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To Paint Is To Love Again - Deutsche Bank KunstHalle feiert die Malerei

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To Paint Is To Love Again
Deutsche Bank KunstHalle feiert die Malerei


Drei aktuelle Malerinnen im Dialog mit einer Ikone der Berliner Kunstgeschichte: Die Ausstellung „To Paint Is To Love Again“ stellt in der Deutsche Bank KunstHalle Bilder von Antje Majewski, Katrin Plavčak und Giovanna Sarti dem Spätwerk von Jeanne Mammen gegenüber. Die Schau ist Teil des Projekts „Painting Forever!“, für das gleich vier bedeutende Berliner Institutionen erstmals zusammenarbeiten: Die Ausstellungsprojekte in der Berlinischen Galerie, den KW Institute for Contemporary Art, der Nationalgalerie und der KunstHalle zeigen, was die Berliner Malerszene heute beschäftigt.


Wie zwei archaische Idole lässt Jeanne Mammen ihre Photogenen Monarchen antreten. Die beiden Figuren auf dem 1968 entstandenen Gemälde hat sie aus Farbflächen und silbrig glänzendem Bonbonpapier konstruiert. Ein ziemlich triviales Material, um eines der populärsten und umstrittendsten Glamourpaare der späten Sechziger Jahre zu verewigen – den Schah von Persien und seine Frau Farah Diba. Anlässlich ihres Berlin-Besuchs werden die beiden Monarchen von der Regenbogenpresse als Abgesandte eines exotischen Kaiserreichs hofiert, gleichzeitig protestieren in den Straßen die Studenten gegen den autoritären Herrscher. Bei Mammen mutieren die Monarchen zu bizarren Gestalten, die an mit Max-Ernst-Skulpturen gekreuzte Gottesanbeterinnen erinnern. Wie zu Beginn ihrer Karriere in den zwanziger und dreißiger Jahren wird die Malerin auch mit diesem Bild zur Chronistin Berlins. Anders als damals verzichtet sie jetzt auf eine ganz direkte politische Aussage. Doch eines macht sie deutlich: Die Zeit dieser in Bonbonpapier gehüllten Herrscher ist offensichtlich abgelaufen.

Solch geisterhafte Gestalten, skurriler Humor und ungegenständliche Elemente sind typisch für das Spätwerk Mammens, das zwischen den Fünfzigern Jahren und dem Tod der Künstlerin 1976 entstand. In der Deutsche Bank KunstHalle sind unterschiedliche Werkgruppen aus diesen Zeit zu sehen – Materialcollagen und halb-abstrakte Kompositionen, bevölkert von chiffrehaften Zeichen, Marionetten und Masken. Im Laufe der Jahre werden die Gemälde immer heller, Schicht auf Schicht wird aufgetragen. In den letzten, "numinosen“ Bildern posieren ihre fantastischen Gestalten vor pastos aufgetragener weißer Farbe. Die Ausstellung lässt den Betrachter eine Künstlerin neu erleben, die häufig nur mit ihren Arbeiten aus den Weimarer Jahren assoziiert wird. Mammen gilt noch immer als die Chronistin des Berliner Nachtlebens der 1920er Jahre. Doch darauf lässt sie sich nicht reduzieren. Die Ausstellung in der KunstHalle zeigt, dass es mit ihrem Spätwerk noch eine andere, ebenso starke Seite ihres Werks zu entdecken gibt.

Der Kuratorin Eva Scharrer geht es allerdings um mehr als eine Wiederentdeckung. Sie zeigt Mammens Gemälde zusammen mit aktuellen Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerinnen Antje Majewski, Katrin Plavčak und Giovanna Sarti. „Bei der Gegenüberstellung der vier Malerinnen geht es mir weniger um einen Diskurs über das Medium an sich oder um den vielbeschworenen vermeintlichen Tod der Malerei, als um den lebendigen Dialog innerhalb eines Mediums, dessen Potenzial offensichtlich noch nicht ausgeschöpft ist“, erläutert Scharrer, die als eine der 14 „Agenten“ zu Carolyn Christov-Bakargievs Documenta-Team gehörte. „Das Spätwerk Jeanne Mammens wurde zu ihren Lebzeiten kaum beachtet. Mich interessiert, was passiert, wenn man diese Werke neu kontextualisiert. Wie sie auf die Gegenüberstellung mit zeitgenössischen Arbeiten reagieren, und wie wiederum die eingeladenen Künstlerinnen auf Mammens Werk reagieren.“ Die drei Malerinnen haben sich ganz bewusst auf einen Dialog mit den Arbeiten von Mammen eingelassen und extra für die Ausstellung neue Werke geschaffen, die neben ausgewählten früheren Bildern gezeigt werden.

