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MACHT KUNST - Die Preisträger - Lena Ader: Eine gewisse Stärke

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MACHT KUNST – Die Preisträger
Lena Ader: Eine gewisse Stärke


Begehren und Gewalt, Nähe, Entfremdung und die Verletzlichkeit des Körpers – Lena Ader thematisiert existenzielle Erfahrungen. Jetzt sind die jüngsten Gemälde und Skulpturen der MACHT KUNST-Preisträgerin im Studio der Deutsche Bank KunstHalle zu sehen. Achim Drucks hat die junge Künstlerin in ihrem Studio getroffen.


Ein visueller Overkill: hyperrealistische Porträts, abstrakte Kompositionen, expressive Blumenstillleben. Dazwischen Fotografien, Collagen, Reliefs und die ein oder andere Hommage an Gerhard Richter. Dicht an dicht füllten beim zweiten Teil von MACHT KUNST rund 1.800 Werke die Wände der Alten Münze. Viele Künstler präsentierten sich bei der 24-Stunden-Ausstellung mit plakativen, lauten Arbeiten – gern in knalligen Farben, gerne auch im Großformat. Lena Ader setzte bei der von der Deutschen Bank initiierten Aktion auf einen Gegenentwurf: Ihr Gemälde In dein Gewand II ist kaum größer als ein DIN A 3-Blatt und nahezu monochrom. Seine Beige- und Hauttöne setzen sich nur dezent von der nicht grundierten Leinwand ab. Was man auf diesem atmosphärisch extrem dichten Bild sieht, scheint deutlich zu sein – zwei Frauen, deren Münder durch einen Strohhalm miteinander verbunden sind. Und doch bleibt dieser Moment geheimnisvoll. Der Atem, der durch den Halm von einem Körper in den anderen fließt, das alles hat gleichermaßen etwas Existenzielles, Spielerisches und auch Erotisches. „Es geht schon um diese konkrete Situation: Eine Frau trinkt mit einem Strohhalm aus dem Mund einer anderen Frau“, erklärt Lena Ader. „Aber diese Realität steht natürlich für irgendetwas. Ich versuche, inneren Zuständen und Befindlichkeiten eine sichtbare Form zu geben. Als das Bild entstand, ging es viel um Begehren, um Bedürftigkeit und Bedürfnisse.“

In dein Gewand II gehört in jedem Fall zu den bislang stärksten Gemälden der 1988 in Heidelberg geborenen Künstlerin. „Zum Zeitpunkt von MACHT KUNST war es das Bild, das am besten zusammengefasst hat, was ich mit meiner Kunst will und warum ich male.“ Auch die Fachjury war davon überzeugt und wählte die junge Malerin zu einem der drei Preisträger, die ihre Arbeit in einer 2-wöchigen Einzelausstellung im Studio der Deutsche Bank KunstHalle vorstellen können.

Auf den ersten Blick zählt Ader zu den zahlreichen ambitionierten jungen Künstlern, die in Wedding oder Neukölln leben und permanent damit beschäftigt sind, in Ausstellungen und Galerien unterzukommen. Doch Ader scheint von der sogenannten Kunstszene eher Abstand zu halten. Statt an ihrem Netzwerk zu arbeiten, verfeinert sie lieber mit stiller Beharrlichkeit ihre Malerei. Das tut sie in einem Souterrain-Studio im dritten Hinterhof eines Backsteinbaus in der Kreuzberger Oranienstraße. Den Raum teilt sie sich mit vier weiteren Künstlern, nur so kann sie sich den Arbeitsplatz überhaupt leisten. Bei unserem Treffen wirkt Ader wie ihre Bilder: zurückhaltend, aber sehr präsent, auf ungewöhnliche Weise klar und doch nicht greifbar.

Ihre erste „richtige“ Bilderserie entstand 2010, noch während des Studiums an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Ein Jahr lang Trost betitelte sie die aquarellhaften Gemälde von Frauen und Paaren. Es geht um Themen, die ihr ganzes Werk durchziehen: Nähe, Einsamkeit, Entfremdung und Gewalt: Bei einer auf dem Gesicht liegenden Frau lösen sich Mund und Wange in blutrote Pinselstriche auf. Spätere Bilder zeigen mit Scherben gespickte Handflächen oder eine Körperöffnung, die von zwei Händen zu einer klaffenden Wunde aufgerissen wird.

