ArtMag by Deutsche Bank Deutsche Bank Gruppe  |  Verantwortung  |  Kunstprogramm  |  Deutsche Bank KunstHalle  |  English  
Home Feature On View News Presse Archiv Service
Diese Kategorie enthält folgende Artikel
Moderne, Mystik, Malereigeschichte: Victor Man in der Deutsche Bank KunstHalle
Musen und Models - Lagerfeld trifft Feuerbach
Überwältigende Aufrichtigkeit: Pawel Althamer im New Museum

drucken

weiterempfehlen
Musen und Models
Lagerfeld trifft Feuerbach


Die Hamburger Kunsthalle wagt ein Experiment. Sie stellt Anselm Feuerbach, einen Meister der Malerei des 19. Jahrhunderts, einem Genie der Gegenwart gegenüber – Karl Lagerfeld. Beide verbindet die Leidenschaft für klassische Schönheit. Eigens für die von der Deutschen Bank geförderte Ausstellung schuf Lagerfeld eine Serie großformatiger Schwarz-Weiß-Fotografien, in denen er die antike Liebesgeschichte „Daphnis und Chloe“ mit prominenten Fotomodellen in Szene setzt.


Er gilt als Inbegriff eines zu Lebzeiten verkannten Genies: „Ich bin zu Großem berufen, das weiß ich wohl. Zur Ruhe werde ich erst im Tode kommen. Leiden werde ich immer haben, aber meine Werke werden ewig leben“, schreibt Anselm Feuerbach 1855 in einem Brief. Er ist erst 26 Jahre alt, hat in Antwerpen und Paris die aktuellen Malerei-Tendenzen kennengelernt und lebt jetzt im Land seiner Sehnsucht – in Italien, wo er Altmeister wie Tizian im Original erleben kann. In den nächsten Jahrzehnten wird er dort seinen ganz eigenen Stil entwickeln. Aus Antike und Renaissance destilliert er seine typischen Motive. Es sind Porträts in sich gekehrter junger Frauen: Klassisches Profil, langes schwarzes Haar, melancholischer Blick ins Leere – so zeigt er sie vor neutralen Hintergründen. Nichts soll den Blick von diesen Frauen ablenken, die Feuerbach fast kultisch zu verehren scheint und die bis heute nichts von ihrer Präsenz verloren haben.

Ein Modell fesselt ihn ganz besonders: „Anna Risi, genannt Nanna, war eines der ersten Modelle in der Kunstgeschichte, das unter anderem durch die Malerei von Anselm Feuerbach Kultstatus erlangt hat“, erklärt Hubertus Gaßner. Der Leiter der Hamburger Kunsthalle kuratierte die Doppelschau gemeinsam mit Luisa Pauline Fink. „Das gefeierte Modell, das in der Kunst der Avantgarde keine Rolle mehr spielt, taucht seit Ende der 1960er Jahre in der Mode wieder auf – mit Models wie Twiggy und später dann Claudia Schiffer, die durch Karl Lagerfeld internationale Berühmtheit erlangte. Eine Grundfrage der Ausstellung ist, ob der Kult um das Modell in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seine legitime Fortsetzung in der Mode des 20. Jahrhunderts gefunden hat“.

Und tatsächlich wirkt das Topmodel Bianca Balti, die für Lagerfeld die Chloe verkörpert, auf einigen der gezeigten Fotografien wie eine Wiedergängerin von Feuerbachs Muse Anna Risi. Moderne Mythologie nennt Lagerfeld seine Version von Daphnis und Chloe, einer antiken Geschichte eines Jungen und eines Mädchens, die gemeinsam bei Hirten aufwachsen und ihre Liebe zueinander entdecken. Die rund sechzig überwiegend großformatigen Arbeiten des Modemachers und Fotografen wurden exklusiv für die von der Deutschen Bank geförderte Ausstellung in einem aufwändigen Verfahren auf silber- und goldfarbenes Gewebe gedruckt. Entstanden sind die Schwarz-Weiß-Aufnahmen in den malerischen Naturkulissen Südfrankreichs. Selten zuvor wurde die Sehnsucht nach ländlicher Idylle mit so viel Eleganz in Szene gesetzt.

