ArtMag by Deutsche Bank Deutsche Bank Gruppe  |  Verantwortung  |  Kunstprogramm  |  Deutsche Bank KunstHalle  |  English  
Home Feature On View News Presse Archiv Service
Diese Kategorie enthält folgende Artikel
Den Horizont erweitern - Die erste California-Pacific Triennial
Stadt in Sicht – Künstler aus der Sammlung Deutsche Bank blicken auf urbane Lebenswelten

drucken

weiterempfehlen
Den Horizont erweitern
Die erste California-Pacific Triennial


Er glaube an die Kraft der Erinnerung, sagt Dan Cameron. Die beste Kunst sei jene, die einen einfach nicht mehr loslässt. Jetzt hat der neu berufene Kurator des Orange County Museum of Art (OCMA) Arbeiten von 32 Künstlern aus 15 Ländern zusammengetragen – für die erste Ausgabe der California-Pacific Triennial. Die Deutsche Bank ist Partner der vielversprechenden Ausstellung, in der auch zahlreiche Künstler aus der Unternehmenssammlung vertreten sind.


Annähernd 80 Studiobesuche in dutzenden von Städten zwischen China und der amerikanischen Westküste hat Dan Cameron absolviert, um Positionen aus Ländern wie Guatemala, Indonesien, Vietnam, Mexiko oder Australien zusammenzutragen. Es geht dem 53-jährigen Kurator der neuen California-Pacific Triennial darum zu zeigen, wie vielfältig und aufregend die Kunst der Pazifikregion ist. Nach Camerons Ansicht findet gerade ein bedeutender Paradigmenwechsel statt: Der transatlantische Austausch zwischen New York, Paris, London und Berlin, der die Kunst des 20. Jahrhunderts geprägt hat, wird zunehmend abgelöst – durch den kulturellen und künstlerischen Transfer zwischen den Anrainerstaaten des Pazifiks. Nationale Grenzen, so Cameron, werden immer durchlässiger. Deshalb empfand der Kurator das Vorgängerprojekt der Triennale, die 1984 gegründete California Biennial, als nicht mehr zeitgemäß. Dokumentierte die renommierte Schau im OCMA bislang, was die aktuelle Westcoast-Szene umtreibt, erweitert er den Fokus mit dem neuen Konzept radikal.

Wie bereits für die letzten vier Ausgaben der California Biennial ist die Deutsche Bank auch Hauptsponsor der Triennale. Die Ausstellung verspricht, sich als eines der wichtigsten Kunst-Events in der Region zu etablieren. Das liegt auch an dem unkonventionellen Blick, den Cameron auf die Kunstproduktion beiderseits des Pazifiks lenkt. Eine ganz wichtige Neuerung: Es sind nicht mehr nur die jungen Künstler, die im OCMA gewürdigt werden. Im Gegensatz zu früher sind ein Großteil der Teilnehmer sogenannte „Mid-Career Artists“, die zwischen 1950 und 1980 geboren wurden.

Das können bekannte Positionen wie Fernando Bryce oder Darío Escobar sein. Beide setzen sich auf ganz unterschiedliche Weise mit den Folgen des Kolonialismus auseinander. Die Zeichnungen von Bryce erinnern an Comic-Strips und basieren auf historischen Bildern und Texten. Im OCMA ist seine 89-teilige Serie Südsee (2007) zu sehen, für die der in Lima und Berlin lebende Künstler ganze Seiten aus wilhelminischen Magazinen und Zeitungen abzeichnet – ein gespenstischer Trip in die gerne verdrängte koloniale Vergangenheit Deutschlands. Darío Escobars Skulpturen aus Baseballschlägern, Skateboards oder zu Clustern verbundenen Fußbällen verweisen hingegen auf die Banalisierung kultureller Werte. Der in Guatemala und New York lebende Künstler dekonstruiert Alltagsgegenstände zu reduzierten Objekten, die auf sakrale Volkskunst und Konzeptkunst verweisen, zugleich aber auch auf die Dominanz westlicher Konsum- und Unterhaltungskultur. Für die Triennale realisiert Escobar eigens eine große Installation.

Als einer der ersten chinesischen Künstlerinnen gelang Lin Tianmiao bereits in den 1980er Jahren der internationale Durchbruch. Sie arbeitet mit „typisch weiblich“ konnotierten Materialien und Techniken: Mit Seide und Nadeln webt und näht sie. Bekannt wurde Lin Tianmiao mit in Baumwollfäden eingesponnenen Alltagsobjekten. Im OCMA ist nun ihre Arbeit All the Same (2011) zu sehen – ein Memento Mori, für das sie Totenköpfe und Knochen umwickelt hat.

Der Gebrauch traditioneller Techniken und Formen ist für viele Künstler der Triennale kennzeichnend. So für Michael Lin, der wie Bryce in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist – für die Bank in Hongkong sogar ein großes Auftragswerk realisiert hat. Bekannt wurde Lin mit raumgreifenden floralen Wand- und Bodengestaltungen. Die Blüten-Motive entstammen der alten taiwanesischen Textilkunst und sind fester Bestandteil des lokalen Bilderrepertoires. Heute werden sie allerdings tausendfach industriell reproduziert. Lins Arbeiten haben viel mit seiner Biografie zu tun: Im Alter von 9 Jahren zog er mit seiner Familie nach Los Angeles, wo er später Kunst studierte. Nach Taiwan zurückgekehrt, wurde Lin das Spannungsfeld zwischen seiner westlichen Erziehung und dem östlichen Erbe bewusst – einer Spannung, die ebenso die gesellschaftliche Entwicklung Taiwans kennzeichnet.

