„Eine subversive Kraft“
Die Presse über Meschac Gabas „Museum of Contemporary African Art”

Es ist die größte Einzelarbeit, die die Londoner Tate bislang angekauft hat – Meschac Gabas 12 Räume umfassendes “Museum of Contemporary African Art“. Als Auftakt ihrer Kooperation mit dem Londoner Ausstellungshaus präsentierte die Deutsche Bank KunstHalle sieben Räume der Installation. Das Museum des in Benin und den Niederlanden lebenden Künstlers versteht sich nicht nur als Gegenentwurf zu westlich geprägten Ausstellungskonzepten. Gaba fordert zugleich eine andere Sicht auf zeitgenössische Kunst aus Afrika. Für viele Journalisten war sein Ausstellungsprojekt einer der interessantesten Beiträge der Berlin Art Week.
Das Magazin art zählte Meschac Gabas Museum of Contemporary African Art zu seinen Highlights der Berliner Kunstwoche. Und auch der deutsch-französische Jungkuratoren-Blog Jeunes Commissaires sowie das digitale Stadtmagazin Viel Vergnügen empfahlen ihren Lesern einen Besuch der Deutsche Bank KunstHalle. In der Berliner Zeitung schrieb Irmgard Berner: „Ein Raum ohne Wände mit eigener Geografie, dessen Elemente sinnlich spielerisch ineinander greifen und Kunst und Alltag miteinander verknüpfen“. (…) „Meschac Gaba bewertet die Dinge so nicht nur neu, sondern hat die Art, wie er ausstellt, gleich mit erfunden. Denn welche zeitgenössischen Künstler müssten sich mehr des Verdachts der Folklore erwehren, als die aus afrikanischen Ländern. Das westlich geprägte Kunstsystem drängt sie in die ethnografische und postkoloniale Ecke. Genau diesem misslichen Zustand widersetzt sich Gaba mit seiner wundersamen Idee eines Museum of Contemporary African Art.“ Das sieht Andrea Hilgenstock im tip ähnlich: „Der westliche Museumsbegriff und der Tunnelblick in der Kunst erscheinen ihm ebenso suspekt wie kapitalistische Zusammenhänge, Überflussgesellschaft, Weltreligionen. Das erschließt sich nicht leicht, obschon der Künstler eher spielerisch als intellektuell vorgeht. (…) Man muss schon in diese Konzeptkunst eintauchen, die keine Folklore bietet, sondern eine sehr spezielle Sicht auf die Welt.“

Im Deutschlandfunk erklärte Carsten Probst: „Gabas Museum der Afrikanischen Kunst ist keine ethnografische Sammlung, sondern eine Installation, die den Besucher mit der kulturellen Grenze zwischen Afrika und der sogenannten westlichen Welt konfrontiert.“ Für art in berlin wirft die Installation zahlreiche wichtige Fragen auf: „Welche Rolle spielen die kulturellen Wurzeln in einer sich global gebenden Kunstszene heute? Was zum Beispiel bedeutet es, von „afrikanischer Gegenwartskunst“ zu sprechen. Falls es sie überhaupt gibt, wie kann man sie adäquat präsentieren? Und ist die Kunst eines Künstlers afrikanischen Ursprungs zwingendermaßen „afrikanische Kunst“? Wo verläuft die Grenzlinie zwischen Ethnografie und Kunst? (…) Das „Museum im Museum“ birgt eine subversive Kraft, provoziert traditionelle abendländische Denkmuster.“ Im Tagesspiegel schreibt Simone Reber: „Durchlässigkeit gehört zu Gabas Konzept. Geistige Väter sind Marcel Broodthaers und Dieter Roth – der eine, weil er das Leben und den Salon ins Museum aufnahm; der andere, weil sich sein Werk rhizomatisch fortpflanzte. Ist da ein Museum of Contemporary African Art überhaupt sinnvoll? Ist die afrikanische Kunst nicht längst globalisiert? Sucht man in Berlin den Katalog von Gabas Londoner Ausstellung 2013, dann befindet er sich nicht in der Kunstbibliothek. Er steht im Ethnologischen Museum.”