Perspektiven afrikanischer Gegenwartskunst
Chris Dercon, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Simon Njami diskutieren in der Deutsche Bank KunstHalle


Contemporary African Art: Where did we come from, where are we going?

Eine hochkarätig besetzte Gesprächsrunde in der Deutsche Bank KunstHalle: Im Rahmen der Präsentation von Meschac Gabas Museum of Contemporary African Art diskutiert Tate Modern-Direktor Chris Dercon mit den beiden Kuratoren Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Simon Njami über aktuelle Perspektiven afrikanischer Gegenwartskunst.

Unter der Ägide von Chris Dercon hat sich der Fokus der Tate Modern verstärkt auf Afrika gerichtet. Neben Fotoarbeiten von J.D. Okhai Ojeikere, David Goldblatt oder Samuel Fosso wurde auch Gabas Museums-Installation für das Londoner Ausstellungshaus angekauft. Zudem widmete sich die Veranstaltungsreihe Across the Board aktuellen Tendenzen der zeitgenössischen Kunst des Kontinents, wobei die Diskussionen und Performances nicht nur in London, sondern auch in Accra (Ghana), Douala (Kamerun) und Lagos (Nigeria) stattfanden.

Bonaventure Soh Bejeng Ndikung gilt als einer der umtriebigsten Ausstellungsmacher in Berlin und ist Chefredakteur der Zeitschrift Savvy|art.contemporary.african. Im Programm seines Kunstraums Savvy Contemporary spielt Kunst aus Afrika eine wichtige Rolle – wie zuletzt bei Giving Contours To Shadows. Das Ausstellung- und Forschungsprojekt untersuchte, wie Geschichte aus einer nicht-westlich dominierten Perspektive erzählt werden kann.

Mit seiner Ausstellung Africa Remix, die von 2004-07 in Düsseldorf, London, Paris, Tokyo, Stockholm und Johannesburg zu sehen war, verschaffte Simon Njami der zeitgenössischen Kunst des Kontinents erstmals große, internationale Aufmerksamkeit. Zudem kuratierte er den afrikanischen Pavillon der Biennale Venedig 2007 und leitete zehn Jahre lang die Bamako Photography Biennale. In diesem Jahr organisierte Njami im Frankfurter MMK die Schau Die Göttliche Komödie. Himmel, Hölle, Fegefeuer aus Sicht afrikanischer Gegenwartskünstler.

Unter dem Titel „Where did we come from, where are we going?“ diskutieren Chris Dercon, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Simon Njami über die Kunstszene in einer Region, die im Westen lange Zeit nur wenig beachtet wurde. Doch das hat sich in den letzten Jahren radikal verändert. Kunst aus Afrika ist mittlerweile wesentlich sichtbarer geworden – auf Biennalen, in Institutionen und Galerien, auf Kunstmessen, wie etwa der 1:54 Contemporary African Art Fair in London – oder auch in den Deutsche Bank-Türmen in Frankfurt, wo Werken von Künstlern wie Mohamed Camara, Samuel Fosso oder Wangechi Mutu jeweils eine ganze Etage gewidmet ist. Aber auch vor Ort, zwischen Addis Abeba und Johannesburg, hat sich eine Vielzahl von unabhängigen Initiativen und Kunsträumen etabliert, die aktuellen Positionen ein Forum bieten. Doch staatliche Einrichtungen, die die Künstler unterstützen, sind noch immer kaum zu finden.

Mit der Präsentation von Meschac Gabas Museum of Contemporary African Art startet eine mehrjährige Kooperation zwischen der Deutsche Bank KunstHalle und der Tate Modern. Drei gemeinsame Ausstellungen werden sich in den kommenden Jahren bedeutenden Künstlern aus dem nicht westlichen Kontext widmen. So ist für 2016 eine Schau mit Gemälden von Bhupen Khakhar, einem der wichtigsten Maler Indiens, geplant.

Contemporary African Art: where did we come from, where are we going?
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung (Savvy Contemporary) und Simon Njami (Kurator) im Gespräch mit Chris Dercon (Direktor Tate Modern)

Deutsche Bank KunstHalle, Berlin
23.10.2014, 18:30 Uhr