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„Optimismus ist Teil einer revolutionären Einstellung“
Drei Fragen an Sydney Biennale-Leiterin Juliana Engberg


Unter dem programmatischen Titel „You Imagine What You Desire“ verspricht die von der Deutschen Bank geförderte Sydney Biennale ein Fest der künstlerischen Imagination. Im Interview mit ArtMag erklärt die Kuratorin und Biennale-Leiterin Juliana Engberg, warum sie gerade jetzt auf die revolutionäre Kraft der Kunst setzt.


ArtMag: Sie betonen, dass uns eine sehr optimistische Sydney Biennale erwartet. Doch wenn man sich den aktuellen Zustand der Welt anschaut, scheint es nur wenig Grund für Optimismus zu geben, sondern eher für Wut, Depression oder Frustration. Zur Zeit der Moderne war die Kunst einmal eine der progressivsten Kräfte, sie war revolutionär. Heute hat sie viel weniger Einfluss auf die Gesellschaft als Technologie oder Wissenschaft. Wie kann uns Kunst heute Optimismus zurückgeben?

Juliana Engberg: Schaut man sich nur die Probleme der Welt an, besteht die Gefahr, dass du kapitulierst und in eine lähmende Negativität verfällst. In letzter Zeit wird gerne der Kunst diese Rolle zugeteilt, Verzweiflung oder Leid zu spiegeln. Oder, noch schlimmer: sie wird in der Welt der Kunstmessen, in der es nur um Waren und Spektakel geht, als weitere Sensation betrachtet, ein Placebo, ein schnelllebiges Vergnügen. Für mich ist es an diesem Punkt wichtig, aus dem Kreislauf von Negativität oder ‚Bling‘ auszubrechen. Ich will mich wieder mit einer Kunst auseinandersetzen, die voller Energie, Erzählungen und Metaphern ist und das Publikum damit ansteckt. Der Titel der Biennale, You Imagine What You Desire, ist für mich eine Einladung an die Künstler und das Publikum. Er soll den Sinn für all das, was möglich wäre, entfachen. Und er soll auch motivieren, danach zu handeln. Optimismus ist Teil einer revolutionären Einstellung und ich wollte diese post-modernen Endzeitszenarien hinter mir lassen. Dabei nutze ich alle mir zur Verfügung stehenden Taktiken: Spaß, Aktion, Partizipation, künstlerischen Einfallsreichtum. Und ich lade das Publikum dazu ein, sich daran zu beteiligen.

Sie haben sehr unterschiedliche Künstler zur Sydney Biennale eingeladen. Wie haben sie die Teilnehmer ausgewählt? Hatten Sie von Anfang an bestimmte Themen oder künstlerische Strategien im Kopf? Gibt es etwas, das all diese Positionen verbindet?

Ich schaue immer nach mehreren Aspekten. Damit mich ein Kunstwerk wirklich interessieren kann, muss es psychologische, wahrnehmungsspezifische und anthropologische Elemente verbinden. Das Werk muss sich mit seiner eigenen Kunstgeschichte auskennen, etwas mit Geschichte zu tun haben, das es gerade jetzt wichtig macht. Und es sollte das auch auf überzeugende Art rüberbringen. Es braucht eine gewisse geistige Intensität. Seine technische, formale Ebene sollte mich überzeugen, selbst wenn es bewusst ärmlich oder amateurhaft gemacht ist. Das findet man leider nur selten. Aber es ist natürlich wundervoll, wenn ein Werk Brüche aufweist, Verschiebungen, Widerhaken, die den gewohnten Gedankenfluss stören, ohne ihn ganz zu unterbrechen. Denn das Denken soll ja in Gang kommen, sich entwickeln, oder? Wie gesagt, das kommt nicht oft vor, denn die meisten Dinge bewegen sich in festen Bahnen. Also hofft man, auf Arbeiten zu stoßen, die diese drei Aspekte besonders gut verbinden. Ich suche nach Metaphern für das kollektive Bewusstsein und beschäftige mich damit, in welchen Formen sie auftauchen und wie sie zwischen den Kulturen vermitteln können. Ich habe keine Angst vor dem Poetischen, Erhabenen und Spektakulären. Aber ich versuche, alles Didaktische zu vermeiden.

Zur Vorbereitung der diesjährigen Sydney Biennale hatte ich nur wenig Zeit, da wir die Eröffnung von Juni auf März vorverlegt haben. Hinzu kommen die unterschiedlichen Sommerzeiten auf der nördlichen und südlichen Hemisphäre, sodass für Planung und Umsetzung lediglich 12-13 Monate zur Verfügung standen. Also habe ich sehr schnell gearbeitet und mit einem klaren Ziel vor Augen meine Auswahl getroffen.

Hier in Sydney stehen uns sehr eigenwillige, ikonische oder auch unreglementierte Veranstaltungsorte zur Verfügung. Ich habe Konzepte entwickelt, die den unterschiedlichen Charakter dieser Räume aufgreifen – auf Cockatoo Island etwa das Fantastische, Wilde, die anarchistische Energie; in den Museums- und Galerieräumen geht es um die Poesie von Luft, Erde, Wasser und Feuer. „Carriageworks“, ein ehemaliges Eisenbahnwerk, wird zur Traumfabrik für die Sprache des Theaters und Kinos; im Artspace geht es um Höhenflüge der Fantasie und im Stadtraum um Neuorientierung und die Aktivierung des Publikums. All das führe ich unter meinem Titel You Imagine What You Desire zusammen. Für mich steht er für eine Brücke zwischen Kunst und Publikum. Beide sollen gemeinsam aktiv nach neuen Möglichkeiten suchen und nach diesem Liebesverhältnis, das für mich eigentlich jeder Form von Kunst zugrunde liegt.

Drei Monate wird die Sydney Biennale Kunst und Imagination feiern. Was wünschen sie sich, was soll von der Biennale bleiben, wenn Sie zu Ende gegangen ist?

Ich hoffe, ich kann die jüngeren Generationen inspirieren. Ich möchte ihnen das Gefühl geben, dass sie selbst im Stande sind, ihre Umwelt zu gestalten – sei dies ökologisch, ideologisch, gemeinschaftlich. Ich möchte ihnen zeigen, dass sie Kräfte für einen positiven Wandel sein können, dass sie gleichberechtigt miteinander in einer Gesellschaft leben können, die großzügig, offenherzig und zukunftsgewandt ist. Ich hoffe auch, dass die Älteren ihren Spaß dabei haben, zu beobachten, wie sich die jungen Leute auf die Kunst einlassen, und auch selbst etwas finden, in das sie ihre überschüssigen Energien investieren können. Außerdem wünsche ich mir, den regelmäßigen Biennale-Besuchern einige bleibende Kunsteindrücke zu verschaffen. Die Biennale von Sydney bedeutet Großzügigkeit, eine Vielzahl großartiger Veranstaltungen und ich hoffe, dass sie auch dieses Mal wieder die Herzen und Köpfe des Publikums erobert. Und wer weiß, vielleicht schaut ja einer Ihrer vermögenden Kunden vorbei und kauft die Biennale-Installation The Village!




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