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"Zwischen den Sprachen und Kulturen"
Die Presse über "Found in Translation" im Deutsche Guggenheim


Die Welt rückt im Zeitalter der Globalisierung immer enger zusammen, mehr und mehr Menschen bewegen sich über kulturelle und sprachliche Grenzen hinweg. Doch wenn Worte in eine andere Sprache übertragen werden, transportieren sie mehr als nur ihren Sinn. Die Interpretation des Übersetzers, seinen eigenen kulturellen Hintergrund, seine Absichten – all das wird ebenfalls Teil des neuen Textes. Dieses Phänomen thematisiert die Schau "Found in Translation" im Deutsche Guggenheim, in der sich internationale Künstler mit einer nur scheinbar einfachen linguistischen Aufgabe auseinandersetzen. Das Presseecho auf die Ausstellung ist geteilt.


"Übersetzung von Sprache wird zum Mittel junger inspirierender Konzeptkunst", so charakterisiert Christel Dalhoff für den Fernsehsender 3sat Found in Translation."Welche Rolle spielt die Übersetzung in einer Welt, in der doch fast alle Englisch sprechen? Eine große: Das sieht man an den vielen spannenden Arbeiten (…) in dieser kleinen, aber feinen Schau." Anna Pataczek vom Tagesspiegel schreibt: "Interessant wird es erst, wenn die Kunst die Schattenseiten aufzeigt, wenn es um Missverständnis und Instrumentalisierung geht." Dies macht für sie besonders die Arbeit von Matt Keegan deutlich: Sie demonstriere, wie eine Englischlehrerin "ihre Schüler, meist erwachsene Einwanderer aus Mittel- und Lateinamerika, gleich auf einen vorgeblichen American way of life eingenordet". Für Barbara Wiegand von Deutschlandradio "greifen die Künstler das Thema als plakative Metapher auf, als verschlüsselte Poesie, oder auch als komplexe Allegorie.(…) Auch wenn es so einiges zu lesen gibt in der Ausstellung – trocken und verkopft wirkt das Ganze nicht. (…) Die meisten Künstler beschäftigen sich sehr konzentriert und tiefgründig mit dem Thema. Mit der Übersetzung als Modell und Metapher, als Symbol für Bedeutungswandel- und Verlust. Sie finden mitunter unerwartetes, erschließen neue Zusammenhänge, dort – zwischen den Sprachen und Kulturen – wo die Dinge sonst oftmals verloren gehen".

Nichts was ihm gefällt findet dagegen Bela Akunin von der Website Kunst+Film: "Sämtliche Exponate verfehlen, das Eigentümliche von Übersetzungsleistungen deutlich zu machen: die Auswahl zwischen Alternativen und das subtile Abwägen, welche davon warum vorzuziehen wäre. Damit bleibt der Ansatz dieser Ausstellung in der bloßen Behauptung stecken – kein glücklicher Fund, nirgends." Und auch Silke Hohmann (Monopol) ist nicht ganz überzeugt: "Die Auswahl der Werke geriet überraschend einförmig: etwas aufsagende Menschen, Schilder, eingeblendeter Text überall. Ein bisschen weniger Didaktik, stattdessen mehr von dem unregulierbaren Chaos, das Sprache auch bedeutet, wäre gut zu verkraften." Für Sina Schroeder vom Stadtmagazin Zitty ist die "Botschaft der Ausstellung klar: Übersetzungen sind produktive Prozesse, wir sind nicht "lost", sondern "found in translation". Doch um zu dieser Aussage zu finden, muss der Besucher die Arbeiten zunächst selbst entschlüsseln. Keine leichte Aufgabe, O Zhangs Fotountertitel etwa stehen da auf Chinesisch. Und so kann die Übersetzung mancher Arbeiten doch noch scheitern." Andrea Hilgenstock vom tip fragt sich scheinbar etwas überfordert: "Versteht man was – auch ohne Worte? Gewiss nicht ohne Kenntnis der komplexen Hintergründe, auf die sich Arbeiten wie diese beziehen." Für Peter Richter von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung kommt bei der Schau "am Ende aber nicht wirklich eine Gegenthese zu Sofia Coppolas Schmunzelfilm Lost in Translation heraus: Die Differenz der Kulturen und Sprachen gebiert auch hier vor allem Beklemmung, bestenfalls Poesie und üblicherweise diese etwas verdruckste Bill-Murray-hafte Form von Komik." Das sieht Volkmar Draeger vom Neuen Deutschland ganz anders: "Das Deutsche Guggenheim leistet einen bemerkenswerten Beitrag, die Sachverhalte der Translation im Wortsinn vor Augen zu führen. Found in Translation nennt sich die Ausstellung, in der neun internationale Künstler mit den Mitteln der Konzeptkunst zeigen, was sie in Untersuchung des Themas witzig, hintergründig oder erschreckend aufgespürt haben." Und auch Johannes Wendland vom Handelsblatt ist begeistert: "Ausstellungen im Berliner Guggenheim-Ableger waren immer sehr kompakt und niveauvoll. Selten hat jedoch eine Ausstellung an diesem Ort so viele interessante Fragen aufgeworfen und zum Weiterdenken angeregt."




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