Majewski, Plavčak und Sarti – alle drei wurden um 1970 geboren – gehören zu einer Generation eher konzeptuell orientierter Malerinnen, die ihr Medium immer wieder hinterfragen und seine Möglichkeiten ausloten. Majewskis gegenständliche Gemälde zeigen häufig stark vergrößerte Objekte. Ob triviale Werkzeuge wie Bohrköpfe und Fahrradschlüüssel oder Gefäße aus einem archäologischen Museum – die Gegenstände auf ihren Bildern besitzen eine fast magische Präsenz, die auf ein unergründliches Eigenleben verweist.

Katrin Plavčak bedient sich unterschiedlicher Formate und Medien, doch steht die Malerei im Zentrum ihrer Arbeit. Die spukhaften Wesen auf Bildern wie Female Ghost (2012) oder Unendliche Begegnung (2011) transportieren eine surreal angehauchte Stimmung, die sie mit den späten Bildern Mammens teilen. Giovanna Sartis Bezüge zu der Künstlerin finden sich dagegen vor allem auf der formalen Ebene: In Sartis abstrakten Gemälden überlagern sich Farben, metallische Pigmente und Glitter zu Kompositionen, deren organische Strukturen den malerischen Prozess dokumentieren – und die mit Mammens schimmernden Farbgründen korrespondieren.

To Paint Is To Love Again hat Scharrer ihre Ausstellung in der KunstHalle genannt. Den poetischen Titel entlehnte sie einem 1961 erschienen Buch von Henry Miller, der neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit immer auch gemalt hat. Darin schildert er, wie sich die Welt um ihn herum veränderte, als er begann, sie als Maler zu sehen. „Die vertrautesten Dinge“, so Miller, „wurden zu einer nie versiegenden Quelle des Staunens und zusammen mit dem Staunen kam auch die Zuneigung.“ Diese Liebe zum Medium Malerei und die Einladung, die Dinge mit anderen Augen zu betrachten, charakterisiert auch Scharrers Schau.

Die Ausstellung in der KunstHalle ist Teil des vom Berliner Senat initiierten Projekts Painting Forever!, mit dem gleich vier Institutionen zeigen, wie quicklebendig, spannend und vielseitig das so häufig totgesagte Medium Malerei auch heute noch ist: Die Berlinische Galerie widmet Franz Ackermann eine als Installation konzipierte Einzelausstellung, während die Neue Nationalgalerie mit Martin Eder, Michael Kunze, Anselm Reyle und Thomas Scheibitz erstmals vier der wichtigsten Positionen zeitgenössischer deutscher Malerei gemeinsamen präsentiert. Keilrahmen, der Beitrag der KW Institute for Contemporary Art, versammelt über 70 Werke zeitgenössischer Malerinnen und Maler, die in Berlin arbeiten oder gearbeitet haben. Die Kooperation der vier Institutionen soll in den nächsten Jahren weitergeführt werden. Painting Forever! ist das Highlight der 2. Berlin Art Week, einem Programm aus Ausstellungen und Veranstaltungen sowie den beiden Messen abc – art berlin contemporary und PREVIEW. Die Deutsche Bank ist Partner der Art Week – einem Event das verspricht, das Ereignis des Berliner Kunstherbstes zu werden.
Achim Drucks

Painting Forever!
To Paint Is to Love Again

Jeanne Mammen – Antje Majewski, Katrin Plavčak, Giovanna Sarti
Deutsche Bank KunstHalle
18.9. – 10.11.2013

BERLIN ART WEEK
17. – 22. September 2013




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