Mark Dean Veca arbeitet ebenfalls mit traditionellen Designs, die ganze Räume überziehen können, doch sind sie ganz anderer Herkunft: Seine Arbeiten basieren auf den Ranken- und Blütenarrangements französischer Stoffe und Tapeten aus dem 18. Jahrhundert, in die er dann Street-Art- und Comic-Motive einflechtet. Ihre knalligen Rot- und Orangetöne verleihen den Arbeiten eine fast halluzinogene Wirkung, die an die kalifornische Pychedelic Art der späten 1960er denken lässt.

Eine echte Wiederentdeckung ist Pedro Friedeberg. Auf seinen Gemälden kombiniert er religiöse Symbole aus allen Kulturen. Mit ihren geometrischen Strukturen erinnern sie an M.C. Escher und Nintendo-Computerspiele. Der 1936 geborene Künstler gilt als der letzte noch lebende mexikanische Surrealist. Neben dem Hand-Chair hat Friedeberg, wie er erklärt, auch „einige Architekturstile, eine neue Religion und zwei Salate“ erfunden. Mit „gutem Geschmack“ haben seine bizarren Bilder und Objekte absolut nichts zu tun und man brauch einen gewissen Sinn für Humor, um sie schätzen zu können.

Natürlich sind im OCMA auch Vertreter jüngerer Generationen präsent – so die Amerikanerin Farrah Karapetian, deren Fotogramme Demonstrationen und öffentliche Proteste thematisieren, der australische Video-Künstler und Freestyle-Skater Shaun Gladwell oder Eko Nugroho, einer der profiliertesten Protagonisten der indonesischen Szene. In seinen Gemälden, Videos oder Schattenspielen setzt er sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in seinem Heimatland auseinander. Sie sind einerseits stark islamisch geprägt, andererseits aber auch vom globalisierten, westlichen Wertesystem beeinflusst. Diesen Kontrast visualisiert Nugroho, der auch in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, häufig in Form hybrider Fantasiewesen, die ihre Gesichter hinter Masken oder Helmen verstecken. „Der vielleicht wichtigste Aspekt meiner Arbeit als Künstler besteht darin“, so Nugroho, „meine Erfahrungen einem Publikum mit anderem geografischem, kulturellem und sozialem Hintergrund zu vermitteln.“

Dieser Ansatz prädestiniert Nugroho geradezu für die erste California-Pacific Triennial. Die Schau zeigt, wie spannend und vielfältig sich der künstlerische Austausch innerhalb der pazifischen Region gestaltet. Dan Camerons Entscheidung, den lokalen Fokus der California Biennial aufzugeben und den Blick für die Entwicklungen in den „Nachbarstaaten“ zu öffnen, erscheint nur konsequent. Schließlich ist Kalifornien im Grunde genommen ein Vielvölkerstaat, dessen Alltag und Kultur von den großen Migrationsbewegungen aus Südamerika und Asien entscheidend geprägt wird.

2013 California-Pacific Triennial
30.06. - 22.09.2013
Orange County Museum of Art (OCMA)
Newport Beach, California




Newsletter
Bleiben Sie immer Up to Date in Sachen Gegenwartskunst – mit ArtMag. Abonnieren Sie hier unseren Newsletter.
 

Alternative content

Get Adobe Flash player

Feature
Süden - Villa Romana zu Gast in der Deutsche Bank KunstHalle / Nur ein Schritt vom Wunder zum Desaster - Ein Rundgang durch die 55. Biennale di Venezia / Bilder vom Ende des amerikanischen Traums - Philip-Lorca diCorcia in der Schirn Kunsthalle / Enchanted Geography - Sarnath Banerjees Streifzüge durch Berlin / Das subversive Potential von Hermès-Tüchern - Shirin Aliabadi zeigt die Sehnsüchte junger iranischer Frauen / MACHT KUNST - Die Preisträger: Weitermalen - Lovro Artukovic / MACHT KUNST - Die Preisträger: Grauzonen - Radoslava Markovas Gefühlslandschaften / Theaster Gates: Inner City Blues / Gewalt und Schöpfung: Imran Qureshi in der Deutsche Bank KunstHalle
News
Highlight im Berliner Herbst - Deutsche Bank Partner der Berlin Art Week / Auf den Spuren des Kinos und der Avantgarde - Der Views Preis für junge polnische Kunst 2013 / Jubiläum im Regent’s Park - Deutsche Bank bereits zum 10. Mal Partner der Frieze London / Hoffnungskeime - Imran Qureshi im MACRO in Rom und im New Yorker Metropolitan Museum / Freundliche Monster - Fefe Talaveras Street Art-Projekt für die Deutsche Bank-Türme / Villa Romana-Preisträger 2014 - Internationale Stipendiaten zu Gast in Florenz / AxME - Ellen Gallagher in der Tate Modern / Im Dickicht der Städte - Hou Hanru kuratiert die 5. Auckland Triennial
Presse
"Ein tolles Entree" Die Presse über die Auftaktausstellung der KunstHalle
Impressum  |  Rechtliche Hinweise  |  Zugänglichkeit  |  Datenschutz  |  Cookie Notice
Copyright © 2013 Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main


+  ++  +++