Vergleicht man die frühen mit ihren aktuellen Gemälden, wird eines offensichtlich: Der Schritt, nach Abschluss ihres Studiums im Sommer 2012 von der rheinischen Provinz in die Hauptstadt zu ziehen, führte weder inhaltlich noch ästhetisch zu einem Bruch. Nach wie vor bewegen sich ihre Protagonistinnen in hermetischen, nur durch abstrakte Farbflächen angedeuteten Räumen. Die Farbigkeit wurde weiter reduziert. Kein Wunder also, dass Ader auf die Frage nach Vorbildern für ihre Malerei nur einen einzigen Namen nennt: Michaël Borremans, der auf seinen in Beige-, Braun- und Grautönen gehaltenen Gemälden einzelne Figuren oder kleine Gruppen in enigmatischen Situationen festhält. Nicht nur in puncto Malweise und Farbigkeit, lassen sich Parallelen zwischen Aders Bildern und denen des belgischen Malers und Filmemachers erkennen. Auch das Gefühl einer gewissen Zeit- und Ortlosigkeit verbindet sie miteinander.

Aders Motive stammen aus dem Unbewussten. Diese inneren Bilder schließt sie mit realen Situationen oder Erlebnissen kurz. Hat das Motiv in ihrem Kopf schließlich Form angenommen, stellt sie es mit Freunden nach, um es dann zu fotografieren. Dabei halten die Figuren ihre Augen stets geschlossen: „Das muss so sein. Mit offenen Augen sehen die Personen einfach komisch aus. Die geschlossenen Augen haben auch damit zu tun, dass die Figuren so stärker bei sich sind. Sie wollen keinen Kontakt mit dem Betrachter aufnehmen, sondern in ihrer Welt sein und dort etwas tun oder fühlen.“

Der Tag war fast noch Nacht betitelt Ader ihre Ausstellung im Studio der KunstHalle. Neben ihrer jüngsten Gemäldeserie sind hier auch zwei skulpturale Arbeiten zu sehen: ein alter Schaukasten wie aus einem Naturkundemuseum, in dem die Nachbildung einer menschlichen Hand liegt, und eine etwas überlebensgroße menschliche Lunge – ein zweiflügliges Geflecht aus feinen Röhren und Adern, das über einer Säule im Raum schwebt. Wie alle ihre Skulpturen bestehen sie aus weißem Seidenpapier, mit dem Ader unterschiedliche Vorlagen abformt und dann zu fragilen Körpern zusammensetzt.

Ähnlich subtil wie diese Objekte sind auch die Bilder ihrer neuen Serie mit dem leicht antiquiert klingenden Titel Anheimgeben. „Dieses Wort hat etwas mit Vertrauen zu tun, jemandem etwas anvertrauen. Es geht mir aber nicht darum, das wirklich konkret mit den Bilder zu illustrieren, der Titel ist eher assoziativ gemeint. Man sieht auf den Bildern verschiedene Körperpartien, auf denen etwas liegt. Das ist mir auch erst im Nachhinein aufgefallen. Immer ist etwas dem Körper ganz nah – ein Objekt oder ein Wesen.“

Die Ausstellung mit ihrer Kombination aus Bildern und Skulpturen macht klar, dass es Lena Ader immer auch um den Körper an sich geht, also nicht nur um das psychische sondern auch um das physische Innenleben. „Du hast jeden Tag mit deinem Körper zu tun, er steht für das Leben. In ihm zeigt sich ganz viel, oder vielmehr kann ich mit ihm das zeigen, was ich zeigen will“, erklärt Ader. „Ich finde den Körper sehr spannend. Nicht nur seine Befindlichkeiten, sondern auch die Organe, wie er aufgebaut ist – dass man ihn immer bei sich hat und doch nicht wirklich weiß, wie er aussieht.“

Der Einschätzung, dass es in ihren Arbeiten vor allem um die Verletzlichkeit des Körpers oder des Menschen an sich geht, kann Lena Ader nicht ganz zustimmen. „Alles hat zwei Seiten“, sagt sie mit einem kurzen Lächeln. “Diese Zerbrechlichkeit zu zeigen und auszuhalten, dazu bedarf es ja auch einer gewissen Stärke.“


Lena Ader. Der Tag war fast noch Nacht
4.4 – 20.4.2014
Studio der Deutsche Bank KunstHalle
Berlin




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