Minimal, pur, perfekt
Imi Knoebel im Kunstmuseum Wolfsburg

Kaum ein anderer Künstler lotet die Möglichkeiten der Abstraktion so konsequent aus wie Imi Knoebel. Seit seiner Studienzeit bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Akademie geht es ihm ausschließlich um die Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Serialität – fern von jeder Gegenständlichkeit. Zu seinem 75. Geburtstag widmet ihm das Kunstmuseum Wolfsburg jetzt eine umfassende Retrospektive.

Mit der Deutschen Bank ist Knoebel eng verbunden: Zur Sammlung gehören mehr als 1.000 seiner Collagen, Zeichnungen, Fotografien und Druckgrafiken. In der ersten Kunstausstattung des Frankfurter Hauptsitzes war ihm eine ganze Etage gewidmet und das Deutsche Guggenheim, heute Deutsche Bank Kunsthalle, widmete ihm in Kooperation mit der Neuen Nationalgalerie die Doppelschau ICH NICHT/ ENDUROS.

Der Titel seiner Wolfsburger Schau, Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014, signalisiert eine gewisse Nüchternheit. Und tatsächlich wirken gerade Frühwerke, wie die 1966/68 entstandenen Linienbilder in ihrer extremen Reduktion auf akkurat gezogene schwarze Linien auf weißem Grund, eher spröde. Doch wenn man in den Kosmos des in Düsseldorf lebenden Künstlers eintaucht, erlebt man, wie aus diesen stark von Malewitsch und dem russischen Suprematismus geprägten Anfängen ein überraschend vielfältiges – und vielfarbiges – Werk entsteht.

Das Spektrum der rund 100 Exponate reicht von frühen monochromen Gemälden bis hin zu Aluminiumreliefs, die in knalligen Pink-, Gelb-, Orangetönen erstrahlen, und raumgreifenden Installationen. Auch seine erste, aus 836 Einzelteilen bestehende installative Arbeit ist zu sehen – der legendäre, 1968 an der Düsseldorfer Akademie entstandene Raum 19. "Alles in ihm“, so erinnert sich Knoebels Kommilitone Johannes Stüttgen, “das ganze Inventar, die Hartfaserplatten, die Hartfaserkuben und -quader, die Dachlatten, Hölzer, Winkel und Werkzeuge, alles war abgesteckt, abgezirkelt, reduziert, minimal, pur, perfekt, gerichtet, gemessen, geschichtet, akkurat, streng, übersichtlich, clean, professionell."
 
Die 40 x 40 Meter große Ausstellungshalle in Wolfsburg bietet auch diesem Werk den adäquaten, offenen  architektonischen Rahmen. Gegliedert wird sie von drei diagonal durch den Raum gezogenen Wänden. „Damit eröffne ich Wege“, erklärt Imi Knoebel, der die Ausstellung selbst inszeniert hat. Eine Wand ist für ihn nicht einfach nur Hängefläche, sondern Teil des Bildes und der Gestaltung. Je nach Standpunkt des Betrachters sind ganz unterschiedliche Blickachsen möglich. Der Dialog der Werke wird so zum zentralen Thema der Ausstellung. Obwohl die Ausstellung auf nahezu fünf Jahrzehnte zurückblickt, ist sie nicht chronologisch angelegt. Zu Beginn zeigt sie, so Imi Knoebel, „eigentlich nur die Anfänge  – und dann ist alles durcheinander!“. Und es ist gerade dieses „Durcheinander“, das einen beim Gang durch die Halle immer wieder überraschende Bezüge zwischen einzelnen Bildern und Werkgruppen entdecken lässt.

Imi Knoebel. Werke 1966 – 2014
25.10.2014 - 15.02.2015
Kunstmuseum Wolfsburg