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„Es schließt sich ein Kreis“
Die Presse über „Otto Piene. More Sky“

Otto Piene zählt zu den großen Pionieren der Kunst des 20. Jahrhunderts. In Berlin wurde der ZERO-Begründer mit gleich drei Projekten geehrt: Die Deutsche Bank KunstHalle zeigte sein visionäres Frühwerk, die Neue Nationalgalerie seine psychedelische Dia-Installation „The Proliferation of the Sun“. Spektakulärer Auftakt der Doppelschau war eines von Pienes Sky Art Events. Doch mitten in den abschließenden Vorbereitungen für das Sky Art Event verstarb Otto Piene am 17. Juli 2014 im Alter von 86 Jahren. Seine Ausstellungen in Berlin wurden von der Presse begeistert gefeiert und nach seinem unerwarteten Tod unterstrichen zahlreiche Nachrufe Pienes immensen Einfluss – auch auf die aktuelle Kunstszene.
Bereits vor Eröffnung der Berliner Doppelschau wurde Otto Piene von den beiden wichtigsten deutschen Kunstmagazinen gewürdigt: Für die art besuchte Claudia Bodin den Künstler in seinem Farmhaus in Massachusetts. Piene erschien ihr als „ein personifiziertes Stück Kunstgeschichte. (…) Er trug die Kunst nach draußen, wo man sie erleben konnte. Er nahm ihr das Elitäre, das Einschüchternde.“ Für Monopol führte Boris Pofalla ein Interview mit dem „elysischen Zero-Künstler“. Darin erklärt er zu den Hintergründen seiner Sky Art: „Nach dem Zweiten Weltkrieg zu verstehen, dass der Himmel nicht mehr Ort der Gefahr war, sondern der Erlösung, der Ort des neuen Weltverstehens, das war zu der Zeit ein fast physisches Erlebnis.“ Auch die Welt am Sonntag führte ein ausführliches Gespräch mit Piene. Auf Christiane Hoffmans Frage, was der Himmel für ihn bedeutet, antwortet er mit einem Wort – „Freiheit“.

In der Zeit unterstreicht Sven Behrisch den Einfluss Pienes auf jüngere Generationen: „Wie sehr er mit den Sky Events Künstlern wie Ólafur Elíasson oder Anish Kapoor den Weg bereitet hat, kann man nicht genug betonen.“ Für Karlheinz Schmid von der Kunstzeitung ist es vor allem Pienes „nicht enden wollende Experimentierbreitschaft“, die ihn so interessant für sie macht: “Von Ólafur Elíasson bis Tomás Saraceno reicht die Liste der Künstler, die von Piene gelernt haben.“

„Pienes Licht- und Feuerkunst passt bestens in die experimentierfreudige junge Berliner Szene“, so Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung. Seine Dia-Installation The Proliferation of the Sun verwandle die Nationalgalerie in einen „magisch schönen Raum. (…) Es scheint als habe Otto Piene diese Lichtsonneninstallation eigens für deren Glasarchitektur geschaffen.“ Bei der Präsentation seines Frühwerks in der Deutsche Bank KunstHalle lobt Ruthe die „dichte, kabinettartige Ausstellungsarchitektur, die zum genauen Hinsehen auf das multimediale, kaum fassbare Oeuvre zwingt“. Im Tagesspiegel bemerkt Nicola Kuhn: „Die Deutsche Bank gibt mit 60 Arbeiten einen Rückblick auf die Zeit bis in die siebziger Jahre. Sie überraschen in ihrer Frische und Qualität. Die noch in Pienes Düsseldorfer Atelier entstandenen Lichtdrucke, die Sonnenbilder, deren konzentrische Tupfen durch aufgelegte Raster entstanden, die Graphit-Spiralen – sie alle könnten von aktuellen, jungen Künstlern stammen.“ Auch Barbara Wiegand vom Deutschlandradio Kultur ist von der Präsentation überzeugt: „Der retrospektive Teil in der Deutsche Bank KunstHalle überzeugt mit einem lebendigen Konzept, das genug Raum lässt für die eigenwillige Strahlkraft der Bilder, für die Effekte der leuchtenden Apparaturen.“

Die „spektakuläre Hommage“ an den ZERO-Pionier, so die BZ über die Doppelschau, begeistert auch die taz: „Spektakulärer und wegweisender hätte der Berliner Kunstsommer nicht beginnen können.“ „Mit Hingabe und Sorgfalt erinnern die Nationalgalerie und die Deutsche Bank Kunsthalle noch einmal an den Luftschiffer Otto Piene, der schon in den frühen Fünfzigerjahren schwerelose Figuren durch den Bildraum schweben ließ“, heißt es in der Berliner Morgenpost.

Für Niklas Maak (FAZ) ist Piene ein „Pionier einer entschlossenen Ausweitung der Kunst ins Alltagsleben. (…) Dass Otto Piene im Ausstellungsbetrieb, obwohl für die Gegenwart und ihre Kunst viel einflussreicher, dennoch viel weniger präsent ist als etwa Maler wie Anselm Kiefer oder Georg Baselitz, ist ein Missstand, der behoben werden muss, und die Berliner Ausstellungen sind ein wichtiger Beitrag für die Neubewertung seines Werks.“ In der FAS stellt Boris Pofalla fest: „Licht und Bewegung statt starrer Malerei und Plastik, Happening statt Andacht, so arbeitet Piene bis heute.“ Das sieht Gottfried Knapp von der Süddeutschen Zeitung ähnlich: „Piene hat wie kaum ein anderer die bildenden Künste aus dem Atelier geführt, draußen in Bewegung versetzt und um viele technisch-mechanische Wirkungsmöglichkeiten bereichert.“

Nach seinem plötzlichen Tod wurde Otto Piene auch international gewürdigt. Betont wird dabei besonders der Einfluss von ZERO: „Diese Gruppe hatte einen unermesslichen Einfluss auf die Gegenwartskunst in Deutschland“, so Artnet. „Ihre Arbeiten nahmen Entwicklungen in der Land, Minimal, Concept und Performance Art vorweg“, erklärt die New York Times.

Der Sky Art Event auf dem Dach der neuen Nationalgalerie wurde zu Pienes Vermächtnis: „In der Luft lag eine andächtige Stimmung: Man war auch gekommen, um Piene die letzte Ehre zu erweisen. (…) Es hätte keinen schöneren Abschied gegeben, als seine Sternenskulpturen noch einmal am Berliner Himmel leuchten zu sehen“, so Saskia Hödl in der taz. Im Tagesspiegel erklärt Simone Reber: „Darin sind sich alle einig: Otto Piene hat Berlin posthum das schönste Public Art Viewing seit Christos Verhüllung des Reichstags geschenkt.“

Im Nachruf des Spiegel heißt es: “Noch kurz vor seinem Tod hatte Otto Piene gesagt, er genieße es besonders, seine Kunst wieder in Berlin zu zeigen. Hier habe er vor Jahrzehnten eine seiner ersten Einzelausstellungen gehabt. ‘Es schließt sich ein Kreis’". Und im Focus bemerkt Gabi Czöpan. „Als Krönung seiner Karriere war im Oktober eine Ausstellung in New York geplant. Die Schau ‚ZERO – Countdown to Tomorrow, 1950-60s‘ im Solomon R. Guggenheim Museum wird nun zur ersten Gedenkausstellung für einen der ganz Großen der Kunst.”