„Feuerbachs Gemälde und Lagerfelds Fotografien verbindet weitaus mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde“, konstatiert Kuratorin Luisa Pauline Fink. „Die inhaltlichen und visuellen Beziehungspunkte ergeben sich aus dem Antikenbezug, den beide vornehmen. Es geht um die Suche nach idealer Schönheit und ihrer Darstellbarkeit, die im 19. bzw. 21. Jahrhundert ganz zeitspezifisch interpretiert wird.“ Das Experiment, Feuerbach und Lagerfeld gemeinsam zu präsentieren, erweist sich als überraschend zeitgemäß, was nicht nur auf den Publikumsliebling Lagerfeld zurückzuführen ist. Denn mit Anselm Feuerbach kann man in der Kunsthalle auch einen der interessantesten und bedeutendsten deutschen Maler der Vormoderne entdecken. Die Kunst des 19. Jahrhunderts sei ein „im besten Sinne unbekanntes Land“, so der Autor Florian Illies. Und der neue documenta-Chef Adam Szymczyk schwärmt von den „unheimlich dichten Gemälden“ dieser Zeit. Wenn man Feuerbachs Bilder sieht, versteht man, wovon sie sprechen.
Achim Drucks

Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models
Hamburger Kunsthalle
21.2. – 15.6.2014




Newsletter
Bleiben Sie immer Up to Date in Sachen Gegenwartskunst – mit ArtMag. Abonnieren Sie hier unseren Newsletter.
 

Alternative content

Get Adobe Flash player

Feature
Zwischen Mythos und Realität - Victor Mans existenzielle Malerei / "Das kontemplative Kunsterlebnis findet nicht mehr statt" - Olaf Nicolai über die Zukunft der Biennalen / MACHT KUNST - Die Preisträger - Versteckspiele: Die Selbstporträts von Annina Lingens / Eine amerikanische Angelegenheit - Ein Gang über die Whitney Biennale 2014 / Let's talk: Dayanita Singh & Gerhard Steidl über die hohe Kunst des Büchermachens / Six Feet Under - Warum feiert die Gegenwartskunst so gerne Alte Meister und vergessene Outsider? / "Optimismus ist Teil einer revolutionären Einstellung" - Drei Fragen an Sydney Biennale-Leiterin Juliana Engberg / Die Sprache der Kunst neu denken - Die Whitney Biennial 2014 erweitert den Diskurs / Der Mann, der die Pop Art erfand - London feiert Richard Hamilton / Dunkle Metamorphosen - Victor Man ist Künstler des Jahres 2014 / MACHT KUNST - Die Preisträger - "Die Farben waren mir nie stark genug": Ein Besuch bei Nicolas Fontaine / MACHT KUNST - Die Preisträger - Lena Ader: Eine gewisse Stärke
News
Zucker ist nicht immer süß - Kara Walker in New York / Open House: Deutsche Bank beteiligt sich zum zehnten Mal an der Initiative "Kunst privat!" / Revolutionär: Das Logo der Deutschen Bank feiert seinen 40. Geburtstag / Internationale Kunst, Fußball und ein Hotel auf Zeit: Die Deutsche Bank ist Hauptsponsor der Frieze New York / Träume und Utopien - Deutsche Bank ist Partner der 19. Biennale von Sydney
Presse
"Linien zum Leben erwecken" - Die Presse über The Circle Walked Casually in der Deutsche Bank KunstHalle
Impressum  |  Rechtliche Hinweise  |  Zugänglichkeit  |  Datenschutz  |  Cookie Notice
Copyright © 2016 Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main


+  ++  +++