Im Zentrum einer Gruppe von Werken, die Ilya & Emilia Kabakov für Wings II zur Verfügung gestellt haben, steht die Rauminstallation How Can One Change Oneself? (1998). Sie setzt sich mit den utopischen Projekten der Sowjetära auseinander und deren Versuchen, einen besseren Menschen heranzuzüchten: Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, können sich die Ausstellungsbesucher zwei an der Wand hängende Flügel anschnallen – um dann als Engel an einem Tisch alltägliche Büroarbeiten zu verrichten.


WINGS II
24. Juli - 18. September 2010
Kunstraum Deutsche Bank, Schwarzstraße 30, 5020 Salzburg
Mo - Fr 9.00 - 17.00 Uhr, Sa 10.00 - 17.00 Uhr






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